IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Digital Hub Region Bonn: Stärke und Wachstum

Eine Zwischenbilanz

Montage: © E. MantouvalouDie Digitalisierung ist in aller Munde und neben der Fachkräftesicherung das große Thema in den Unternehmen. Gerade kleine und mittlere Betriebe brauchen dabei Unterstützung – und innovative Start-ups ebenso. Die finden die Unternehmen im Digital Hub Region Bonn. Vor rund 18 Monaten nahm der Digital Hub seine operativen Geschäfte auf. Nun ist Halbzeit der dreijährigen Förderperiode. Zeit für einen ersten Rück- und Ausblick.

Wer Visionen habe, möge zum Arzt gehen, empfahl vor vielen Jahren ein früherer Bundeskanzler. In der Region Bonn/Rhein-Sieg ist das anders. Hier sind Visionen willkommen – und werden sogar ganz offiziell erarbeitet. Zum Beispiel vom Aufsichtsrat des Digital Hubs Region Bonn. Der befasst sich in seinen Sitzungen regelmäßig mit der Entwicklung des Hubs – und gab in der fünften Sitzung folgenden Leitsatz als Vision aus: „Der Digitale Hub Region Bonn ist im Westen Deutschlands die zentrale Anlaufstelle für digitale Start-ups sowie ein Know-how-Transferzentrum für innovative digitale Produkte/Geschäfte für Industrie und Mittelstand.“ Ein Jahr später lässt sich festhalten: Die Akteure sind eifrig dabei, die Vision in gelebte Realität zu überführen.

Doch klären wir kurz nochmal, was „Digital Hub“ eigentlich heißt und bedeutet. Bisher waren „Hubs“ ja vor allem aus der Luftfahrt bekannt. Gemeint ist ein Luftverkehrsdrehkreuz, ein Flughafen also, den Fluggesellschaften auserkoren haben, dort Flüge so zu bündeln, dass möglichst viele Menschen zwischen Kurz-, Mittel- und Langstrecke umsteigen können.

Bei der Luftfracht ist es nicht anders: So nutzt etwa UPS den Flughafen Köln/Bonn als Europa-Hub, als Verteilzentrum also für ein- und ausgehende Expressfracht aus und für Europa. Der englische Begriff „hub“ lässt sich zudem mit „Zentrum“, „Mittelpunkt“ und „Angelpunkt“ übersetzen, in der IT-Welt auch mit „Netzknoten“.

Und damit sind wir mittendrin: Als der Digital Hub Region Bonn um die Jahreswende 2016/2017 seine operative Arbeit aufnahm und wenige Monate später auch ganz offiziell startete, wollten die Initiatoren, dass sich Bonn zum Zentrum, Angelpunkt und Drehkreuz der Digitalisierung entwickelt.
„Nach einem Jahr ist klar: Der Hub hat sich für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis als Anlaufstelle für digitale Themen etabliert und ist in der gesamten Region aktiv“, freut sich Dr. Hubertus Hille. Hille ist nicht nur Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg, sondern auch Aufsichtsratsvorsitzender des Digital Hubs.

Die IHK zählt zu den Akteuren, die sich frühzeitig für die Errichtung eines regionalen Zentrums für die digitale Wirtschaft in NRW eingesetzt haben. Ihr Ziel war ein überzeugender Förderantrag an das Land NRW, das einen entsprechenden Wettbewerb ausgelobt hatte. Sollte die Bewerbung nicht erfolgreich sein, wünschte die Unternehmerschaft dennoch den Aufbau eines digitalen Hubs.

„Die IHK soll die Arbeiten zur Einrichtung eines digitalen Hubs in Bonn weiter vorantreiben“, beschlossen die Unternehmerinnen und Unternehmer im Juni 2016. Im November 2016 folgte der Beschluss der Vollversammlung, die IHK werde die Digital Hub Region Bonn AG durch eine Zuwendung in Höhe von jährlich 30.000 Euro für die Dauer von fünf Jahren fördern. Inzwischen war die Jury-Entscheidung gefallen: Bonn sollte einen Hub erhalten und entsprechend vom Land gefördert werden (s. Infokasten unten)

„Die IHK hält einen Ort, an dem sich Wissenschaftler und Studierende, Entrepreneure und Technologen, Start-ups und Investoren sowie die regionale Wirtschaft vernetzen können, der digitale Talente und Ideen anzieht und Innovationen, Unternehmertum und digitales Wissen fördert, für unverzichtbar“, unterstreicht Hille. Diesen Ort gibt es nun seit etwa anderthalb Jahren.

Entwicklungs- und Begegnungsstätte für Firmen, Start-ups, Hochschulen und Digitalexperten

Neben einer großen Vielfalt und hohen Anzahl an Veranstaltungen mit digitalen Fokus hat sich der Hub seitdem zur Entwicklungs- und Begegnungsstätte für digitale Start-ups, Unternehmen, Wissenschaft, Hochschulen und Forschungseinrichtungen entwickelt. Junge, digital-orientierte Start-ups und Gründungsinteressierte unterstützt der Hub als sogenannter Inkubator mit Finanzierung, Infrastruktur, Mentoring und Coaching sowie mit einem breiten Netzwerk an Investoren, Partnern, Unternehmen und wissenschaftlichen Institutionen.

Inzwischen durchlaufen bereits über 30 Start-ups ein „Accelerator Program“ genanntes Wachstumsprogramm. Die ersten Jungunternehmen sind bereits im Markt unterwegs. Zum Beispiel „Captain Immo“. Dahinter verbergen sich Tim Erdmann, Matthias Sell, Timothy Krechel sowie seit März Benedikt Schmeitz. Erdmann und Sell hatten sich während ihres Geografie-Studiums an der Uni Bonn kennengelernt. Im Rahmen ihrer gemeinsamen Bachelor-Arbeit hatten sie ein Konzept für eine auf einem Geoinformationssystem gestützte Wohnungssuche entwickelt.

Ermuntert durch ihren Professor, traten sie dann mit dem Digital Hub in Kontakt und stellten ihre Ideen vor. „Wir spürten schnell, dass das ein interessanter Ansatz für ein Geschäftsmodell war und boten den Absolventen Unterstützung an“, erzählt Markus Zink, Vorstandsvorsitzender der Digital Hub Region Bonn AG.

Captain Immo will die Immobiliensuche komplett umkrempeln. Der Ansatz: Am Beginn einer Suche steht künftig eine Karte. Die zeigt die aktuellen Wohnungsangebote aller Anbieter, die mit dem Jungunternehmen kooperieren, beispielsweise immobilienscout24 und immowelt. Nun können die Wohnungssuchenden filtern. Zum Beispiel nach Umgebungslärm. Und Schulen. Nach dem nächsten Rewe oder Edeka. Oder Biomärkten. Oder auch einem Pflegeheim in der Nähe, falls es darum geht, dort lebende Verwandte regelmäßig zu besuchen. Auch die exakte Entfernung zur Uni oder zum Arbeitsplatz – ob zu Fuß, per Rad, ÖPNV oder Pkw – kann mit wenigen Klicks ermittelt werden. Vielleicht ist ja ein Umzug zu zweit nach Bonn geplant, von wo aus ein Partner nach Köln, der andere in den Rhein-Sieg-Kreis pendelt.

Im Rahmen des „Accelerator“-Programms werden die Gründer gezielt unterstützt, erhalten Coachings und Netzwerkangebote. Zudem konnten sie als Ausgründung aus der Uni Bonn auch in den Genuss eines „Exist“-Gründerstipendiums kommen. Seit März ist das Angebot von Captain Immo nun online. Gleichzeitig nutzen die Nachwuchsunternehmer die kreative Atmosphäre im Digital Hub, um ihr Konzept zu erweitern. „Derzeit arbeiten wir an einer B-to-B-Lösung für Makler, die damit ihre Exposés durch Standortkarten und Umgebungsinformationen qualitativ deutlich aufwerten könnten“, erzählt Tim Erdmann.

Captain Immo ist eine von mehreren Beispielen für Start-ups der Uni Bonn im Digital Hub. Die Universität hat an dieser engen Verzahnung ein hohes Interesse. „Der Digital Hub Region Bonn ist ein großartiges Partizipationsprojekt aus Wirtschaft, Wissenschaft, Hochschulen und Start-ups“, erklärte kürzlich der Rektor der Universität Bonn und Vorsitzende des Advisory Boards des Digital Hub Region Bonn, Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch. „Der systematische Ausbau der bereits jetzt engen Verbindungen der Universität Bonn zur lokalen und regionalen Wirtschaft ist eines unserer wesentlichen strategischen Ziele. Beim Digital Hub, der durch das Land Nordrhein-Westfalen gefördert wird, zeigt sich beispielhaft, wie erfolgreich ein gemeinsames Engagement in starker Partnerschaft von Universität und Wirtschaft in und für die Region sein kann.“

 

Hunderte von Bewerbern, Tausende von Kontakten und Veranstaltungsteilnehmern

Ein Anlaufpunkt für die etablierten Unternehmen der Region zu sein, spielt für den Digital Hub eine ebenso zentrale Rolle. „Wir begleiten und unterstützen die digitale Transformation von Mittelstand und Konzernen“, unterstreicht Hub-Vorstand Zink, und bringen die Unternehmen dazu mit Experten und interessierten Start-ups zusammen.

Die GKN Powder Metallurgy aus Bad Godesberg hat beispielsweise frühzeitig den Kontakt zum Digital Hub gesucht. „Wir sind von der ersten Sekunde an begeistert, dass es eine regionale Anlaufstelle des Silicon Valley gibt“, lobt Guido Degen, Senior Vice President Additive Manufacturing and Business Development bei GKN. „Wir nutzen den Digital Hub für Workshops zu digitalen Technologien und Geschäftsmodellen – zum Beispiel, um mit Sprachinteraktion und Blockchain Geschäftsprozesse zu beschleunigen.“

Auch als Innovationswerkstatt, um Ideen für neue Geschäftsmodelle zu evaluieren, schätzt Degen den Hub. „Außerdem haben wir über das Netzwerk bei diversen Veranstaltungen tolle Start-ups und auch andere Unternehmen aus der Region kennengelernt, mit denen sich gemeinsam digitale Innovationen gestalten und Kräfte bündeln lassen.“

Veranstaltungen sind ein wichtiges Stichwort: Vor wenigen Tagen fand der zweite „Summer Slam“ statt, der Hunderte von Interessenten in den Digital Hub lockte. Zahlreiche weitere Netzwerkveranstaltungen sorgen dafür, dass sich möglichst viele Akteure kennenlernen und über die rasanten Entwicklungen der Digitalisierung informieren und austauschen können.

Zur Halbzeit zeigen sich CEO Zink und Aufsichtsratschef Hille zufrieden und optimistisch. „Der Hub konnte alle bisherigen Ziele erreichen und ist dabei, sich zu etablieren“, betont Hille, „die Akzeptanz in Wirtschaft und Politik ist groß.“ Zink ergänzt: „Wir gehen davon aus, dass das Land NRW die Förderung nach Ablauf der Dreijahresperiode Ende 2019 um weitere zwei Jahre verlängern wird, die Signale, die wir aus Düsseldorf erhalten, sind positiv.“

Das vielleicht wichtigste Signal kommt aus der Region selbst. „Die Unternehmen melden sich aktiv bei uns und suchen den Austausch zu Themen der Digitalisierung“, beobachtet Zink, „das zeigt uns, dass wir als digitales Kompetenzzentrum angekommen sind.“

Lothar Schmitz, freier Wirtschaftsjournalist, Bonn

Digital Hub Region Bonn

Bonn war einer der sechs Sieger des Wettbewerbs zur Auswahl der regionalen Zentren für die digitale Wirtschaft in NRW. In Bonn entstand deshalb – wie auch in Aachen, Düsseldorf, Köln, Münster und dem Ruhrgebiet – ein so genanntes „DWNRW-Hub“ („DWNRW“ steht für Digitale Wirtschaft Nordrhein-Westfalen), gefördert vom Land NRW. Für die sechs Hubs stellte das Land insgesamt 12,5 Millionen Euro Anschubfinanzierung bereit.

Besonderheit in Bonn: Der hiesige Hub hat die Rechtsform einer (nicht börsennotierten) AG. Er erhielt 1,24 Millionen Euro Förderung für die Anlaufphase in den ersten drei Jahren, das gezeichnete Eigenkapital beträgt rund 2,5 Millionen Euro, welche aus den Einlagen der rund 40 Aktionäre bestehen.

Zu den Unterstützern und Mitwirkenden zählen die Stadt Bonn, der Rhein-Sieg-Kreis, die Hochschulen in Bonn und Rhein-Sieg, die IHK Bonn/Rhein-Sieg sowie die als Aktionäre aktiven Unternehmen – von Dax-Konzernen bis zu Mittelständlern und Jungunternehmen.

Informationen und Kontakt für Mittelständler und andere Interessierte: Digitaler Hub Region Bonn AG, Rheinwerkallee 6, 53227 Bonn, Tel. 0228 4334-2600, hello(at)digitalhub.de, www.digitalhub.de

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