Europass – Fünf Dokumente für mehr Transparenz in Europa

Ein Weg zu mehr Transparenz in Europa

Die Ausbildungssysteme haben sich in den EU-Staaten aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen über Jahrzehnte hinweg unabhängig voneinander entwickelt. Jedes Land weist Besonderheiten auf, die so schnell nicht verschwinden werden und auch nicht verschwinden sollen. Der Europass unterstützt das grenzüberschreitende Lernen und Arbeiten und sorgt für mehr Klarheit in der europäischen Bildungs- und Ausbildungslandschaft.

Der Europass ist ab sofort bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg kostenlos erhältlich. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg berät Unternehmen und Beschäftigte zum Europass, gibt den Europass aus und erweitert damit ihr internationales Dienstleistungsangebot.

Die wichtigsten Vorteile des Europass:

  • Der Pass macht Arbeits- und Bildungsaufenthalte von Beschäftigten in Europa vergleichbar. So werden europaweit sehr unterschiedliche Arbeitszeugnisse durch ein einheitliches Kompetenzprofil ergänzt.
  • Die Neueinstellung von Mitarbeitern wird erleichtert, weil deren berufliche Auslandserfahrungen nach einem standardisierten Muster genau aufgeführt werden.

Der Europass selbst ist eine Mappe, in die fünf Dokumente eingelegt werden können. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg verschickt auf Anfrage die Mappe an Betriebe und Interessenten. Zu den fünf Europass Transparenzinstrumenten gehören:

  • europass Lebenslauf
  • europass Sprachenpass
  • europass Mobilität
  • europass Diploma Supplement
  • europass Zeugniserläuterung

Der europass Lebenslauf dient der klaren und formal korrekten Präsentation der eigenen Bildungs- und Berufsbiografie. Die ist umso wichtiger, da die Erwartungen an einen formal korrekten Lebenslauf nicht in allen EU-Ländern gleich sind. Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit das Formblatt selbst auszufüllen und individuell zu verändern. Es ist als frei verfügbarer Download im Internet unter www.europass-info.de zu erhalten.

Der europass Sprachenpass objektiviert die Beurteilung und Einschätzung des eigenen Sprachniveaus mit Hilfe eines Rasters, das sechs unterschiedliche Kompetenzlevel aufweist. Diese dokumentieren sowohl das Hör- und Leseverständnis als auch das Sprech- und Interaktionsvermögen sowie die schriftliche Ausdrucksfähigkeit. Der Sprachenpass erleichtert so eine Bewertung der Sprachkenntnisse und spiegelt eine international einheitliche und differenzierte Beurteilung der Sprachkenntnisse wieder. Die Bewerberinnen und Bewerber stellen diesen Pass selbst aus. Er ist ebenfalls unter www.europass-info.de zu bekommen.

Seit Januar 2005 ersetzt der europass Mobilität den bisherigen EUROPASS Berufsbildung, der ebenfalls bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg erhältlich war. Während der EUROPASS Berufsbildung nur für die Dokumentation beruflicher Auslandsaufenthalte gedacht war, kann der europass Mobilität darüber hinaus auch an Schülerinnen und Schüler allgemein bildender Schulen, Studierende und andere Personen jeden Alters vergeben werden, die eine Lernerfahrung im Ausland gemacht haben. Der europass Mobilität dokumentiert somit Lernabschnitte in Beruf, Schule oder Studium, die im Ausland absolviert wurden. Das kann zum Beispiel ein Praktikum sein, ein Teil einer beruflichen Aus- oder Weiterbildung oder ein Auslandssemester an einer Hochschule.

Der Auslandsaufenthalt muss bestimmte, von den europass Ausgabestellen überprüfte Qualitätskriterien erfüllen. Die Kriterien der Vergabe sind im Ratsbeschluss von Dezember 2004 festgelegt. Eine Voraussetzung ist, dass die Begünstigten eine Lernerfahrung im Ausland gemacht haben und dass die entsendende und die empfangende Einrichtung vorab die Inhalte des Lernaufenthaltes vereinbart haben.

Der europass Mobilität kann nicht von den potenziellen Passinhabern beantragt werden. Er wird gemeinsam von der entsendenden und der aufnehmenden Einrichtung ausgestellt – zum Beispiel einer Berufsschule und einem Unternehmen. Einrichtungen wie Berufsschulen, Unternehmen oder Hochschulen, die den europass Mobilität ausstellen möchten, erhalten im Internet unter www.europass-info.de weitere Informationen.

Europass Diploma Supplement ist eine Erläuterung zu akademischen Abschlusszeugnissen, die dafür sorgt, dass ein Hochschulabschluss für Arbeitgeber im Ausland kein Brief mit sieben Siegeln bleibt. Es wird von den Hochschulen dem Abschlusszeugnis beigefügt. Hochschulabsolventinnen und –absolventen in EU-Mitgliedstaaten erhalten den europass Diploma Supplement also in Hochschulen. Es beschreibt detailliert den Studiengang und die während des Hochschulstudiums erworbene Qualifikation des Europass-Inhabers. Das europass Diploma Supplement ist kein Ersatz für das Originalabschlusszeugnis. Sondern eine personengebundene Ergänzung, die von der Hochschule ausgestellt wird.

Die Europass Zeugniserläuterung ergänzt einen Gesellenbrief oder ein anderes berufliches Abschlusszeugnis. Sie macht Arbeitgebern oder Bildungsinstituten im Ausland die länderspezifischen Standards des jeweiligen Ausbildungsberufes transparent. Neben Informationen zu Dauer, Art und Niveau der Ausbildung liefert sie eine Kurzbeschreibung der durch die Berufsausbildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten. Zudem gibt sie Hinweise zu typischen Branchen und Tätigkeitsfeldern, für die die Berufsausbildung qualifiziert, sowie zur Bewertungsskala der Benotung. Die Behörden in vielen EU-Ländern sind zurzeit im Begriff, die europass Zeugniserläuterungen zu erstellen. Sukzessive werden die deutschen europass Zeugniserläuterungen in drei Sprachen unter der Adresse www.europass-info.de zur Verfügung stehen.

Die ersten 15 Europässe gehen an Schülerinnen und Schüler des Robert Wetzlar Berufskollegs, die an einem Leonardo-Projekt in England teilgenommen haben. Weitere Projekte sind im Kammerbezirk in Vorbereitung.

Evaluierung

  • Seit 2005 haben 12 Mio. Personen das Europass-Portal aufgesucht
  • Zwischenzeitlich erfolgen 12.000 Zugriffe pro Jahr
  • 3 Mio. Personen haben den Lebenslauf erstellt.
  • Zu 60% nutzen Personen mit Hochschulabschluss den Europass.
  • Mit jährlichen Gesamtkosten von 2,5 Mio. € handelt es sich um ein kosteneffektives Instrument. Das entspricht pro Dokument umgerechnet 5 €.

Folgende Schlussfolgerungen werden aus der Evaluierung gezogen:

  • Der Europass muss weiter für niedrig Qualifizierte und erwerbslose Personen geöffnet werden.
  • alle Teilnehmer an Mobilitätsmaßnahmen sollen erfasst werden.
  • Zeugniserläuterung und Diploma Supplement sollen von den Nationalen Aufgabenstellen stärker beworben werden.
  • Eine kurze Form des Lebenslaufes wird entwickelt.
  • Dem Europass soll ein zusätzliches Instrument zur Selbsteinschätzung der sog. learning outcomes hinzugefügt werden. Darin sollen Fachkenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen auf individueller Grundlagen dokumentiert werden können.