IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Afrikanische Start-ups als wettbewerbsfähige IT-Partner

Gerhard Weber, Berater für Entwicklungszusammenarbeit

©Vodafonge - M-PesaWer auf einem Markt in Nairobi eine Mango oder einen Maiskolben kauft, zahlt mit dem Handy. M-Pesa heißt das weltweit erste Mobile-Payment-System, das bereits im Jahr 2007 startete – und in Kenia entwickelt wurde. Inzwischen wird dort nahezu überall mobil bezahlt: Im Supermarkt, auf dem Flohmarkt, in der Autowerkstatt. Andere afrikanische Länder sind dem Trend gefolgt.

„Beim Mobile-Payment hat Afrika uns längst überholt“, sagt Gerhard Weber. Bei der IHK Bonn/Rhein- Sieg berät er Unternehmen, die ein geschäftliches Interesse an Entwicklungs- und Schwellenländern haben. Weber ist EZ-Scout wobei EZ für Entwicklungszusammenarbeit steht. Die deutsche EZ unterstützt Unternehmen mit einer Reihe von Instrumenten um ihnen den Eintritt in diese Märkte zu erleichtern und gleichzeitig entwicklungspolitisch wichtige Ziele zu erreichen.

Seit vielen Jahren beobachtet Weber die Märkte in Entwicklungs- und Schwellenländern, darunter die Länder Afrikas: „Der Kontinent gehört zu den Informations- und Kommunikationstechnologiemärkten der Welt, die besonders schnell wachsen. Die jungen Menschen dort sind in der IT genauso fit, wie ihre Gleichaltrigen in Europa.“

Ein weiteres Beispiel für die kreative Nutzung der IT in Afrika kommt aus Ruanda, dem Land der tausend Hügel. Die medizinische Versorgung ist in weiten Teilen des Landes schlecht. Ein amerikanisches Start-up nutzt seit Oktober 2016 Drohnen, um schwer zugängliche Gebiete mit Medikamenten und Blutkonserven zu versorgen. Einheimische Mitarbeiter steuern die Drohnen über ein Tablet, in das sie entsprechende GPS-Koordinaten eingeben. An einem Fallschirm gleiten die Arzneimittel zu den Patienten.

Afrika und der Digital Hub Bonn

Gerhard Weber ermuntert Unternehmen aus Bonn/ Rhein-Sieg, das digitale Potenzial Afrikas zu erschließen und nachhaltig zu nutzen. „IT ist ein sehr wichtiges Thema für unsere Unternehmen und weil die Bedeutung von Afrika als Wirtschaftspartner stetig wachsen wird, liegt hier eine große Chance.

Daher hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Initiative Make-IT gestartet. Mit diesem Programm fördert das BMZ gemeinsam mit der Digitalwirtschaft sowie ausgewählten Akteuren und Interessengruppen die Gründerszene von Technologie-Unternehmen (Tech-Entrepreneurship) in Entwicklungs- und Schwellenländern. Deutsche und internationale Unternehmen, Verbände, Hochschulen, Investoren, Fördereinrichtungen und weitere Partner kooperieren vor Ort.

Der besondere Mehrwert entsteht durch die Vernetzung von Erfahrung und Praxiswissen erfolgreicher Unternehmen mit den Ideen und der Innovationskraft junger Gründer in Technologie-Start-ups.“ In Bonn/Rhein-Sieg gebe es dank vieler junger IT-Unternehmen eine positive digitale Grundstimmung.

Eine geeignete Plattform für den Kontakt zwischen Start-ups, IT-Unternehmen, Fördermittelgebern und afrikanischen Partnern sei der Digitale Hub Bonn, der im Oktober 2016 startete, um den Aufbau digitaler Geschäfte und Produkte voranzutreiben. Das NRW-Landesministerium für Wirtschaft fördert den Hub. Weber hat ihn bereits mit der Initiative Make-IT des BMZ in Kontakt gebracht.

Alles soll schnell gehen und problemlos funktionieren

Turbinen aus Deutschland für einen Staudamm in Angola, Solaranlagen für die marokkanische Wüste, Nahrungsergänzungsmittel aus der tropischen Moringa- Pflanze, umweltschonende Holzkohleproduktion in Nigeria – die Geschäftsbeziehungen, zu denen Gerhard Weber berät, sind vielfältig. Es kommen kleine und mittlere Unternehmen aus allen Branchen, die Märkte in aller Welt erschließen möchten.

Eines ist den so unterschiedlichen Schwellen- und Entwicklungsländern allerdings gemeinsam: „Alles soll schnell gehen und problemlos funktionieren. Das Denken ist sehr kurzfristig“, sagt der EZ-Scout. Kaum jemand habe Verständnis für die Zeitachse der Deutschen, die außer der Vertrags- und Rechtssicherheit zunächst Machbarkeitsstudien erstellen, den Vertrieb aufbauen und Fachkräfte schulen möchten. „Schritte, die für deutsche Unternehmer sehr wichtig sind, werden als nebensächlich betrachtet. So kann der Aufbau einer Partnerschaft sehr zäh sein.“

Die Auftraggeber in vielen Entwicklungsländern möchten außerdem eine persönliche Wertschätzung spüren, die sachliche und fachliche Aspekte oft in den Hintergrund stellt. Diese Erfahrung machen deutsche Unternehmen immer wieder, wenn sie zunächst einen Fachmann ins Zielland schicken, der z.B. die Vorteile einer Solaranlage gegenüber Dieselgeneratoren erklären soll. „Wenn diese Unternehmen Pech haben, dringen ihre Vertreter nicht bis zu den Entscheidern des Partnerlandes vor. Denn die Entscheider möchten oft direkt mit dem deutschen Chef sprechen“, sagt Weber. „Anders fühlen sie sich nicht ernst genommen.“ Es gehöre daher viel Fingerspitzengefühl dazu, um Kontakte aufzubauen und diese zum wirtschaftlichen Erfolg zu führen.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Förderprogramme Entwicklungszusammenarbeit

EZ-Scouts wie Gerhard Weber sind Experten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Angesiedelt in Kammern und Verbänden beraten sie deutsche Unternehmen zu einem Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern. EZ-Scouts beraten u.a. zu folgenden Programmen, die Unternehmen fördern und finanzieren:

develoPPP.de - Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft: www.develoPPP.de

Kofinanzierung von Machbarkeitsstudien, Investitions- und Exportkredite: www.deginvest.de

Klimapartnerschaften, finanzielle Zuschüsse zur Förderung des Technologie- und Know-how-Transfers, um den Aufbau einer klimaschonenden Wirtschaft zu unterstützen: www.deginvest.de

Managertrainings und Fachkräfteaustausch: www.managerprogramm.de

Fachkräfte, die für immer oder für einen bestimmten Zeitraum in ihr Herkunftsland zurückkehren: www.cimonline.de

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