IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Digitales Gesundheitsmanagement

Wenn die App einen frischen Apfel empfiehlt

Digitales GesundheitsmanagementPersonal contra Marketing – welche Abteilung läuft die meisten Treppen? Jeder Mitarbeiter trägt ein Fitnessarmband, das die Zahl der Stufen digital speichert. Der Sieger steht am Ende der Woche fest. Ein neuer Teamgeist ist entstanden. Die Verlierer fordern eine Revanche. Alle sind guter Dinge.

So könnte ein Wettbewerb des digitalen Betrieblichen Gesundheitsmanagements aussehen. Die Software dazu ist längst auf dem Markt. Entschließt ein Unternehmen sich zur Teilnahme, werden die Mitarbeiter anonym zu Stresssymptomen, Ernährung, Zeitmanagement und Motivation befragt. Sie machen ihre Angaben online und erhalten ein persönliches Gesundheitsprogramm. Die App empfiehlt individuelle Übungen und Speisen. Hinzu kommen z.B. Wettbewerbe im Betrieb, gemeinsame Lauftreffs und Kochrezepte. Das Unternehmen gerät in Bewegung.

Datenschutz stoppt Fitnessprogramm

Mit einem großen Kick-off bei einer Betriebsversammlung startete ein Siegburger Unternehmen in das Zeitalter des digitalen BGM. Drei Monate später stand das Projekt vor dem Aus. Der Grund: „Bei Fitness-Webinaren hätten wir auf externe Internetplattformen zugreifen müssen. Über offene Schnittstellen hätten Sicherheitslücken entstehen können. Da wir sehr sensible Kundendaten verwalten, hat unser Datenschützer von dem Projekt abgeraten“, sagt ein Verantwortlicher.

Die technischen Möglichkeiten des digitalen BGM sind längst gegeben. Doch die erfolgreiche Umsetzung in einem gesamten Unternehmen ist nicht nur aus Datenschutzgründen schwierig. „Mitarbeiter, die eine hohe Affinität zum Smartphone haben, machen gern mit. Doch die Unternehmen erreichen nicht alle Mitarbeiter digital“, sagt Dr. Thomas Olbrecht, Leiter des Bereichs Sustainable Management des Bonner Beratungsunternehmens EuPD Research. Anfangs sei die Akzeptanz bei den internetaffinen Mitarbeitern groß, doch sie lasse stark nach. Für den Gesundheitsmanager eines Betriebes sei es dann sehr schwierig, für neuen Schwung zu sorgen.

„Hinzu kommt, dass nur wenige Anbieter der Apps sich über die Krankenkassen zertifizieren können“, sagt Olbrecht. „Daher übernehmen die Krankenkassen keine Kosten. Das ist bei offline-Angeboten wie Seminaren oder Rückenschulen anders.“ Dennoch sieht Olbrecht eine Zukunft des digitalen BGM: „Der Markt wird kommen, wenn die jüngere Generation die Apps bei ihren Vorgesetzten einfordert.“ Er empfiehlt Unternehmen, die online-Angebote offline zu unterstützen. „Wenn Mitarbeiter über ihr Smartphone Tipps zur gesunden Ernährung erhalten, muss es in der Kantine auch ein entsprechendes Essensangebot geben.“

Der digitale Patient

Ein Zukunftsszenario entwickelt das digitale BGM noch weiter: Mitarbeiter zeichnen über Pulsmesser am Handgelenk oder andere Fitnesstracker Daten zu ihrer Gesundheit auf und leiten diese direkt an den Betriebsarzt weiter. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient verändert sich stark, wenn der Patient zu seinen Beschwerden gleich die passenden Daten liefert.
Doch auch hier warnen Datenschützer. Die Datensicherheit müsse gewährleistet sein. Der Patient habe ein Recht darauf, dass Daten jederzeit gelöscht werden können. Die Diskussion über die digitale Revolution im Gesundheitswesen hat gerade erst begonnen.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

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