IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Metropolregion Rheinland gegründet

„Die Kooperation ist überfällig“

Metropolregion Rheinland gegründetDie Metropolregion Rheinland nimmt Gestalt an. Nach Jahren der Diskussion, Planung und Vorbereitung stärken nun die Kommunen, Kreise, Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern des Rheinlands und der Landschaftsverband Rheinland ihre regionale Zusammenarbeit: Sie rufen einen Verein ins Leben, um das Rheinland als Metropolregion von europäischer Bedeutung noch erfolgreicher zu machen. Die Gründungsversammlung fand am 20. Februar in der Turbinenhalle der Stadtwerke Düsseldorf statt.

Gründungsversammlung in Düsseldorf Die Gründungsversammlung in Düsseldorf.

„Jetzt müssen wir es machen“, sagte die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken im Dezember im Interview mit dem Bonner „General-Anzeiger“. „Die Kooperation auf der Maßstabsebene Rheinland ist überfällig“, antwortet Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan auf eine Anfrage von „Die Wirtschaft“.

Auch die Reaktionen aus der aus der Unternehmerschaft sind eindeutig. „Alles ist heute grenzüberschreitend, insbesondere der Verkehr“, betont Sabine Baumann-Duvenbeck, Geschäftsführerin der Viktor Baumann GmbH & Co. KG aus Bornheim, „deshalb muss die gesamte Region an einem Strang ziehen, das bringt mehr Schlagkraft!“

Unternehmerkollege Gert Schambach, geschäftsführender Gesellschafter der Dohle-Handelsgruppe mit Sitz in Siegburg, findet: „Es wäre toll, wenn die Region stärkere Bindekräfte nach innen und außen hätte, doch das bedarf der Kooperation und Koordination!“

Starke und deutliche Worte in einer hoffentlich starken Angelegenheit. Die Rede ist von der Metropolregion Rheinland, die nach langen Geburtswehen Ende Februar das Licht der Welt erblickte. „Endlich“, findet Dr. Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg und ein großer Verfechter regionaler Zusammenarbeit. „Es ist enorm wichtig, dass nun hier im Rheinland alle Zeichen auf intensivere Kooperation stehen, damit wird die Region stärker, auch in der Wahrnehmung von außen!“

Auch der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Sebastian Schuster, freut sich über den Start der Metropolregion. „Interkommunale Zusammenarbeit, das Denken über die eigenen regionalen Grenzen hinaus, ist in einer immer globaler werdenden Gesellschaft wichtiger denn je“, betont er, „denn nur so können die Grundlagen für einen attraktiven Lebens- und Arbeitsraum erhalten bleiben.“

Ein wichtiger Schritt zu einer Region von europäischer Bedeutung

Nun ist regionale Kooperation an sich nichts Neues. Die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis arbeiten auf vielen Gebieten zusammen. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg trägt die Kooperation bereits im Namen: Sie hat die wirtschaftliche Entwicklung sowohl in der Bundesstadt als auch im sie umgebenden Landkreis im Blick.
Auch der Region Köln/Bonn e.V. bündelt die Interessen mehrerer Akteure, um mehr herauszuholen, als es jedem einzelnen möglich wäre. Doch um die Probleme von heute zu lösen, bedarf es zusätzlicher Kooperationen.

„Im Vergleich zum Region Köln/Bonn e.V. wird die Metropolregion Rheinland eine Region von 8,6 Millionen Einwohnern repräsentieren“, betont Landrat Schuster, „in einem wesentlich größeren Maßstab und mit deutlich mehr Potenzial als bisher die Interessen des Rheinlandes gegenüber Land, Bund und EU, auch im Konzert der übrigen Metropolregionen deutschland- und europaweit, vertreten können.“

Entsprechend heißt es in der Präambel der Vereinssatzung der Metropolregion Rheinland e.V.: „Alle Beteiligten sehen in der Gründung des Vereins einen wichtigen Schritt, um das Rheinland als Metropolregion von europäischer Bedeutung im nationalen, europäischen und globalen Wettbewerb noch erfolgreicher zu machen, das Rheinland als Wohn- und Wirtschaftsstandort noch attraktiver zu gestalten und die Wahrnehmung als Region nach innen und außen zu stärken.“

Mit dabei sind elf kreisfreie Städte und 13 Landkreise, die Handwerks- sowie die Industrie- und Handelskammern sowie der Landschaftsverband Rheinland. Die Bezirksregierungen Düsseldorf und Köln, die Regionalräte in Düsseldorf und Köln sowie die Institutionen des Regionalmanagements erhalten einen Gaststatus.

Ziel ist es, durch geeignete Maßnahmen die Zusammenarbeit der kommunalen Gebietskörperschaften und Wirtschaftskammern im Rheinland auf politischer, wirtschaftlicher sowie verwaltungstechnischer Ebene zu intensivieren, hin zu einer Metropolregion von europäischer Bedeutung. Damit einhergehend soll der Wirtschafts- und Wohnortstandort attraktiver und die innere und äußere Wahrnehmung verbessert werden.

Die Landesregierung begrüßt diese Initiative. „Die Stärke des Wirtschaftsstandortes NRW resultiert aus der Stärke seiner Regionen: den westfälischen Wachstumsregionen, der Metropole Ruhr und der Metropolregion Rheinland“, heißt es aus dem NRW-Wirtschaftsministerium. „Die Herausforderungen der Zukunft – etwa der bedarfsgerechte Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, die Schaffung von attraktivem und bezahlbarem Wohnraum sowie die Bereitstellung ausreichender und geeigneter Flächen für die gewerbliche Nutzung – lassen sich in einem institutionalisierten Verbund wie einer Metropolregion besser angehen.“

Schwerpunkt der regionalen Zusammenarbeit: Verkehr

„Ausschlaggebend für die Gründung waren die Probleme beim Verkehr“, sagt die Kölner Regierungspräsidentin. Dazu muss man wissen, dass das Rheinland seine wesentliche Anziehungskraft für Menschen und Unternehmen aus seiner zentralen Lage und Erreichbarkeit in Deutschland und Europa und seiner Infrastruktur bezieht.

Ein Blick auf die Karte zeigt: Das Rheinland bildet den Schnittpunkt europäischer Transport- und Logistikkorridore in Nord-Süd- und Ost- West-Richtung. Die Prognosen zeigen: Die Güterverkehrsleistung im Rheinland wird bis 2030 um rund 40 Prozent steigen, und damit werden auch die Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur zunehmen.

Um die ist es aber nicht allzu gut bestellt. „Ob Straße, Schiene oder Wasserstraße“, findet Unternehmerin Baumann-Duvenbeck, „die Verkehrsinfrastruktur im Rheinland ist in den vergangenen Jahrzehnten extrem vernachlässigt worden und hat mit der Entwicklung nicht standgehalten.“ Gerade der gewerbliche Verkehr mache aber die Region stark.

„An erster Stelle steht hier deshalb das gemeinsame Einstehen für zusätzliche Mittel für unsere Infrastruktur: bei Schiene, Straße und besonders bei den Rhein-Brücken“, betont Bonns OB Sridharan. „Das muss meiner Meinung nach sofort nach der Gründung das Hauptthema der Kooperation werden.“

In einem Arbeitsprogramm listet der neue Verein deshalb schon jetzt konkrete Maßnahmen auf, etwa ein rheinlandweites Baustellen- Management, um einen besseren Verkehrsfluss zu gewährleisten. Auch Lobbyarbeit auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene sowie die Begleitung des Aufbaus eines rheinlandweiten Lkw- Navigationssystems stehen auf der Agenda. Zudem will sich die Region zu Vorgaben des Bundes, wie etwa dem Bundesverkehrswegeplan, geschlossen positionieren.

Den Standort international sichtbarer machen

Ein weiterer Schwerpunkt sind Bildung und Forschung, die nach Überzeugung der Akteure zu entscheidenden Zukunftsthemen für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung geworden sind. Auf der einen Seite kann sich das Rheinland als erfolgreiche Bildungsregion profilieren. Dies spricht Unternehmen, Fachkräfte und Auszubildende gleichermaßen an.

Zum anderen kann die Vernetzung der vielen verschiedenen Forschungseinrichtungen untereinander, aber auch mit den ansässigen Firmen im Rheinland die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft und die internationale Bedeutung der Forschungsaktivitäten fördern. Die Federführung für dieses Themengebiet liegt bei den Industrie- und Handelskammern.

Dritter Handlungsschwerpunkt ist das Standortmarketing. Hier hat die Stadt Bonn die Federführung übernommen. Der Grundgedanke: „Durch ein effizientes Standortmarketing kann die Region Rheinland erfolgreich als attraktiver Wirtschaftsstandort positioniert werden“, heißt es im Arbeitsprogramm des Vereins Metropolregion Rheinland. „Dabei müssen die hervorragenden Standortvoraussetzungen wirksam bekannt gemacht werden.“

Modernes Standortmarketing umfasse dabei die Region in allen ihren verschiedenen Ausprägungen. „Als attraktive Arbeits-, Wohn-, Wirtschafts-, Wissens-, Verkehrs-, Planungs-, Tourismus-, Kultur- und Sportregion ist sie sowohl für Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Institute etc. als auch für qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lebenswerter Anziehungspunkt“, steht im Arbeitsprogramm.

Letzteres liegt vielen Unternehmen am Herzen. „Bei der Gewinnung von Fach- und Führungskräften konkurrieren wir mit Firmen in Berlin, Hamburg, München und anderen attraktiven Regionen“, spürt etwa Unternehmer Gert Schambach, „deshalb muss auch das Rheinland noch besser positioniert werden, um Fachkräfte auf die Region aufmerksam zu machen und hier an die Firmen zu binden.“

Im Rahmen der Metropolregion Rheinland suchen auch die beiden Regionalplanungsbehörden, die Bezirksregierungen Düsseldorf und Köln, mehr Nähe. Sie wollen das Bewusstsein für die Gesamtregion schärfen und regionale Prozesse aufeinander abstimmen.

Schwerpunkte im Rahmen der Metropolregion sollen die Themen rheinisches Städtewachstum und grüne Infrastruktur sein. Zudem soll ein Datenatlas die Abstimmung der anstehenden Aufgaben verbessern und somit auch ein regionales Bewusstsein entstehen lassen.

Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn

Metropolregion Rheinland – Gründungsveranstaltung

Im Beisein der Regierungspräsidentinnen von Düsseldorf und Köln, Anne Lütkes und Gisela Walsken, wurde am 20. Februar in Düsseldorf der Verein Metropolregion Rheinland e.V. aus der Taufe gehoben. In der Turbinenhalle der Stadtwerke Düsseldorf unterzeichneten hochrangige Vertreter von Kommunen, Kreisen, der StädteRegion Aachen, des Landschaftsverbandes Rheinland und der Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern im Rheinland, darunter die IHK Bonn/Rhein-Sieg, die Satzung und bekundeten damit ihren Willen zur engeren Zusammenarbeit. Mit einer von den Handwerkskammern zur Verfügung gestellten, zweiteiligen Torte wurden die Regionen anschließend auch bildlich zu einer Einheit zusammengeführt.

Die Handwerkskammern spendierten eine Torte zur Gründung
„Auch für Bonn ist die Metropolregion Rheinland ein Gewinn, weil die Stadt dadurch noch besser als bisher auf internationalen Ebene wahrgenommen wird,“ sagte Oberbürgermeister Ashok Sridharan. „Wir können durch den Zusammenschluss die gemeinsamen Herausforderungen besser schultern und haben viel größere Möglichkeiten, an Fördermittel zu kommen. Mit der Metropolregion Rheinland kann die Region zeigen, was in ihr steckt: Innovationskraft, Zukunftsfähigkeit, Flexibilität.“

Seinen Sitz wird der Verein in Köln haben. Zu den Vorstandsmitgliedern gehören unter anderem Thomas Hendele (Landrat Kreis Mettmann), Henriette Reker (Oberbürgermeisterin Köln), Sebastian Schuster (Landrat Rhein-Sieg-Kreis) und Jürgen Steinmetz (Hauptgeschäftsführer IHK Mittlerer Niederrhein).

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