IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Zwei Industrie-Dienstleister aus dem Rhein-Sieg-Kreis haben den Anfang gemeistert

Zielstrebig durch die Startphase

Dr.-Ing. Adam K. Zaboklicki, Geschäftsführer der ZWi Technologie GmbH und MEYER PlantTec GmbH, und Astrid Schäfer-Zaboklicki, Prokuristin.

„Wir wollen dieses Unternehmen solide aufbauen. Schritt für Schritt“, sagt Dr.-Ing. Adam K. Zaboklicki, geschäftsführender Gesellschafter der ZWi Technologies GmbH in Troisdorf. Die ersten Schritte sind ihm gelungen. Bei einem Rundgang durch die Produktionshalle auf dem Industrieparkgelände Troisdorf zeigt Zaboklicki Neues und Altes. „Diese moderne 5-Achs-Fräsmaschine haben wir angeschafft“, meint er mit Blick auf ein Bearbeitungszentrum samt Steuerpult. „Die Drehbänke dort drüben haben wir übernommen.“

Die ZWi Technologies GmbH ist aus den Zentralen Werkstätten der HT Troplast AG, in der die Dynamit Nobel AG bereits aufgegangen war, hervorgegangen. Als die HT Troplast AG verkauft wurde und auf dem Gelände an der Mülheimer Straße der Industriepark Troisdorf mit mehreren Firmen entstand, stieg Zaboklicki in die Kaufverhandlungen ein. Einige Monate verhandelte der Maschinenbauingenieur mit der Stadt Troisdorf, bis er am 1. Oktober 2006 die Zentralen Werkstätten mit 25 Mitarbeitern übernahm. Seitdem bietet ZWi Technologies Industrie-Dienstleistungen im Metallbau/Schlosserei, in der mechanischen Bearbeitung, im Rohrleitungsbau, im Sanitär- und Heizungsbereich. Dazu gehören Engineering, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme von Anlagen, Sondermaschinen, Werkzeugen und Maschinenkomponenten ebenso wie die Instandhaltung, Wartung und Reparatur. „Wir unterstützen unsere Kunden bei technischen Problemstellungen“, sagt Zaboklicki. „Ein typischer Kunde ist die Kuraray Europe GmbH hier im Industriepark. Für sie fertigen wir Sonderanlagen zur Herstellung von Folien.“

Das Unternehmen wächst

Die Umsatz- und Unternehmensentwicklung ist positiv. Im Jahr 2007 lag der Umsatz mit 26 Mitabeitern bei ca. 2,5 Millionen Euro, 2010 sind es bei 40 Mitarbeitern ca. 4 Millionen Euro. Das Unternehmen bildet inzwischen einen Industriemechaniker und einen Zerspanungsmechaniker aus. Als neuer Geschäftszweig ab Januar 2009 kamen die Vermietung und Reparatur von über 100 Gabelstaplern auf dem Industrieparkgelände Troisdorf sowie der Mietstützpunkt für Gabelstapler der Firma STILL GmbH, Krefeld, hinzu. „Um die Gabelstapler zu den Kunden zu bringen, brauchten wir einen Sattelzug. Da haben wir investiert“, erzählt Ehefrau Astrid Schäfer-Zaboklicki, Prokuristin des Unternehmens. Zu den Güterkraftverkehrsgenehmigungen habe sie sich bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg beraten und schulen lassen.

In einem Büro gleich neben der Produktionshalle sitzt sie ihrem Mann gegenüber. Der Blick geht durchs Fenster in die Halle, es ist eng, auf einem Tisch steht eine Schale mit frischen Weintrauben. Hier kümmert sich Astrid Schäfer-Zaboklicki um Buchhaltung und Controlling, zunehmend auch um Reisekostenabrechnungen. „Unsere Kunden waren zunächst hier auf dem Gelände“, sagt Adam Zaboklicki. „Doch inzwischen sind wir auch anderswo tätig. Einer unserer Kunden verlagerte alle Produktlinien nach Pirmasens, ein anderer ergänzte seine Anlagen am Standort Berlin.“ Hinzu kommen die Reisen für die Meyer PlantTec GmbH (ehemals Meyer Technology GmbH, Hennef), seit dem 1. April 2010 eine 100prozentige Tochter von ZWi Technologies. „Das Unternehmen Meyer Technology aus Hennef hat Anlagen und Komponenten für den Rohstoffhandling produziert, etwa Silier-, Förder-, Dosier-, Verwiege-, Entleer-, Abfüll- und Steuerungstechnik  für Gummi-, Kunststoff-, Glas- oder Mineralindustrie. Es war im Herbst 2009 insolvent. Wir haben es zu einer neuen Gesellschaft geführt, Standort von Hennef nach Troisdorf verlagert und nutzen es nun als Fenster für unsere Kunden nach draußen. Meyer akquiriert und plant, die ZWi fertigt.“

Mit Geduld durch die Wirtschaftskrise

Ähnlich wie Adam Zaboklicki hat auch Gunnar Elke den Einstieg als selbständiger Unternehmer geschafft. Seine Edelstahl- und NE-Metallhandelsgesellschaft J. Mager GmbH in Sankt Augustin ist allerdings etwas kleiner: Mit einem Team aus fünf Mitarbeitern betreibt er seinen Stahlhandel, den er im Jahr 2006 von zwei Vorbesitzern übernahm. In einer Werkshalle von etwa 750 Quadratmetern stehen zwei Sägen, auch das Lager ist dort untergebracht. „Wir kaufen acht Meter lange Stahlabschnitte in verschiedenen Durchmessern bei Stahlwerken in Deutschland, Frankreich, England und manchmal auch in Italien. Für unsere Kunden, die meist in einem Umkreis von 40 bis 50 Kilometern ihren Betrieb haben, schneiden wir spezielle Längen zu und beliefern sie damit.“ Elke handelt mit besonders verschleißfestem Edelstahl, der beispielsweise für die Fertigung von Schnecken und Zylindern benötigt wird. Die wiederum werden in Extrudern eingesetzt, um Kunststoffartikel herzustellen, von der Frischhaltebox bis zum Autozubehör.

Während ZWi Technologies den Umsatz im Krisenjahr 2009 fast um eine halbe Million Euro steigern konnte, brach der Umsatz bei der Edelstahlhandelsgesellschaft um 60 Prozent ein. „Ich bin Kaufmann, 62 Jahre alt und habe schon einige Wirtschaftskrisen mitgemacht. Doch was wir im Jahr 2009 erlebt haben, ließ sich mit den Erfahrungen aus den vorangegangenen Krisen nicht bewältigen“, sagt Elke, der die Krise dennoch überstanden hat. Er habe geduldig abgewartet. „Unser Vorteil während der Durststrecke war unsere Schnelligkeit. Da wir kleine Einheiten liefern und die Logistik selbst machen, konnten wir relativ schnell reagieren.“

Überzeugendes Konzept

Gunnar Elke hat schon viele Aufs und Abs in der Wirtschaft erlebt. Als er Mitte Fünfzig war, verlor er seine Position als Geschäftsführer eines Autoersatzteil-Unternehmens mit 400 Beschäftigten. Da er sich als Arbeitsloser in diesem Alter keine Chancen für eine abhängige Beschäftigung mehr ausrechnete, suchte er nach einem Unternehmen, in dem er sein eigener Chef sein könne. „Das Konzept dieses Stahlhandels hat mich überzeugt. Die Firma war solide“, erinnert er sich. „Und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Die Finanzierung war nicht einfach, doch Elke blieb hartnäckig. Inzwischen hat er sich eingearbeitet, ans Aufhören denkt er nicht. Nach der zurückliegenden Talsohle sei der Zeitpunkt für einen Verkauf ungünstig, ein guter Preis lasse sich nicht erzielen. Außerdem fühle er sich wohl in seinem Geschäft: „Andere in meinem Bekanntenkreis sind schon aus dem Berufsleben ausgeschieden, doch ich werde das locker noch drei, vier Jahre machen.“

Ursula Katthöfer
freie Journalistin, Bonn

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