IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Energieregion Rhein-Sieg

Mit eigener Energie voran

Klimaschutz hört nicht an den Stadtgrenzen auf. Rund um Bonn erstreckt sich der Rhein-Sieg-Kreis. 600.000 Menschen leben hier, 34.000 Unternehmen sind hier angesiedelt.  Der Kreis nennt sich auch „Energieregion Rhein-Sieg“. Viele Beispiele illustrieren, dass auch hier bei Kommunen, Unternehmen und Privathaushalten längst ein Umdenken in Sachen Klima und Umwelt eingesetzt hat.

Der Rhein-Sieg-Kreis kann sich mit eigener Energie versorgen. Zu diesem Ergebnis kam vor zwei Jahren eine flächendeckende, wissenschaftlich-systematische Untersuchung. Der Kreis und Bonn verfügen gemeinsam über ein Potenzial an erneuerbaren Energien, das den Strom- und Wärmebedarf dieser Region zu 123 Prozent decken könnte. In der Studie, die der Rhein-Sieg-Kreis mit Unterstützung der Kreissparkasse Köln in Auftrag gegeben hatte, wurden die verfügbaren erneuerbaren Energieressourcen – Solarenergie, Geothermie, Biomasse und Windkraft – dem Energiebedarf von Haushalten und Gewerbe gegenübergestellt. Ergebnis: Die Region könnte bei Ausnutzung der Potenziale an erneuerbaren Energien energetisch autark sein.

Für die künftige Energieversorgung werden heimische erneuerbare Energien eine weitaus größere Rolle spielen. Deutschland hat sich in Kyoto zur Reduktion der Treibhausgase um 21 Prozent verpflichtet. Ziel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist eine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien im Stromsektor auf 20 Prozent bis 2020. In den Zielvorgaben der EU von 2008 ist ein Anteil der erneuerbaren Energien im deutschen Energiemix von 18 Prozent bis 2020 bindend. Energieerzeugung und -verbrauch müssen also deutlich effizienter werden, außerdem müssen verstärkt erneuerbare Energien herangezogen werden.

Dr. Hermann Tengler, Wirtschaftsförderer des Rhein-Sieg-Kreises

"Es gilt eine nachhaltige Ausbaustrategie zu entwerfen, damit verfügbare Ressourcen heimischer erneuerbarer Energien identifiziert und genutzt werden können. Der Rhein-Sieg-Kreis bereitet sich auf diese Entwicklung vor."

Erster Schritt sei die oben genannte Modellstudie gewesen. In einer Folgestudie ließ die Kreissparkasse Köln dann in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung konkrete örtliche Maßnahmen und Projektideen zur Nutzung von erneuerbaren Energieträgern in den Städten und Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises zusammentragen. „In den 19 Städten und Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises und bei anderen Akteuren konnten mehr als 250 geplante Maßnahmen und denkbare Projekte zur Nutzung von erneuerbaren Energien identifiziert werden“, freut sich Dr. Tengler. „Sie sollen als Ideenpool zur Generierung und Umsetzung eigener Projekte für die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien in den Städten und Gemeinden dienen.

Folgende Maßnahmen könnten aus der Studie folgen:

  • Erstellung einer kommunalen Satzung erneuerbare Energie für Neubauten
  • Ermittlung von lokalen Potenzialen für Kraft-Wärme-Kopplung
  • kommunale integrierte Klimaschutzkonzepteein Aktionsprogramm „Spar und Solar“ an Schulen
  • Überprüfung des kommunalen Immobilienbesitzes in Sachen Energieeffizienz und Einsatz erneuerbarer Energien
  • Aufbau von Sammelversorgungen im ländlichen Raum
  • Nutzungskonzepte für landwirtschaftliche Biogasanlage
  • Biogastankstellen für den öffentlichen Fuhrpark
  • Fachfirmenkataster
  • Bürgerfonds und -anlagen

Zudem präsentiert die Studie sogenannte Signalprojekte, die nach Auffassung der Gutachter für die Klimaschutzpolitik des Kreises besonders geeignet sind, zum Beispiel:

  • Konzept zur Vermarktung und systematischen energetischen Nutzung der im Rhein-Sieg-Kreis vorhandenen Holzressourcen
  • Auf- und Ausbau lokaler Nahwärmenetze
  • verstärkte Nutzung von derzeit noch vielfach ungenutzten Klärgasen zur Wärme- und Stromerzeugung
  • Errichtung eines flächendeckenden und neutralen Energieberatungsangebots

Fundgrube von Ideen

„Die Studie liefert eine Fundgrube von Ideen, auf deren Basis die Nutzung erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz im Rhein-Sieg-Kreis und den kreisangehörigen Städten und Gemeinden weiter vorangetrieben werden kann“, befand Landrat Frithjof Kühn bei der Präsentation vor einigen Monaten.

Seitdem hat der Rhein-Sieg-Kreis die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Zum Beispiel hat der Kreis ein Solardach-Kataster eingerichtet – ebenfalls eine Empfehlung mit Signalwirkung aus der Studie. Es liefert Interessenten einen ersten Überblick, welche Dächer im Rhein-Sieg-Kreis für eine Photovoltaik- oder Solarthermie-Anlage geeignet sind. Im Internet (www.energieregion-rhein-sieg.de) informiert der Kreis ausführlich über das Kataster – inklusive Wirtschaftlichkeitsrechner und Erörterung einzelner Planungsschritte. Gibt man beispielsweise „Schönecker Weg 8, Schladern“ in die Suchmaske ein, stößt man auf eine große orangefarbene Fläche – das Dach der Arndt Schäfer Chemie und Umwelt GmbH, kurz: Ascem. Orange heißt: Das Dach ist gut geeignet für Photovoltaik, 81 bis 94 Prozent der Solareinstrahlung können genutzt werden. Das tut Unternehmer Arndt Schäfer auch: Die rund 7.000 Quadratmeter Dachfläche werden zurzeit für die Installation einer Photovoltaik-Anlage vorbereitet.

Größte freistehende Photovoltaik-Anlage NRWs

Apropos Sonnenenergie: Vor einigen Monaten wurde in Troisdorf-Oberlar ein Solarpark eröffnet. Das zwölf Millionen Euro teure Vorzeigeprojekt gilt als Nordrhein-Westfalens größte freistehende Photovoltaik-Anlage. Auf einer Fläche von knapp 80.000 Quadratmetern sind 15.500 Solarmodule aus deutscher Produktion installiert. Die Anlage hat eine Spitzenleistung von 3.420 Kilowatt und liefert rund 3,3 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das reicht im Schnitt für 1.000 Haushalte und spart jährlich etwa 2.200 Tonnen CO2 ein. Die Initiative kam von den  Stadtwerken Troisdorf. „Wir wollten nicht länger nur Versorger sein, sondern auch maßgeblich zur Energiewende beitragen, indem wir selbst Strom aus regenerativer Energie erzeugen“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Blatzheim bei der Eröffnung vergangenen Dezember. Parallel zum Bau wurde vor einem Jahr die StadtSolar Troisdorf eG ins Leben gerufen. In dieser Bürgersolargenossenschaft wird auf verschiedenen städtischen Dächern Solarstrom produziert. Außerdem stellten die Stadtwerke zum 1. Januar 2010 die komplette Stromversorgung für ihre 45.000 Haushalts- und Gewerbekunden auf Naturstrom aus reiner Wasserkraft um.

Und noch ein Klima-Beispiel aus dem Rhein-Sieg-Kreis: Das Kreishaus in Siegburg wird zurzeit energetisch saniert. Im Mittelpunkt der Baumaßnahmen stehen die Flachdächer, die Lüftungsanlagen sowie die Heizungsanlage. Diese wird unter Einbeziehung regenerativer Energien erneuert und durch ein Blockheizkraftwerk ergänzt. Die Maßnahmen basieren auf einem Energiegutachten, dass der Kreis 2008 für seine Liegenschaften hatte erstellen lassen. „Möglich ist die zügige Umsetzung jedoch erst durch die Gelder des Konjunkturpakets II“, sagt Svenja Udelhoven, Leiterin des Amtes für Gebäudewirtschaft. „Wir versprechen uns für die kommenden Jahre deutliche Einsparungen im Energieverbrauch und damit auch deutliche Kosteneinsparungen“, so Udelhoven. Sie rechnet damit, dass die neuen Lüftungsanlagen im Kreistagssaal und in den Sitzungssälen künftig 30 Prozent weniger Energie verbrauchen, die Maßnahmen an der Heizungs- und Warmwasseranlage bringen 20 Prozent Energieeinsparung.

Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn

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