IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Interkommunale Gewerbeparks

Gemeinsam mehr erreichen

Interkommunale GewerbeparksWirtschaft braucht Flächen. Unternehmen entwickeln und vergrößern sich, neue Firmen siedeln sich an. Doch nicht nur in Bonn, sondern auch im Rhein-Sieg-Kreis werden die Flächen knapp. Die Kommunen stehen vor der Herausforderung, nicht jedem Erweiterungs- oder Ansiedlungswunsch ohne weiteres stattgeben zu können.

Gemeinsam allerdings geht oft noch etwas. In Bornheim und Alfter, Much und Neunkirchen-Seelscheid hat man sich deshalb zusammengetan und gemeinsam Gewerbeflächen entwickelt. Interkommunale Zusammenarbeit lautet das Zauberwort. Auch in Bonn denkt man verstärkt über entsprechende Kooperationen nach.

Kirchturmdenken. Ein scheinbar unverfängliches Wort. Doch wer immer es in den Mund nimmt, spricht es aus, um Kritik zu üben. An Politikern meist oder anderen Akteuren in einer Gemeinde, deren Denken vermeintlich oder tatsächlich nur um den eigenen Kirchturm, sprich: die Belange der eigenen Gemeinde kreist und dabei das große Ganze außer Acht lässt. Eingefordert wird der Blick über den Tellerrand.

Der Tellerrand – im Fall von Much und Neunkirchen- Seelscheid ist das die Gemeindegrenze. Auf der offiziellen Karte des Rhein-Sieg-Kreises entspricht sie einer lilafarbenen Linie, die sich ungefähr von Heidgen im Nordwesten bis Hermerath im Südosten schlängelt.

Gemeindegrenzen überwinden ...

In Wirklichkeit ist sie unsichtbar, kaum ein Autofahrer, kaum eine Wanderin merkt, dass sie gerade das Gebiet der Gemeinde Much verlassen und Neunkirchen- Seelscheider Terrain betreten oder umgekehrt. Kaum ein Schild weist auf die Gemeindegrenze hin. Und doch ist sie wirkungsmächtig. „Die Gemeinden“, nämlich, so steht es in Paragraf 2 der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen, „sind in ihrem Gebiet ausschließliche und eigenverantwortliche Träger der öffentlichen Verwaltung.“ Überschrieben ist der Paragraf mit „Wirkungskreis“. Damit ist klar: Die Wirkung beschränkt sich auf das Gemeindegebiet und endet an dessen Begrenzung.

So weit die Theorie. Die Praxis sieht natürlich anders aus. Menschen wohnen in der Gemeinde Much und arbeiten in Neunkirchen-Seelscheid. Oder Ruppichteroth. Oder gar Bonn oder Köln. Sie kaufen hier ein und tanken dort. Wählen weder Arzt noch Friseur noch Kfz-Werkstatt nach Gemeindezugehörigkeit, sondern nach Empfehlung, günstiger Lage oder Kostengesichtspunkten aus. Mit anderen Worten: Die Gemeindegrenzen hindern niemanden daran, sie zu überwinden.

... gemeinsam Flächen erschließen

Sie hindern allerdings unter Umständen die Gemeinden selbst daran, sich so entwickeln zu können, wie es zur Erfüllung ihrer Aufgaben unerlässlich wäre. Laut Gemeindeordnung soll das Gebiet einer Gemeinde eigentlich so bemessen sein, dass die Leistungsfähigkeit zur Erfüllung ihrer Aufgaben gesichert ist. In Sachen Industrie- und Gewerbeflächen ist dies längst nicht mehr in allen Kommunen der Fall.

Im Gegenteil: In den 19 Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises sinkt die Zahl der frei und direkt verfügbaren Flächen rapide. Natürlich gibt es hier und da noch Flächen, aber oft eher in Form eines Flickenteppichs, kaum noch in ausreichender Größe.

Potenzialflächen, also Flächen, die unter bestimmten Voraussetzungen erschlossen und vermarktet werden könnten, sind in manchen Gemeinden noch vorhanden, doch haben sich die gesetzlichen Voraussetzungen verschärft. Außerdem wird es immer mühsamer, einen Ausgleich zwischen den drei Großinteressen Wohnen, Gewerbe und Natur/Freizeit hinzubekommen.

Ein gemeinsames Kommunalunternehmen zur Entwicklung von Gewerbeflächen

Deshalb haben sich die Gemeinden Much und Neunkirchen- Seelscheid schon vor mehreren Jahren zusammengetan. 2011 ging ein gemeinsames Kommunalunternehmen in der Rechtsform einer Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) an den Start. Im Rahmen dieses Unternehmens kooperieren die beiden Kommunen unter anderem bei der Entwicklung und Vermarktung von Gewerbeflächen.

„Ziel des gemeinsamen Flächenmanagements ist die regionale Ansiedlung von Firmen und Unternehmen und damit langfristig die Stärkung der Wirtschafts- und Steuerkraft der Kommunen“, betont Muchs Bürgermeister Norbert Büscher (s. auch Interview). „Das interkommunale Gewerbegebiet Much–Neunkirchen-Seelscheid“, ergänzt seine Bürgermeister-Kollegin aus Neunkirchen-Seelscheid, Nicole Sander, „soll sowohl Angebote für Betriebsverlagerungen aus beiden Orten als auch die Möglichkeit der Bündelung themenbezogener Branchen bereitstellen.“

Die Nachfrage von Firmen nach mittleren und größeren Flächen in den beiden Gemeinden ist hoch. So hoch, dass Anfang 2017 die letzten Grundstücke verkauft werden konnten. In dem rund 8,7 Hektar großen Gewerbegebiet Bitzen, das im Gemeindegebiet von Much liegt, über die L318 angeschlossen ist und unmittelbar an das Gebiet von Neunkirchen- Seelscheid grenzt, stehen schon einige Gebäude. In Bövingen (4,4 Hektar), zentral in der Gemeinde Much gelegen, lässt sich rege Bautätigkeit beobachten.

Die IHK Bonn/Rhein-Sieg begrüßt die interkommunale Zusammenarbeit zur Ausweisung von gemeinsamen Gewerbegebieten. ’’Unsere Region ist eine Wachstumsregion mit anhaltendem Flächenbedarf, Betriebe haben Schwierigkeiten, sich anzusiedeln oder zu erweitern und verlagern deshalb nicht selten den Standort ins Umland,“ sagte IHK-Präsident Stefan Hagen im März beim Empfang zur Erschließung und Vermarktung der Gewerbegebiete Bitzen und Bövingen in Much.

 Stefan Hagen, Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Stefan Hagen, Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

Deshalb seien Kooperationen über die kommunalen Grenzen hinweg gefordert. „Dadurch wird es möglich“, so Hagen, „Standorte zu entwickeln, die verkehrsgünstig liegen, aber auch größere zusammenhängende Flächen bereitzustellen, die einzelnen Gemeinden nicht zur Verfügung stehen können.“

Bornheim und Alfter: Erfolg mit gemeinsamer Flächenvermarktung

In Alfter und Bornheim lässt sich ebenfalls besichtigen, was möglich ist, wenn Gemeindegrenzen überwunden werden. 2014 schlossen die beiden Gemeinden im linksrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung zur Entwicklung und Vermarktung eines gemeinsamen Gewerbegebiets. Beteiligt an der Kooperation sind auch der Landesbetrieb Straßenbau NRW, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Bornheim und der Stadtbetrieb Bornheim.

Das Gewerbegebiet Bornheim-Süd existiert schon länger, Joachim Strauß von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH Bornheim (WFEG) begleitet es schon seit dem Jahr 2000. In mehreren Bauabschnitten wuchs es kontinuierlich und stieß im Süden irgendwann an die Gemeindegrenze von Alfter. „Der Bau der neuen L183n, die den Bonner Norden mit Alfter und Bornheim verbindet, bot die Gelegenheit für eine zweite Anbindung des Gewerbeparks Bornheim-Süd an das übergeordnete Straßennetz, so dass hierzu Gespräche mit der Gemeinde Alfter über eine interkommunale Zusammenarbeit aufgenommen wurden“, erzählt Strauß.

Joachim Strauß von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH Bornheim (WFEG).Joachim Strauß von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH Bornheim (WFEG).

Der heutige Gewerbepark Bornheim-Süd/Alfter- Nord verfügt über eine Netto-Gewerbefläche von fast 45 Hektar, einen schnellen Anschluss an die Autobahn 555 und auch eine gute Schienenanbindung. Erschließung und Vermarktung liefen so erfolgreich, dass auch der jüngste, rund 2,7 Hektar große Abschnitt – der erste auf Alfterer Gemeindegebiet – schon ausgebucht ist.

Manfred Schier ist mit der Zusammenarbeit mit Alfter sehr zufrieden. „Das ist eine echte Kooperation mit vielen gemeinsamen Ansätzen, meine Erfahrungen sind durchweg positiv“, betont Schier, einer von drei Geschäftsführern der WFEG und Erster Beigeordneter der Stadt Bornheim. Außerdem ist er überzeugt davon, dass beide Gemeinden profitieren. „Es geht nicht nur um Gewerbesteuer, sondern um Arbeitsplätze und die dauerhafte Ansiedlung der Menschen hier bei uns in der Region“, sagt Schier. „Davon haben alle etwas!“

Manfred Schier von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH Bornheim (WFEG).Manfred Schier von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH Bornheim (WFEG).

Auch die Gemeinde Alfter ist mit dieser gelungenen Kooperation äußerst zufrieden. „Hierdurch erfährt der Gewerbestandort Bornheim/Alfter mit seinen hervorragenden infrastrukturellen Voraussetzungen eine deutliche Stärkung und Aufwertung“, betont Nico Heinrich, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Alfter GmbH und Kämmerer der Gemeinde Alfter. Die Unternehmen interessiere vielfach nicht, ob sie nun in Alfter oder Bornheim einen geeigneten Standort finden. „Wichtig ist, dass die Voraussetzungen des Standortes den Anforderungen genügen“, sagt Heinrich. „Und hier kann man durch interkommunale Kooperation noch einmal viele Synergieeffekte gewinnen und hervorheben.“

Nico Heinrich, Wirtschaftsförderung Alfter GmbH.Nico Heinrich, Wirtschaftsförderung Alfter GmbH.

Dem stimmt Dr. Hermann Tengler,  Leiter des Referats Wirtschaftsförderung des Rhein-Sieg-Kreises, zu. Er weiß aus vielen Gesprächen mit Unternehmen, dass in Zeiten des demografischen Wandels und heraufziehenden Fachkräftemangels das Arbeitskräfteangebot in der Region eine immer wichtigere Rolle spielt. „Wenn Firmen an ihrem Standort exzellente Fachkräfte und guten Nachwuchs zur Verfügung haben, dann setzen sie das nicht leicht aufs Spiel“, sagt Tengler.

Dr. Hermann Tengler, Leiter der Wirtschaftsförderung des Rhein-Sieg-Kreises.Dr. Hermann Tengler, Leiter der Wirtschaftsförderung des Rhein-Sieg-Kreises.

Doch oft stehen die Betriebe vor einem Dilemma. Sie wollen am Standort expandieren, aber die Gemeinde kann die geeignete Fläche nicht oder nicht schnell genug zur Verfügung stellen. Also müsste das Unternehmen über eine Verlagerung nachdenken. Andererseits sprechen die guten Fachkräfte dafür, am Standort zu verbleiben. „Deshalb suchen die meisten Firmen in einem Umkreis von rund 20 bis 30 Kilometern nach einer Expansionsmöglichkeit“, beobachtet Tengler. Ein zwingendes Argument für mehr interkommunale Zusammenarbeit.

In Bonn gibt es nur noch wenige Hektar freie Gewerbeflächen

Viele Firmen in Bonn stehen genau vor diesem Problem: Sie schätzen ihren Standort, würden gerne bleiben, entwickeln sich gut – und suchen händeringend Expansionsflächen. Andere wiederum wollen ihren Standort unbedingt von außerhalb in die Bundesstadt verlegen, denn die genießt zum Beispiel wegen ihres hohen Akademikeranteils, der vielfältigen Wissenschaftslandschaft und anderer Vorzüge einen guten Ruf weit über die Grenzen hinaus. Aber: Freie Flächen sind in Bonn Mangelware.

„Bonn verfügt über 19 gewachsene Gewerbegebiete mit insgesamt 456 Hektar, in denen viele Firmen schon in zweiter und dritter Generation sitzen, ,, so Dr. Ulrich Ziegenhagen, stellvertretender Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn. „In jedem dieser Gewerbegebiete ist mindestens ein großes, weltbekanntes Unternehmen präsent.“

Dr. Ulrich Ziegenhagen, stellvertretender Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn.Dr. Ulrich Ziegenhagen, stellvertretender Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn.

Aber: Die Stadt kann nur noch wenige zusammenhängende Gewerbeflächen anbieten, insbesondere elf Hektar im Büro- und Gewerbepark Bonn-Pützchen. Dessen Vermarktung beginnt voraussichtlich Ende 2017. Erste Anfragen gibt es bereits, auch von Firmen, die im Gewerbepark „Am Mühlenbach“ nicht mehr zum Zuge kamen. Der verfügt gerade einmal über 1,9 Hektar und ist damit Teil des für Bonn typischen Flickenteppichs. 2,5 Hektar in Buschdorf, 2,2 Hektar in Bonn-West, 4,9 in Godesberg- Nord – das mag für kleine Ansiedlungen reichen, für größere Erweiterungen und Neuansiedlungen jedoch nicht.

„Auf lange Sicht wird die Stadt Bonn aufgrund der anhaltend dynamischen Nachfrage nach Gewerbegrundstücken und des Flächenbedarfs für konkurrierende Nutzungen wie Wohnen künftig nicht mehr ausreichend Gewerbeflächen auf Bonner Stadtgebiet zur Verfügung stellen können“, heißt es unmissverständlich im „Jahreswirtschaftsbericht 2016“. „Daher ist die intensivere regionale Kooperation mit Gemeinden aus dem Rhein-Sieg-Kreis bei der Entwicklung von neuen Gewerbeflächen geplant.“

Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kreis ist nicht neu. Vorangetrieben durch den Bonn-Berlin- Beschluss 1991 konnte im damals gegründeten „Regionalen Arbeitskreis Entwicklung, Planung und Verkehr“ zwischen Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Kreis Ahrweiler viel Vertrauen aufgebaut und Maßnahmen umgesetzt werden. „Wir haben interkommunales Denken eingeübt und können das auch auf dem Gebiet der gemeinsamen Flächenentwicklung jederzeit aktivieren“, sagt Ziegenhagen.

„Die regionale Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bonn und ihrem Umland ist heute schon gut und wird zukünftig noch wichtiger werden“, ist Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan überzeugt. „Wenn es darum geht, Gewerbeflächen und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Bonn zu sichern, ist sie sogar zwingend notwendig. Letztlich trägt das Denken in regionalem Maßstab zur hohen Lebensqualität unserer Region bei.“

So gibt es beispielsweise Überlegungen, den interkommunalen Gewerbepark Bornheim-Süd/Alfter- Nord auf Alfterer Gemeindegebiet entlang der neuen L183n stark zu erweitern – und zwar erstmals unter direkter Mitwirkung der Stadt Bonn. Die Aufgabenteilung könnte zum Beispiel so aussehen, dass Bonn die ansiedlungswilligen Firmen liefert, Alfter die Fläche und alle drei Kommunen sich die Kosten für Erschließung und Vermarktung teilen. Informelle Gespräche auf Arbeitsebene finden bereits statt, allerdings will sich namentlich noch niemand dazu äußern.

Ein neuer Regionalplan, neue Flächenkonzepte und ein spannender Wettbewerb

Auch deshalb nicht, weil derzeit mehrere spannende Prozesse parallel laufen, die allesamt Auswirkungen
auf die weitere Flächenentwicklung in Bonn und Rhein-Sieg haben werden. Da ist einmal die Bezirksregierung Köln, die für ihr Gebiet zurzeit einen neuen Regionalplan erarbeitet. Der bildet die zusammenfassende, übergeordnete und überörtliche Schnittstelle zwischen der Landesentwicklungsplanung und der kommunalen Bauleitplanung.

Der Regionalplan gilt als wichtigstes Steuerungsinstrument zur Koordinierung der unterschiedlichen Raumansprüche, zu denen ja nicht nur der Bedarf an Industrie- und Gewerbeflächen gehört, sondern auch die Siedlungs- und Freiraumentwicklung, Standortvorsorge technischer Infrastrukturen, Raum für die Gewinnung erneuerbarer Energien, Rohstoffsicherung sowie Gewässer- und vorbeugender Hochwasserschutz.Derzeit führt die Bezirksregierung mit allen 99 Gemeinden, darunter die Stadt Bonn und die 19 Rhein-Sieg-Kreis- Kommunen, Gespräche über deren künftigen Flächenbedarf.

Gleichzeitig lassen der Rhein-Sieg- Kreis und die Stadt Bonn derzeit aktuelle Gewerbeflächenkonzepte erarbeiten. Der beauftragte Gutachter ist nicht zufällig derselbe. ’’Es ist ja allen Beteiligten klar, dass keine Kommune ihre Flächenprobleme alleine lösen kann, ,, hebt Dr. Hermann Tengler, Leiter der Wirtschaftsförderung des Rhein-Sieg- Kreises hervor. „Wenn es also auf verstärkte interkommunale Zusammenarbeit hinausläuft, ist es gut, wenn die Datengrundlage dieselbe ist.“

Das sieht man in Bonn genauso. „Für Bonn liegt mittelfristig der Sprung in umliegende Kommunen nahe, wenn wir den Bedarf der Unternehmen weiterhin befriedigen wollen“, sagt Bonns zweiter Wirtschaftsförderer Ziegenhagen. „Deshalb möchten wir Schulter an Schulter mit dem Kreis eine Basis erarbeiten, auf der wir künftig in Sachen Flächen schlagkräftig agieren und Unternehmen eine Perspektive am Standort bieten können.“

Tengler und Ziegenhagen erwarten von den beiden Gutachten ganz konkrete Vorschläge, zwischen welchen Kommunen eine Zusammenarbeit bei der Flächenentwicklung sinnvoll sein könnte. Mit diesen Ergebnissen wollen sie auch in den Gesprächen mit der Bezirksregierung an einem Strang ziehen.

Und dann ist da noch der Landeswettbewerb „StadtUmland.NRW“, an dem sich Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis sowie 13 Kreiskommunen mit dem Projekt „BonnUmland – sharegion“ beteiligen. Bei dem Wettbewerb geht es um Zukunftskonzepte für Großstädte und ihre Nachbarkommunen im Ballungsraum Nordrhein-Westfalen. Gestartet waren 13 Stadt-Umland-Verbünde, im Herbst 2016 wählte eine Jury acht aus, deren Konzepte seitdem mit Fachleuten diskutiert, weiterentwickelt und erneut präsentiert werden. Darunter ist auch „BonnUmland“.

Kurz gesagt stehen bei „sharegion“ Teilen und Tauschen als Handlungsprinzipien auf der Ziel-, Maßnahmen- und Prozessebene im Vordergrund, sie bilden den roten Faden. Dabei geht es allerdings nicht nur um Flächen, sondern auch um intelligente Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger oder Wohnraumversorgung. Das Ziel: Bonn/Rhein-Sieg ist eine Wachstumsregion – und möchte es bleiben. Qualitatives Wachstum geht aber nur noch durch das intelligente und interkommunale Teilen der regionalen Potenziale.

„Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis sind extrem stark aufeinander angewiesen“, sagt Tengler, „wenn es darum geht, den Wohlstand in der Region zu sichern.“ Aus dieser Erkenntnis heraus sowie den vielen gemeinsamen Ansätzen derzeit wagt Tengler die Prognose: „Es wird bald interkommunale Gewerbegebiete zwischen der Stadt Bonn und Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises geben.“

Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn

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