IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg

Wettbewerb im Einzelhandel verschärft sich weiter

Der stationäre Einzelhandel in der Region Bonn/Rhein-Sieg verfügt über eine Verkaufsfläche von 1,42 Millionen Quadratmetern. Davon entfallen rund 972.000 Quadratmeter auf den Rhein-Sieg-Kreis und etwa 446.000 Quadratmeter auf Bonn. „Im Rhein-Sieg-Kreis ist die Verkaufsfläche in den vergangenen Jahren stärker angestiegen, was den Wettbewerb verschärft“; sagt IHK-Geschäftsführer Prof. Dr. Stephan Wimmersr: „Zugleich gewinnt der Online-Handel immer mehr Marktanteile.“ Das ist ein Ergebnis des neuen Branchenreports Einzelhandel der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg.

„Die Kunden entscheiden naturgemäß nicht nach kommunalen Grenzen, wo sie einkaufen, sondern pragmatisch, etwa nach Parkplätzen und Angebot. Dem Handel im Rhein-Sieg-Kreis und in Bonn kommt dabei das anhaltende Bevölkerungswachstum und die hohe Kaufkraft zu Gute. Das trägt mit zu der Haltung vieler Kommunen bei, dem Einzelhandel attraktive und großzügige Flächen bereitzustellen“, erläutert Wimmers.

Zusätzliche Flächen wurden etwa in den vergangenen Jahren mit der Einkaufspassage am Wilhelm-Hamacher-Platz in Troisdorf sowie am Bonner Friedensplatz geschaffen. Mit dem zweiten Bauabschnitt des HUMA-Einkaufsparks in Sankt Augustin eröffnete dieses Jahr das neue Einkaufszentrum vollständig auf etwa 40.000 m². Zukünftige Projekte finden sich in der Bonner Innenstadt (Südüberbauung, Nordfeld). Hier werden in den nächsten Jahren rund 20.000 m² neue Verkaufsfläche geschaffen.

Onlinehandel als zunehmende Herausforderung

Dennoch verzeichneten Einzelhändler in Bonn und anderen Städten und Gemeinden teils deutliche Frequenzrückgänge bis zu 50 Prozent. „Offenbar streben insgesamt immer weniger Menschen zum Einkauf in die Innenstädte“, so IHK-Handelsreferent Till Bornstedt. Ein wesentlicher Grund dafür sei der zunehmende Onlinehandel. Onlinehandel benötigt weniger Fläche als stationärer Handel. Ferner sorge die moderne Arbeitswelt dafür, dass in der Woche weniger Zeit für Freizeit bleibt oder diese erst später beginnt. Folge: Umsatzverluste zwischen Montag und Freitagmittag, die sich am Freitagnachmittag und Samstag nicht aufholen lassen. Bornstedt: „Eine weitere Herausforderung für den Innenstadthandel: die Erreichbarkeit. Nach wie vor kommen etwa in Bonn 40 Prozent der Kunden mit dem eigenen Pkw. Es wird aber immer schwieriger, in vertretbarer Zeit in die Stadt zu gelangen. Also denken die Kunden immer häufiger über Alternativen nach.“

Der anhaltende Onlineboom verändert den Einzelhandel. Während der Umsatz im deutschen Einzelhandel in den vergangenen Jahren im niedrigen einstelligen Bereich wächst, verbuchte der Onlinehandel zweistellige Zuwachsraten. Wer sich auf die Entwicklung einstellt, kann jedoch von ihr profitieren und muss die Zukunft nicht fürchten. „Multi-Channeling“ meint das intelligente Verknüpfen verschiedener Vertriebskanäle, vor allem von stationär und online. Genau da liegt die Chance des stationären Handels: Er muss sich auf seine Stärken besinnen – Beratung, persönliche Kundenansprache und die unmittelbare Gelegenheit für die Kunden, die Ware anzufassen und auszuprobieren. Und dazu gezielt den Online-Service verstärken“, so Bornstedt.

Heimat shoppen als Kampagne für den Einzelhandel vor Ort

Mit der gemeinsamen Aktion „Heimat shoppen“ haben der Einzelhandelsverband (EHV) Bonn Rhein-Sieg Euskirchen e. V. und die IHK gerade erst erfolgreich auf die zahlreichen Leistungen der Händler vor Ort und den Wert des Einzelhandels für Stadt und Bürger aufmerksam gemacht. „Heimat shoppen stärkt die Kommunen vor Ort“, sagt IHK-Geschäftsführer Prof. Dr. Stephan Wimmers: „Jeder Euro, den Kunden innerhalb der Gemeindegrenzen ausgeben, nutzt der Heimat, denn Einzelhändler und Gastronomen zahlen Gewerbesteuer. Somit stärkt jeder Einkauf oder auch der Restaurantbesuch die wirtschaftliche Grundlage des eigenen Ortes.“ Ferner bedeute Heimat shoppen auch weniger Umweltbelastung durch weniger Energieverbrauch und weniger Staus. Wimmers: „Nicht nur Gebäude und Geschichte machen einen Ort besonders. Auch die Vielfalt der Einkaufsmöglichkeiten und die Besonderheit der Gastronomie prägen die Kommunen. Je mehr Bürger diese Angebote nutzen, desto attraktiver und lebendiger wird die eigene Stadt oder Gemeinde.“ Ferner sichere Heimat shoppen Arbeit und Ausbildung, da der Einzelhandel zu den größten Arbeitgebern und Berufsausbildern vor Ort zähle. Der Einkauf vor Ort bedeute aber auch die Unterstützung von Brauchtum und Bürgerengagement durch lokale Veranstaltungen oder Festivitäten. „Heimat shoppen bedeutet schließlich einkaufen bei Nachbarn und Freunden: Gute Beratung und Service steigern die Kundenzufriedenheit. Wer kann besser beraten als jemand der weiß, was die Kunden vor Ort wünschen.“ In diesem Jahr haben wieder viele Gewerbevereine die Aktion unterstützt, sodass in 20 der 20 Kommunen in der Region zwei erfolgreiche Aktionstage durchgeführt werden konnten. Aufgrund der positiven Resonanz wollen IHK und EHV diese Kampagne auch in den nächsten Jahren weiter führen und ausbauen und so das Einkaufserlebnis vor Ort stärken. 

 

 

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