IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Erfolg durch Betriebliches Gesundheitsmanagement

BGM: Fit, gesund, motiviert

Erfolg durch Betriebliches GesundheitsmanagementGesunde Ernährung, Stressbewältigung und Bewegung – das sind die Säulen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Unternehmen, die Gesundheitsangebote für ihre Mitarbeiter schaffen, profitieren selbst. Denn in einem erfolgreichen Unternehmen steckt ein gesunder Geist.

Der Duft nach frischem Brot erfüllte das gesamte Treppenhaus. Andere Düfte mischten sich darunter: Frisch aufgeschnittene Möhren, Gurken und Tomaten, Lachs- und Avocadocreme, geräucherte Wurst, verschiedene Käse und Haferflocken in Joghurt. Der Besprechungsraum „Pater Huth“ der Steyler Ethik Bank hatte sich für das Seminar „Gesundes Frühstück“ in ein kleines Schlaraffenland verwandelt.

Seit dem Seminar hat sich das Essverhalten der Mitarbeiter deutlich gewandelt. „Vor allem die Rezeptvorschläge für die Overnight Oats sind super angekommen. So heißen die Haferflocken-Mahlzeiten, die man bereits abends zubereitet“, sagt Angelika Pfeifer, Sekretärin der Geschäftsführung. Vorbei die Zeiten, in denen morgens die Muße für ein gesundes Frühstück fehlte. Die Haferflocken weichen über Nacht in Milch oder Joghurt ein. Jeder kann sie nach seinem Geschmack mit Banane, Himbeere oder Nüssen verfeinern. „Wir haben drei Kühlschränke in der Bank. Überall stehen nun Frischhalteboxen und Schraubdeckelgläser mit Overnight Oats für die Pause“, sagt Pfeifer.

Von der Gesundheitsförderung zum Gesundheitsmanagement

„Im vergangenen September haben wir den Startschuss für unser Betriebliches Gesundheitsmanagement gegeben“, sagt Elke Klein, Personalreferentin der Steyler Ethik Bank und der Steyler Mission in Sankt Augustin.
Die Steyler haben damit einen weiteren Schritt getan. Denn Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) bieten sie bereits seit über zehn Jahren an. „Jeder Mitarbeiter, der hier anfängt, bekommt Informationen zur richtigen Schreibtischhaltung. Auch die Bewegungsübungen dazu sind sehr gut“, erzählt Christoph Heitmann, Jurist und Leiter der Abteilung Nachlässe, Stiftungen und Rechtsberatung der Steyler Mission.

Auch nach der Arbeit wird Bewegung gefördert. „Ich besuche zweimal die Woche ein Fitnessstudio“, sagt Angelika Pfeifer. „Dafür zahle ich selbst 14,90 Euro im Monat, mein Partner zahlt 19,90 Euro.“ Nicht nur die günstigen Tarife überzeugen. Die Steyler arbeiten mit einem Verbund von Fitnessstudios zusammen, der bundesweit agiert. „Wenn ein Mitarbeiter über Nacht in Frankfurt ist, kann er dort in jedes Studio gehen, das dem Verbund angehört“, sagt Elke Klein.

Aus einzelnen Sport- oder Informationsangeboten wie diesen ist inzwischen eine Strategie geworden – das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Zum Auftakt lud Klein alle Mitarbeiter zu einem halbtägigen Gesundheitstag ein. Dort hörten insgesamt 75 Teilnehmer zunächst einen Vortrag zu „Food at Work“. Dann ging es in Gruppen zu Nordic Walking, Ganzkörperkräftigung und Gehirnjogging.
Bewerber achten auf Work-Life-Balance

Für das BGM sprechen zahlreiche Gründe: Ein gesundes Team ist leistungsfähiger als eine Belegschaft mit hohem Krankenstand. Wer gern zur Arbeit geht, erledigt seine Aufgaben motiviert, produktiv und kreativ. Unternehmen mit BGM haben zudem bei der Suche nach Fachkräften einen klaren Wettbewerbsvorteil. Denn qualifizierte Bewerber achten bei der Wahl ihres Arbeitgebers zunehmend auf die Work-Life-Balance. „Wenn ich in Schulen für eine Ausbildung in unserem Hause werbe, informiere ich auch über unsere freiwilligen Sozialleistungen“, sagt Elke Klein. „Beim Stichwort Fitnessstudio sind alle jungen Leute interessiert.“

„Arbeitgeber, die das Betriebsklima verbessern, Angebote zu Stressbewältigung, Bewegung und gesunder Ernährung schaffen, ineffiziente Arbeitsabläufe umgestalten und Führungskräfte zu einem gesunden Führungsstil anhalten, tun etwas für ihr Unternehmen“, sagt Sabina Stüber, Projektmitarbeiterin des regionalen CSR-Kompetenzzentrums der IHK Bonn/Rhein-Sieg. „Gleichzeitig übernehmen sie Verantwortung für ihre Mitarbeiter – das BGM gehört damit zu den klassischen CSR-Themen.“

Dennoch scheuen sich viele kleine und mittlere Unternehmen, den ersten Schritt zu tun. „Wir haben das Thema seit zwei Jahren auf der Agenda. Doch es fällt uns schwer, konkrete Maßnahmen umzusetzen“, sagt Petra Rimpl von der Unternehmensberatung Rimpl Consulting in Bornheim. „Für den kommenden Sommer planen wir einen Gesundheitstag. Doch es ist für uns beispielsweise unmöglich, unsere 22 Mitarbeiter anonym zu ihrem Gesundheitszustand zu befragen, um aus diesen Ergebnissen BGM-Angebote zu entwickeln. Wir sind alle beim Du. Wie soll es da Anonymität geben?“

Hilfe durch Krankenkassen und Gesetzgeber

Inzwischen ist auch der Gesetzgeber auf Probleme wie dieses aufmerksam geworden. Mit dem neuen Präventionsgesetz soll deshalb auch die Gesundheit von Arbeitnehmern gestärkt werden. Partner sind die Krankenkassen. „Ziel des Präventionsgesetzes ist, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen zu unterstützen“, sagt Marco Henn, Hauptgeschäftsführer der BARMER in Bonn. Er beobachtet ein steigendes Interesse der Unternehmen: „Wir haben 2016 bundesweit mehr BGM-Maßnahmen durchgeführt als im Jahr davor. Für die betriebliche Gesundheitsförderung investieren gesetzliche Krankenkassen seit dem 1. Januar 2016 mindestens zwei Euro pro Versichertem.“

Die Betriebe können von den Krankenkassen Zuschüsse erhalten: „Wenn Unternehmen ihren Angestellten die Teilnahme an zertifizierten Präventionskursen zu Bewegung, Ernährung oder Stressbewältigung am Arbeitsplatz ermöglichen, erhalten sie Zuschüsse“, sagt Henn. Auch Lehrgänge zum Fachmann für BGM können gefördert werden.

Allerdings hilft nicht das Geld allein zu einem erfolgreichen BGM. Wichtig ist, dass ein Unternehmen die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter kennt, bevor es Maßnahmen einleitet. Das Seminar „Gesundes Frühstück“ der Steyler Bank war ein Volltreffer. Wegen der hohen Nachfrage musste es zweimal stattfinden. Christoph Heitmann nennt einen guten Grund für diesen Erfolg: „Es hat Spaß gemacht.“

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

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