IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


„Unsere Kooperation funktioniert bestens!“

Interview mit Nicole Sander, Bürgermeisterin der Gemeinde Neunkirchen- Seelscheid, und Norbert Büscher, Bürgermeister der Gemeinde Much

Norbert Büscher und Nicole SanderDie IHK Bonn/Rhein-Sieg sieht Much und Neunkirchen-Seelscheidt als Vorreiter bei der interkommunalen Zusammenarbeit zur Ausweisung von gemeinsamen Gewerbegebieten. Seit mehreren Jahren schon stehen in den beiden Gemeinden im Rhein-Sieg-Kreis die Zeichen auf Kooperation statt Konkurrenz. Mit Bitzen und Bövingen haben sie inzwischen schon zwei Gewerbegebiete gemeinsam eingerichtet. anlass genug für ein Gespräch mit Nicole Sander und Norbert Büscher, die beide seit 2014 erste Bürger ihrer Gemeinden sind und die Zusammenarbeit weiter vertiefen wollen.

Die Wirtschaft: „Das Gebiet jeder Gemeinde soll so bemessen sein, dass die Leistungsfähigkeit der Gemeinde zur Erfüllung ihrer Aufgaben gesichert ist“, heißt es in Paragraf 15 der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen. Reichen Ihre Gemeindegebiete noch aus?

Nicole Sander:
Die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid ist leistungsfähig! Allerdings trifft auf unser Gemeindegebiet das gleiche zu wie auf viele andere Gemeinden in wachstumsstarken Regionen: Die frei verfügbaren Flächen, beispielsweise für die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe, gehen zur Neige.
Norbert Büscher: Auch Much ist leistungsfähig. Zugleich gilt: Auch in Much werden die Flächen knapp. Wir können also gar nicht anders als dort, wo es passt, mit anderen Gemeinden zu kooperieren. Denn zur Sicherung unserer Leistungsfähigkeit gehört es auch, den ansässigen Unternehmen eine Entwicklungsperspektive zu bieten und neues Gewerbe anzusiedeln. Nur so sichern wir dauerhaft Wohlstand.

Das Kirchturmdenken zu lassen und zusammenzuarbeiten ist also alternativlos?

Sander: Kirchturmdenken ist nicht meine Sache. Es stimmt, die Zusammenarbeit ist unbedingt notwendig. Wir wollen Unternehmen ein Zuhause geben und wissen aus vielen Gesprächen, dass sie – allein schon wegen der vielen qualifizierten Beschäftigten hier vor Ort – ungerne weichen möchten. Deshalb wollen wir ihnen ein attraktives Angebot machen.

Und das geht nicht allein?

Büscher: Nein, nicht in dem Maße, wie es erforderlich ist. Das hat mit dem begrenzten Flächenangebot zu tun, aber auch mit den ohnehin immer knapperen finanziellen Mitteln vieler Gemeinden. Wir müssen die uns anvertrauten Steuergelder so effizient wie möglich einsetzen. Weshalb also nicht Synergien erzeugen und den Personalaufwand sowie die Kosten für Planung, Erschließung und Vermarktung von Gewerbeflächen teilen!

Die Realität sorgt also für Kooperationsdruck?

Sander: Sie können davon ausgehen, dass ich nicht gezwungenermaßen mit Herrn Büscher zusammenarbeite. Ganz im Gegenteil: Die Kooperation zwischen unseren Gemeinden gehört zu den sehr angenehmen und erfolgversprechenden Aspekten meiner Tätigkeit als Bürgermeisterin. Wir kommen sehr gut miteinander zurecht!

Büscher: Wir haben viel Vertrauen aufgebaut und arbeiten eng und gut zusammen. Aber natürlich ist das auf der breiten Ebene von Politik und Verwaltung auch ein Gewöhnungsprozess. Doch in beiden Gemeinden haben alle Akteure inzwischen erkannt, dass eine zukunftsfähige Gewerbeflächenentwicklung vor der eigenen Haustür kaum noch möglich ist, dass es innovative Konzepte und interkommunale Zusammenarbeit benötigt.

Worauf kommt es denn an, was ist Ihr Erfolgsrezept?

Büscher: Erstens eine gemeinsame Überzeugung: Wir alle wollen, dass die Betriebe in der Region bleiben. Die Gewerbesteuer spielt dabei gar nicht die wichtigste Rolle, entscheidend sind die Beschäftigten, die Menschen also, die hier wohnen, einkaufen, ihre Kinder zur Schule schicken, Steuern zahlen. Denen wollen wir eine Perspektive bieten – und davon sind wir in Much ebenso überzeugt wie in Neunkirchen-Seelscheid.
Sander: Zweitens kommt es natürlich auf die handelnden Personen an. Dort wo Vertrauen herrscht und das oft zitierte Kirchturmdenken keine Rolle spielt, lässt sich miteinander viel erreichen.

Gibt es weitere Erfolgsfaktoren?

Büscher: Ja, zum Beispiel eine faire Aufgabenteilung. Unerlässlich ist zudem ein möglichst breiter Rückhalt in der Politik, über Parteigrenzen hinweg. Ich kann für Much ebenso wie für Neunkirchen-Seelscheid sagen: In den beiden Gemeinderäten, aber auch in den Verwaltungen besteht grundsätzlich Einigkeit, dass wir gemeinsam agieren müssen, um Firmen Entwicklungschancen und Ansiedlungsoptionen bieten zu können.

Wie geht es jetzt, nach der erfolgreichen Entwicklung und Vermarktung der beiden Gewerbegebiete Bitzen und Bövingen weiter?

Sander: Wie Sie vielleicht wissen, kooperieren Much und Neunkirchen-Seelscheid nicht nur bei den Gewerbeflächen, sondern betreiben bereits seit 2011 ein gemeinsames Kommunalunternehmen, um die vielfältigen Aufgaben ihrer Bauhöfe gemeinsam noch wirtschaftlicher und qualitätsorientierter wahrzunehmen, als es angesichts der angespannten Finanzsituation möglich wäre. Nun planen wir den nächsten Schritt: die Zusammenlegung der Bauhöfe beider Kommunen an einem zentralen Standort. Außerdem denken wir über ein drittes gemeinsames Gewerbegebiet nach!

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