IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg
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Unternehmensnachfolge

Unternehmensnachfolge – eine große Chance, wenn es richtig gemacht wird

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg begleitet pro Jahr ca. 50 Unternehmensnachfolgen von der Vermittlung von Unternehmensinhabern und deren Nachfolgern bis hin zur Beratung zum Übernahmepreis oder auch zu Finanzierungsfragen. Daraus resultieren viele Erfahrungen, die im folgenden dargestellt werden.

Verglichen mit einer Existenzgründung bietet die Übernahme eines Unternehmens erhebliche Vorteile (aber auch Risiken). Mit der Übernahme wird auch der Kundenstamm übernommen. Das Know-how von Mitarbeitern, die sich in der Branche auskennen, ist ein weiterer Pluspunkt. Zukünftige Geschäfte können besser abgeschätzt werden. Das erleichtert wiederum die Finanzierung.

Übernehmer und Inhaber werden vermittelt – aber wie?

Die Industrie- und Handelskammern unterhalten zusammen mit Banken und Wirtschaftsförderungseinrichtungen die Datenbank www.nexxt-change.org . Hier werden Unternehmen, die zur Übernahme anstehen, und Nachfolger kostenlos vermittelt. Die Anzeigen werden über die IHK in Chiffreformat kostenlos eingegeben. Diese Nachfragen und Angebote können vom Interessenten nach geografischen oder auch nach z. B. branchenorientierten Kriterien im Internet recherchiert werden. Annoncierte Unternehmen und interessierte potenzielle Nachfolger bleiben in jedem Falle anonym.

Interessenten schreiben der Stelle, die die Annonce eingespeist hat. Von dort aus wird die Anfrage zum Auftraggeber weitergeleitet. Das Instrument der Vermittlung über das Internet funktioniert, wie die oft daraus resultierenden Anträge für eine öffentliche Finanzierung zeigen. Es gibt aber auch andere, einfache und trotzdem erfolgreiche Wege. Oft reicht ein Gespräch mit dem Steuerberater oder auch dem Ansprechpartner bei der Bank schon aus. Dann ist der Zufall Meister des Geschehens, aber der Zufall ergibt sich eben oft. Erstaunlich viele interessante Kontakte werden auch durch kleine Anzeigen in lokalen oder überregionalen Zeitungen vermittelt.

Nun ist das Vorstellungsgespräch gelaufen. Inhaber und Nachfolger passen zueinander.

Es geht in die Vertragsverhandlung. Was ist zu beachten?

Alle möglichen Fallstricke aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Es gibt jedoch Erfahrungswerte sowie bestimmte Knackpunkte, die in vielen Fällen nicht gesehen werden oder falsch geregelt werden. Wenn der Nachfolger seine Unterschrift unter den Vertrag gesetzt hat, ist er leider dann nicht mehr in der Lage, das Unternehmen erfolgreich zu führen. Im folgenden sollen deshalb Erfahrungswerte weitergegeben und wichtige Themen erörtert werden, die zu einer erfolgreichen Übergabe beitragen.

Der Kaufpreis

In der Beratungspraxis der IHK ist immer wieder festzustellen, dass der Übernahmepreis dem Inventarwert nach zum Beispiel den Einkaufspreisen entspricht. Auch werden oft Übernahmewerte an Hand bestimmter branchenspezifischer Verhältniszahlen ermittelt. Beispielsweise wird der Umsatz oft als ausschlaggebende Größe für den Übernahmepreis des Unternehmens angesetzt. Das kann zufällig richtig sein. Wenn aber der Übernahmepreis durch die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens nicht amortisiert werden kann, dann sind diese Berechnungsmethoden falsch. Besser ist es deshalb, den Übernahmepreis an Hand der zukünftig zu erwartenden Erfolge zu bemessen. Aber auch die sogenannten dynamischen Berechnungsmodelle erweisen sich oft als nicht adäquat. Wichtig ist der Einzelfall und jeder Einzelfall ist gerade im Bereich der Nachfolge anders. Es zählt die Zukunftsperspektive und die konzeptionelle Planung:

  • Soll das Produktsortiment geändert werden?
  • Kann an der Kostenschraube gedreht werden? Wie wurde das Unternehmen vorher geführt?
  • War der bisherige Inhaber etwa gesundheitlich geschwächt und kann alleine durch mehr Engagement des Nachfolgers die Ertragskraft gesteigert werden?
  • Wurde das Unternehmen bisher in eigenen Räumlichkeiten oder auf eigenen Grundstücken betrieben, so dass in Zukunft Mieten fällig werden?
  • Ist aus steuerlichen Gründen die Bilanz mit unnötigen Kosten belastet worden?
  • Und welche Auswirkungen haben all diese Faktoren auf die zukünftige Ertragslage des Unternehmens? Dies muss im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsvorschau berechnet und dargestellt werden.


Dies sind nur einige beispielhafte Fragen im Rahmen einer Übernahme und des Unternehmenskonzepts. Damit steht und fällt auch die Finanzierung der Übernahme.

Weitere Fallstricke:

Die Form: Die Übernahme sollte in notarieller Form vereinbart werden.

Verbindlichkeiten: Es muss klar geregelt sein, welche Verbindlichkeiten mit übernommen werden und welche nicht. Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt gehen auf jeden Fall automatisch auf den Nachfolger über. Gerade bei Betriebsprüfungen über den Zeitraum mehrerer vergangener Jahre kann dies für den Nachfolger unerwartete Verbindlichkeiten bedeuten. Der Übernehmer muss sich gegebenenfalls vertraglich absichern.

Verträge müssen geprüft werden: Welche Verträge werden mit übernommen? Welche Verpflichtungen ergeben sich hieraus? Welche Laufzeit haben diese Verträge? Wichtig sind oft insbesondere Mietverträge, Lieferverträge, Arbeitsverträge.

Altlasten: Werden kontaminierte Grundstücke übernommen? Wie hoch sind die Kosten zur Beseitigung von Altlasten? Bestehen vertragliche Absicherungsmöglichkeiten?

Pensionsverpflichtungen: Werden mit der Übernahme auch Pensionsverpflichtungen gegenüber dem bisherigen Inhaber übernommen? Wie hoch sind solche Verpflichtungen und wie kann Ihnen Rechnung getragen werden?

Service der IHK

Die IHK berät Nachfolger und auch Inhaber bei allen Stadien des Übergabevorgangs von der Kontaktvermittlung bis zur Unternehmenswertermittlung und konzeptionellen Fragen. Dies gilt auch für die öffentliche Finanzierbarkeit von Übernahmen oder kalkulatorischen Fragestellungen. Bei einer öffentlichen Finanzierung gibt die IHK gegenüber den öffentlichen Kreditgebern Stellungnahmen ab und wirkt somit auch bei der Finanzierung der Übernahme mit.

Autor: Karl Reiners, IHK Bonn/Rhein-Sieg



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