IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Auf zu neuen Märkten!

Außenwirtschaft: Zwischen Freihandel und Exporthemmnissen

Auf zu neuen Märkten!Deutschland ist eine Exportnation. Der Handel mit Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Union sichert unseren Wohlstand. Doch Unternehmer, die exportieren möchten, müssen sich erst in zahlreiche Zollbestimmungen, Freihandelsabkommen und kulturelle Besonderheiten einarbeiten. Vom Außenwirtschaftsrecht bis zum Zoll - die Abteilung International der IHK Bonn/Rhein-Sieg unterstützt sie dabei – mit Beratung und Information.

Im Jahr 2009 gewann die AquaPROFI-Filterserie der Filter Profitlich Maschinenbau GmbH den Innovationspreis der Volksbank Bonn/Rhein-Sieg. Kurz darauf verkaufte das Unternehmen die neu entwickelten Wasserfilter zum ersten Mal ins Ausland. In der Schweiz lief das Geschäft gut, in Abu Dhabi zahlte das Unternehmen Lehrgeld.

„Bei unserem Debüt in Abu Dhabi hatten wir eine im Emirat ansässige Firma mit der Kommunikation beauftragt“, erzählt Reinhold Wolscht, geschäftsführender Gesellschafter. „Doch die Firma kümmerte sich nicht genug um unseren Kunden. Es gab Probleme und Missverständnisse. Wir haben die Filteranlage zurückerhalten, sind jedoch auf den Flug- und Versandkosten sitzengeblieben.“

In der Schweiz ging Profitlich die Sache anders an. Ein guter Kontakt bestand bereits, ein Techniker aus einem Partnerunternehmen arbeitete vor Ort. Die Installation der Filteranlage in einer Schokoladenfabrik direkt am Zürichsee lief so erfolgreich, dass auch die Schweizer Rheinsalinen AG und eine Müllverbrennungsanlage auf die Technik aus Bad Honnef setzten.

Export als wichtiges Standbein

Filter Profitlich baut und vertreibt seit 1967 Filter, die nach einem Baukastensystem an die Bedürfnisse der Kunden angepasst werden. Das traditionelle Produkt sind Saugfilter für Kunststoffspritzund Druckgussmaschinen sowie Hydrauliken.

Reinhold Wolscht, geschäftsführender Gesellschafter Filter ProfitlichReinhold Wolscht, Diplomingenieur Maschinenbau (FH) führt das Unternehmen Filter Profitlich in zweiter Generation.

Die Idee zu selbstreinigenden Wasserfiltern entstand im Jahr 2005. Der Export ist ein wichtiges Standbein des Unternehmens. Das Auslandsgeschäft läuft besonders gut in den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Diese Länder liegen in der Nähe und sind als EU-Mitglieder oder durch ein Handelsabkommen einfach zugänglich.

Damit liegt Filter Profitlich im Trend. Unternehmen aus Bonn/Rhein-Sieg machen vor allem in der Eurozone Geschäfte, gefolgt von weiteren EU-Staaten und anderen europäischen Ländern wie der Schweiz und Norwegen.

Wichtige Handelspartner sitzen außerdem in den USA und China – so die Studie „Going International 2017“ des DIHK. Grundsätzlich sind die befragten Unternehmen mit ihrem Auslandsgeschäft zufrieden.
Allerdings stuft knapp ein Drittel die Geschäftssituation mit Großbritannien als schlecht ein. Ähnliches gilt für den NAFTA-Raum, zu dem die USA, Kanada und Mexiko gehören. 38 Prozent der Befragten bewerten die Situation als schlecht.

Unberechenbare USA

Filter Profitlich begann in den 70er Jahren damit, Filter ins benachbarte europäische Ausland zu liefern. Gudrun Wolscht – im Unternehmen für die Administration verantwortlich – stellt fest, dass die damals in die Niederlande oder in die Schweiz gelieferten Anlagen inzwischen in ganz andere Teile der Erde verkauft wurden. Es kommen Ersatzteilanfragen aus China oder von den Philippinen.

„Anhand der Fabrikationsnummern oder mit Hilfe von Fotos, die aus dem Ausland eintreffen, können wir nachvollziehen, welches Ersatzteil nun in Asien gebraucht wird“, sagt sie. „China kontrolliert die Zertifikate und Zollvorschriften sehr streng“ ergänzt Reinhold Wolscht. „Wir achten sehr darauf, unsere Produkte ordentlich und richtig zu deklarieren.“

Selbstreinigender Filter aus EdelstahlDer selbstreinigende Filter aus Edelstahl wurde den Platzverhältnissen in einem Pharmaunternehmen angepasst.

Schon ein kleiner Fehler könne dazu führen, dass ein Ersatzteil über Wochen im Hafen von Shanghai lagert, während Dokumente rund um den Globus geschickt werden, um es auszulösen. „Wer nach China liefert, muss sogar eine besonders imprägnierte Palette benutzen. Die Chinesen wollen verhindern, dass Ungeziefer in ihr Land kommt.“

Ob er zusätzlich zu den Ersatzteilen für ältere Anlagen komplette neue Filteranlagen nach China exportieren wird, weiß Wolscht noch nicht. An dere europäische Länder wie Spanien und Norwegen seien zur Zeit interessanter für das Auslandsgeschäft.

Auch ein großes Land wie die USA biete sich nicht an. „Die USA sind unberechenbar. Ein deutsches Unternehmen hat viel Papierkram, hinzu kommen juristische Risiken und hohe Versicherungsprämien. Das Verhalten von US-Präsident Trump hat meine Zurückhaltung nur bestätigt.“

Handelshemmnisse bremsen das Auslandsgeschäft

Auch hier denkt Wolscht wie viele andere Unternehmer aus Bonn/Rhein-Sieg. Ein Drittel von ihnen sieht der Studie „Going International“ zufolge eine Zunahme an Hemmnissen für das internationale Geschäft in großen Teilen der Welt.

„Vor allem lokale Zertifizierungsanforderungen, verstärkte Sicherheitsanforderungen und ein erschwerter Zugang zu öffentlichen Aufträgen hemmen das internationale Geschäft“, erläutert IHK-Außenwirtschaftsexperte Armin Heider.

Freihandelsabkommen, die von der EU ausgehandelt werden, machen den Marktzugang im Ausland einfacher. Sie sollen der Wirtschaft Schwung verleihen. Ihr Vorteil für die Unternehmen sind z.B. niedrigere Importzölle in den Zielländern und geringe Handelshemmnisse. „Die exportorientierte Wirtschaft unserer Region profitiert vom freien Handel, der Arbeitsplätze bei uns sichert und zusätzliches Gewerbesteuereinkommen bedeutet“, sagt Heider.

Bekannte Freihandelsabkommen sind CETA mit Kanada und das im Moment auf Eis liegende TTIP. Doch die EU verhandelt mit zahlreichen Ländern der Erde über Freihandelsabkommen, sei es mit Singapur, Vietnam, Indonesien oder den westafrikanischen Staaten (Economic Partnership Agreement, EPA). Einige dieser Abkommen sind bereits in Kraft, andere stehen kurz davor, bei manchen hakt es.

Dennoch gibt es auch Nachteile. Die Produktion der Waren muss bestimmte Kriterien erfüllen, sie müssen den Bestimmungen der Präferenzabkommen genügen und vom Unternehmen nachgewiesen werden. Der Verwaltungsaufwand nimmt folglich zu. Umwelt- und Verbraucherschützer fürchten, dass Freihandelsabkommen mühevoll erkämpfte Standards bei Lebensmitteln oder in der Chemieindustrie aushöhlen.

Reinhold Wolscht schätzt das neue CETA-Abkommen mit Kanada, das zwar unterzeichnet aber noch nicht rechtswirksam ist, als gute Basis für erste Geschäfte ein. „Ich bin neugierig auf Kanada“, sagt er. „Ähnlich wie in Österreich und der Schweiz ist der Markt dort überschaubar. Als kleines Unternehmen wissen wir kleine Märkte zu schätzen.“

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Monatlicher Newsletter zur Außenwirtschaft
Der IHK-Infodienst Außenwirtschaft informiert monatlich über Veranstaltungen wie Wirtschaftstage, Zoll- und Außenwirtschaftsforen sowie Workshops zu internationalen Themen. Zum Inhalt gehören außerdem Wirtschaftsnachrichten sowie Informationen über Unternehmerreisen. Der elektronische AUWI-Infodienst kann über die IHK Bonn/ Rhein-Sieg bestellt werden: www.ihk-bonn.de | Webcode 596

Veranstaltungen

Die Abteilung Internationales der IHK Bonn/Rhein-Sieg organisiert regelmäßig Veranstaltungen zum Thema Außenwirtschaft. Hier eine Auswahl:
Lieferantenerklärungen, Informationsveranstaltung, 3. Juli 2017, 16 bis 18 Uhr, IHK Bonn/Rhein-Sieg
Internationaler Gesprächskreis, 13. Juli 2017, 17 bis 20 Uhr, IHK Bonn/Rhein-
Workshop USA, 5. September 2017, 14 bis 17 Uhr, IHK Bonn/ Rhein-Sieg
Lateinamerika & Panamakanal, Veranstaltung mit dem Lateinamerika Verein Köln und dem Ibero-Club Bonn, 12. September, 17 bis 21 Uhr, IHK Bonn/Rhein-Sieg
Wirtschaftstag Frankreich am 17. Oktober 2017
Wirtschaftstag Indonesien am 22. November 2017, 14 bis 18 Uhr
Am 11. Dezember 2017 „Internationaler Gesprächskreis
Die aktuelle Übersicht der Veranstaltungen findet sich auf www.bonn-ihk.de | Webcode 666.

Außenwirtschaftsseminare
Die IHK Weiterbildungsgesellschaft mit Sitz in Bonn-Holzlar bietet regelmäßig Seminare zur Außenwirtschaft an. Für Kurzentschlossene findet am 18. Mai 2017 das Seminar „Exporte absichern und aktuelle Finanzierungsmöglichkeiten nutzen“ statt. Nach der Sommerpause folgen die Themen „Abwicklung von Exportgeschäften und praktische Übungen bei der Zolldokumenterstellung“ sowie „Grundlagenwissen Außenhandel (Export und Import)“. www.ihk-die-weiterbildung.de

Brücke zwischen den Märkten

An über 130 Standorten in 90 Ländern – von Ägypten bis Weißrussland – vertreten die Auslandshandelskammern (AHKs) die deutschen Wirtschaftsinteressen. Sie beraten und betreuen deutsche Unternehmen, die ihr Auslandsgeschäft auf- oder ausbauen wollen.
Zu den Dienstleistungen der AHK Servicemarke DEinternational gehören Beratung zu Messen, Recht und Steuern, Personal sowie Kommunikation. AHKs verbinden unterschiedliche Kulturen. Ihre Mitarbeiter kennen verschiedene Mentalitäten und sind in mehreren Sprachen zuhause. www.ahk.de

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