IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Ali Atak: Inklusion – zurück ins Berufsleben

Menschen bilden und beraten / Teil 3

Der Inklusionsberater Ali AtakIn dieser Serie stellen wir Personen vor, die Unternehmer, Fachkräfte und Auszubildende bilden und beraten. Sie handeln im Auftrag der IHK, um den Wirtschaftsstandort Bonn/Rhein-Sieg zu stärken. Ali Atak ist Fachberater für Inklusion mit technischem Schwerpunkt.

Als Ali Atak am Morgen des 11. Februar 2014 aufwachte, wusste er noch nicht, dass dieser Tag sein Leben komplett verändern würde. Starke Kopfschmerzen machten ihm zu schaffen. Doch dass er einen Schlaganfall haben könnte, dachte der damals 31-jährige nicht.

Drei Kollegen fanden ihn am Abend. „Der erste rief sofort den Notarzt, der zweite packte meine Tasche, der dritte stand nur starr vor Schreck“, erinnert sich Atak. „Meine rechte Gesichtshälfte muss furchtbar ausgesehen haben.“

Nicht nur das Gesicht war gelähmt. Atak hatte eine schwere Hirnblutung. Zwei Wochen lang fiel er immer wieder ins Koma. Er brauchte drei Jahre, um mit Hilfe von seiner Familie, Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten wieder ins selbstständige Leben zurückzufinden. Heute ist er Fachberater für Inklusion bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

„Ich wollte vom ersten Tag an wieder arbeiten“, sagt der Maschinenbau-Ingenieur (FH), der als Kind türkischer Eltern in Bonn-Bad Godesberg zur Welt kam. „Als ich bei der Agentur für Arbeit die Stellenanzeige der IHK Bonn/Rhein- Sieg fand, war das wie ein Wink des Schicksals.“ Gesucht war ein Fachberater Inklusion mit technischem Schwerpunkt. Seit dem 1. März 2017 berät Atak Unternehmen, die Menschen mit Behinderungen entweder bereits zu ihren Mitarbeitern zählen oder die darüber nachdenken, sie einzustellen.

„Ein Schwerbehindertenausweis sagt nichts über die Leistungsfähigkeit eines Menschen aus“, sagt Atak, der mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 80 als schwerbehindert anerkannt ist. Sein Fachgebiet: die Sicherung des Arbeitsplatzes und technische Hilfsmittel. Dazu gehören zum Beispiel:

Dienstwagen, die behindertengerecht umgebaut werden. Ein Dreh- oder Schwenksitz auf der Fahrerseite erleichtert das Einsteigen. Gas, Bremse und Lenkung werden nicht mechanisch, sondern elektronisch gesteuert.

Kommunikationssysteme für Hörgeschädigte: Während einer Konferenz oder eines Kundengesprächs steht ein Mikrophon auf dem Tisch. Es bearbeitet das Sprachsignal digital und überträgt die Stimme ohne Hintergrundgeräusche an das Hörgerät oder Implantat des Hörgeschädigten.
Spezielle Computertastaturen für Menschen, deren Handmuskulatur beeinträchtigt ist. Die Maus ist in die Tastatur integriert.

Auch für Sehbehinderte sind benutzerfreundliche Tastaturen auf dem Markt. Sie haben besonders große Tasten, bunte Farben oder Tasten mit Blindenschrift (Brailleschrift).

Zu Ataks Beratungsthemen gehören außerdem die Zuschüsse, die Unternehmen erhalten, wenn sie schwerbehinderte Mitarbeiter beschäftigen. Das können z.B. Fördermittel zur Einrichtung des Arbeitsplatzes, Investitionskostenzuschüsse oder Mittel aus der aktion5 des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) sein.
Für Ali Atak ist der Wiedereinstieg ins Berufsleben mit Hilfe der IHK Bonn/ Rhein-Sieg und des Technischen Beratungsdienstes des LVR-Integrationsamtes, das Träger seiner Stelle ist, gelungen. „Eine schwere Erkrankung geht an niemandem spurlos vorüber“, sagt er. „Doch man kann vieles ausgleichen.“

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Baustein der Fachkräftesicherung

Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Unfall oder Burnout – viele Menschen, die im Laufe ihres Lebens schwerbehindert werden, stehen mitten in der Arbeitswelt. Die Krankheit verändert nicht nur ihr Leben. Auch der Arbeitgeber muss spätestens dann umdenken, wenn der erkrankte Mitarbeiter sich aus der Rehabilitation zurückmeldet und ankündigt, dass er wiederkommt.

Die IHK Bonn/Rhein-Sieg möchte ihre Mitgliedsbetriebe für dieses Thema sensibilisieren. Ihr Inklusionsberater informiert zum Beispiel über das Job- Coaching des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Ein Job-Coach besucht den Betrieb und schaut, wie ein herkömmlicher Arbeitsplatz für einen Mitarbeiter mit Schwerbehinderung umgestaltet werden kann. Ausbilder und Führungskräfte können sich schulen lassen. Fördermittel sind zu beantragen. Häufig trägt der LVR einen Teil der Gehaltskosten von Menschen mit Behinderung.

Die Inklusionsberatung ist damit ein wichtiger Baustein des Fachbereichs Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Mehr noch: Inklusionsberater Ali Atak arbeitet eng mit den Aus- und Weiterbildungsberatern, mit der passgenauen Besetzung und den Ausbildungsbotschaftern der IHK zusammen. Er denkt fachübergreifend, denn die Arbeitsbereiche überschneiden sich.
Menschen mit Handicap können sich für eine Ausbildung eignen oder über eine Qualifizierung nachdenken.

„All unsere Berater sind eng miteinander vernetzt“, sagt Dario Thomas, Leiter des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg. „Wir betrachten die Unternehmen aus der Vogelperspektive. Daher bieten wir die Inklusionsberatung nicht isoliert an. Nur wer ein Unternehmen in seiner Gesamtheit betrachtet, ist bei der Fachkräftesicherung erfolgreich.“

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