IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg
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Babyboomer und der Generationswechsel

Neue Studie zum Nachfolgegeschehen in der Region Bonn/Rhein-Sieg

Wie viele Unternehmen werden in den nächsten Jahren vor der Frage stehen, wer ihr Unternehmen weiterführen wird? Was sind dabei die häufigsten Themen, wo tauchen Schwierigkeiten auf und welche Lösungen präferieren die Seniorunternehmer? Um auf diese Fragestellungen Antworten zu finden, hat die IHK Bonn/Rhein-Sieg eine Studie zum Nachfolgegeschehen in der Region Bonn/Rhein-Sieg in Auftrag gegeben. In Kooperation mit dem TMS-Emnid Institut und der Fachhochschule FHDW Bielefeld/Paderborn wurden in der Zeit von Juni bis August 300 Unternehmen aus dem Kammerbezirk mittels eines telefonischen Interviews befragt. „Mit dieser regionalen Befragung hätten wir nur eine eingeschränkte Auswertungsmöglichkeit gehabt“, so IHK Geschäftsführer Bernhard Mensing. „Das besondere ist die zeitgleiche Durchführung dieser Befragung auch auf NRW-Ebene, die uns in die Lage versetzt, Vergleiche anstellen zu können“, so Mensing weiter.

Aber warum ist das Thema Generationswechsel gerade jetzt so interessant? „Die Generation der Babyboomer geht in Rente. Das heißt konkret, dass die besonders geburtenstarken Jahrgänge der 1950er nun größtenteils älter als 60 Jahre sind und sich damit auch die Selbstständigen dieser Altersgruppe langsam auf den Ruhestand vorbereiten“, so Regina Rosenstock, Gesamtbereichsleiterin der IHK. Auf welche Weise oder wie erfolgreich der Übergang in die nächste Generation gestaltet wird, kann Auswirkungen auf die ganze Region haben. Denn damit verbunden sind eine Vielzahl von Arbeitnehmern und deren Familien. Aktuelle Berechnungen von Prof. Dr. Frank Wallau (Fachhochschule FHDW Bielefeld/Paderborn) haben ergeben, dass in der Region Bonn/Rhein-Sieg in den nächsten fünf Jahren ca. 12.500 Unternehmen mit mehr als 74.000 Beschäftigen zur Übergabe anstehen.

Die aktuelle Studie hat die Unternehmensnachfolge erstmals in vier Phasen aufgeteilt, die jede für sich unterschiedliche Herausforderungen hat. Die ersten beiden sind die Phasen „Stabwechsel noch nicht in Sicht“ und „Vor dem Stabwechsel“, hier ist eine Nachfolge noch nicht konkret geplant. Dann folgen die Phase der Vorbereitung und Durchführung („Stabwechsel“) und schließlich kann es in die Phase „Stilllegung“ übergehen, wenn also kein Nachfolger gefunden wurde. Betrachtet man an Hand eines Beispiels die Entwicklung zwischen den Übergabestadien, so gehen in der Phase „Stabwechsel noch nicht in Sicht“ 30 Prozent der Befragten davon aus, dass ihr Unternehmen im Eigentum und in der Leitung der Familie verbleibt. In der Phase „Stabwechsel“ sind es in Bonn/Rhein-Sieg bereits 61 Prozent.

Eine weitere Rubrik der Studie beschäftigt sich mit der persönlichen Situation der Inhaber. Wie gut fühlen sich die Unternehmer auf das Alter vorbereitet und beurteilen im Nachhinein den Prozess der Unternehmensübergabe. 60 Prozent aller Befragten stimmen der Aussage voll und ganz zu, dass sie eine gute Vorstellung von dem haben, was sie im Alter zum Leben brauchen. Nur 34 Prozent der Teilnehmer gaben dieselbe Antwort auf die Frage, ob sie sich persönlich auf den neuen Lebensabschnitt nach der Übergabe freuen.

Das letzte Kapitel gibt Auskunft über den Beratungs- und Informationsbedarf der Unternehmer für den Übergabeprozess. „Vergleicht man dabei die Antworten je Phase des Übergabeprozesses wird deutlich, dass die Befragten vor dem Stabwechsel angeben einen geringeren Beratungsbedarf zu haben, als während des Stabwechsels. Dies könnte ein Zeichen sein, dass die Unternehmer zu Anfang den Beratungsbedarf unterschätzen und erst während der Übergabe einzelne Klippen erkennen“, so Regina Rosenstock.

Vergleicht man die NRW-weit angelegte Studie mit der Befragung in der Region Bonn/Rhein-Sieg, sind viele Parallelen zu erkennen, aber auch deutliche Unterschiede zu verzeichnen. In der Dienstleistungsunternehmen dominierten Region Bonn/Rhein-Sieg kann sich ein Inhaber anfangs kaum vorstellen, dass auch andere in der Lage sind, sein Unternehmen zu führen. Auch bei der bevorzugten Nachfolgevariante ergeben sich über die verschieden Phasen deutliche Unterschiede.

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