IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Unternehmerreise nach Weißrussland

Besuch bei den „Preußen Osteuropas“

Regierungsbebäude in Minsk„Mir war nicht bekannt, dass die Weißrussen sich als die Preußen der russischsprachigen Welt verstehen. Das Preußentum sehen sie positiv, sie halten sich für besonders exakt und zuverlässig.“ Dies ist nur einer der Eindrücke, die Klaus P. Krupp von seiner Unternehmerreise nach Weißrussland (Belarus) mitgebracht hat.

Sechs Tage lang reiste der Geschäftsführer der WKD Walter Krupp Dieseltechnik GmbH im Oktober 2016 mit anderen Unternehmern durch Weißrussland. Die Gruppe besuchte Industriebetriebe und sprach mit Investoren aus dem Westen.

Krupp nutze außerdem die Gelegenheit, seinen Kontakt zu Dr. Wladimir Augustinski, Leiter der Repräsentanz der Deutschen Wirtschaft in Belarus (AHK), zu intensivieren. Für die WKD Walter Krupp Dieseltechnik GmbH ist der Export ein wichtiges Standbein.

Das Meckenheimer Unternehmen verkauft sowohl Dienstleistungen als auch Werkzeuge und Maschinen für die Entgratung und das Oberflächenfinish von Metallprodukten. Die Kunden schicken Musterteile nach Meckenheim. Dort werden Versuche gemacht, die schließlich zu Empfehlungen für Geräte zur Metallbearbeitung führen. Krupp verkauft z.B. Luftstromverstärker oder Werkzeugkühler.

Klaus P. KruppKlaus P. Krupp brachte von der Unternehmerreise nach Belarus viele Eindrücke mit.

„Einen unserer Kunden habe ich während der Unternehmerreise in Minsk besucht“, sagt Krupp. „Ihn hatte ich einige Jahre zuvor bei der Messe ‚Metalloobrabotka- Technoforum’ in Moskau kennengelernt. Bei dieser großen Industriemesse gibt es einen deutschen Pavillon, in dem wir ausgestellt haben.“

Visafreiheit für fünf Tage

Die IHK Bonn/Rhein-Sieg hatte die Unternehmerreise nach Weißrussland unterstützt. Sie ist Schwerpunktkammer für Belarus und Indonesien. Denn die 16 IHKs in Nordrhein-Westfalen haben sich arbeitsteilig jeweils auf die Handelsbedingungen mit einem oder mehreren Ländern spezialisiert (www.info-weltweit.de). So sammelt die IHK Bonn/Rhein-Sieg Wissen zu Belarus und Indonesien, das sie an Unternehmen aus ganz NRW weitergibt. Zu den Aufgaben einer Schwerpunktkammer gehört unter anderem, Unternehmertage durchzuführen.

Bei diesen Veranstaltungen kommen Unternehmer direkt mit Fach- und Führungskräften aus den Schwerpunktländern ins Gespräch. Außerdem informiert die IHK über Reiseformalitäten: „Deutsche Geschäftsleute können seit Beginn des Jahres einfacher nach Belarus reisen“, sagt Tobias Imberge, Referent für Außenwirtschaft. „Wer über den Flughafen Minsk ein- und ausreist und maximal fünf Tage bleibt, braucht kein Visum mehr.“

Ungeduld aus historischen Gründen

Klaus P. Krupp weiß die neue Visafreiheit zu schätzen – auch wenn sie erst einmal nur für fünf Tage gilt. Er möchte weitere Kunden in Weißrussland finden, denkt über einen Messebesuch oder gar eine Messebeteiligung nach. Sein Engagement in Osteuropa entwickelte sich über Jahre. Beim „Metalloobrabotka-Technoforum“ in Moskau stellte er schon mehrmals aus.

Außerdem nahm er am zweiwöchigen Manageraustauschprogramm teil, das vom ehemaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin ins Leben gerufen wurde. Krupp ist zu einem guten Beobachter der osteuropäischen Mentalitäten geworden: „Russische Geschäftspartner sind z.B. ungeduldig, sie wollen gleich Preise sehen und schnell Geld verdienen“, sagt er und liefert die Erklärung gleich mit: „Nach dem radikalen Umbruch in der Vergangenheit wussten russische Unternehmer nicht, was die Zukunft bringt. Deshalb wollten sie schnell sein.“

Er selbst spricht ein wenig Russisch, kann die Sprache lesen und verstehen. Zu seinen Mitarbeitern gehören sowohl eine gebürtige Russin als auch eine Ungarin. Er empfiehlt jedem, der Auslandsgeschäfte machen möchte, Sprache und Mentalität zu studieren: „Die Geschäftspartner möchten sich sicher fühlen. Das geht am besten in ihrer eigenen Sprache. Englisch wird in Osteuropa ungern gesprochen. Im Außenhandel gelten andere Regeln.“

Ursula Katthöfer, Freie Journalistin, Bonn

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