IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Vom Studium in Aleppo zu caesar in Bonn

Erfolgreiche Arbeit der IHK-Willkomenslotsinnen

Gertrud Bilski, Alan Moussa und IHK-Willkommenslotsin Heidrun Kielert-Leiendecker (v.l.)Die Willkommenslotsinnen der IHK Bonn/Rhein-Sieg haben vor einem Jahr ihre Arbeit aufgenommen. Inzwischen sind viele Kontakte zu Unternehmen und geflüchteten Menschen geknüpft. Beide Seiten zusammenzubringen, gelingt immer häufiger.

„Alan Moussa hat mir beim Vorstellungsgespräch für ein Praktikum alle wichtigen Papiere vorgelegt, übersetzt und beglaubigt. Das ging zack, zack, zack“, erzählt Gertrud Bilski, kaufmännischer Vorstand des Forschungszentrums caesar. Die Zusage gab sie dem jungen Mann aus Syrien sofort.

Der 24-jährige Syrer begann sein Praktikum am 24. Oktober 2016 in der Abteilung Finanzen/Controlling des Forschungszentrums. Bereits nach fünf Wochen bot Bilski ihm einen Arbeitsvertrag an. Inzwischen steht fest, dass Moussa ein duales Studium absolvieren möchte.

caesar plant, ihn zum Industriekaufmann auszubilden, berufsbegleitend strebt er ein Studium der Betriebswirtschaft an der FOM an. „So kann ich innerhalb weniger Jahre gleich zwei Berufsabschlüsse bekommen: einen IHK-Abschluss und den Bachelor of Arts“, sagt Moussa. Die Freude ist ihm anzusehen.

Flucht aus einer zerbombten Stadt

Rückblick: Die Familie Moussa lebt in der syrischen Stadt Aleppo. Raketen und Bomben zwingen die Eltern und ihre drei Söhne, die Wohnung zu wechseln. „Es war hoffnungslos, alles ging kaputt“, erzählt Moussa. Er studierte Bank- und Finanzwesen. Seine Eltern wollten die Heimat nicht verlassen, wollten nicht, dass er sein Studium abbricht.

Doch eine Tante, die seit 44 Jahren in Bonn lebt, ließ nicht locker. Sie überzeugte die Familie schließlich, Syrien zu verlassen. Am 22. Januar 2015, mitten im Winter, kam sie in Bonn an. „Es war nicht so kalt, wie erwartet“, sagt Moussa lächelnd. „War schon okay.“

Sein Deutsch ist prima. Fünf Monate nach der Ankunft in Deutschland startete der Integrationskurs. Er wollte lernen. Der Kontakt zu caesar kam schließlich über die IHK Bonn/Rhein-Sieg zustande.

„Herr Moussa hat sich bei uns vorgestellt. Er erzählte von seinem Studium im Bankund Finanzwesen. Von caesar wussten wir, das Interesse daran besteht, geflüchtete Menschen einzustellen“, sagt Willkommenslotsin Heidrun Kielert- Leiendecker. So fanden Flüchtling und Unternehmen zusammen.

Ohne die deutsche Sprache geht es nicht

Alan Moussa brachte die besten Voraussetzungen für eine gelungene Integration mit nach Deutschland. Er sprach bereits vier Sprachen: Kurdisch, Arabisch, Englisch und ein wenig Französisch. „Je mehr Sprachen man spricht, desto einfacher wird es, neue zu lernen“, sagt er.

„Deutsch ist der Schlüssel zur Integration“, meint auch Gertrud Bilski. Ihr Unternehmen bietet Deutsch- Sprachkurse an, denn caesar beschäftigt Menschen aus aller Welt. Von den 254 Mitarbeitern sind allein 82 nationale und internationale Gäste, die für einen gewissen Zeitraum in Bonn forschen. „Für uns ist es eine gesellschaftliche Pflicht, Flüchtlinge zu unterstützen“, sagt Bilski. „Der Fachkräftemangel ist erst der zweite Grund, aus dem wir Flüchtlinge einstellen.“

In der Feinmechanikwerkstatt des Forschungszentrums macht ein junger Iraker ein Praktikum. Seine Deutschkenntnisse sind noch nicht so gut. „Vor dem Praktikum war es für diesen jungen Mann nicht nötig, unsere Sprache zu lernen“, sagt Bilski. „Er war als Erntehelfer eingesetzt. Auch in der Gruppe aus seiner Heimat gab es keinen Druck, Deutsch zu sprechen.“

Das ist im Unternehmen anders. Innerhalb von zwei Wochen in der Werkstatt sei diesem Praktikanten klar geworden, wie wichtig es ist, sich verständlich machen zu können. Ein großer Schritt zur Integration.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

„Unsere Praktikanten sind handverlesen“

Welche Rohstoffe exportieren afrikanische Länder nach Europa? Und wie sind die Vertriebsmöglichkeiten für unsere eigenen Produkte nach Afrika? Diese Fragen stellte sich Arndt Schäfer, Geschäftsführer der Arndt Schäfer Chemie und Umwelt GmbH, kurz ASCEM, in Windeck (s. Bild).
Arndt Schäfer
Die Antworten lieferte Abdullah Abouahmed, 55-jähriger Pharmazeut aus Ägypten. Seine Heimat hatte er aus politischen Gründen verlassen. Über die Willkommenslotsinnen der IHK Bonn/Rhein-Sieg fand er zu ASCEM und absolvierte dort ein Praktikum. Vier Wochen brauchte er für seine Marktanalyse. „Er hat es toll gemacht“, sagt Schäfer.

Anschließend absolvierte ein Verfahrensingenieur Chemie, der aus dem Irak stammt, ein Praktikum. Auch er arbeitete sehr selbstständig. „Die IHK hat in beiden Fällen eine qualifizierte Vorauswahl getroffen. Unsere Praktikanten sind handverlesen“, meint Schäfer.

ASCEM stellt Additive für Automobilguss her. Das Unternehmen schult seine Kunden in aller Welt, um Prozesse für die Herstellung von Leichtmetall- Antriebstechnik und Fahrwerk sicherer und produktiver zu machen. „Mittelfristig suchen wir Mitarbeiter, die unsere Kunden im Ausland ‚on the job’ weiterbilden“, sagt Schäfer. Möglich, dass ein Flüchtling in diese Rolle hineinwächst.

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