IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


„Als Unternehmer muss man sich einfach vernetzen“

Interview mit Stefan Hagen, Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg

Stefan Hagen, Praesident der IHK Bonn-Rhein-SiegStefan Hagen ist ein Netzwerker aus Leidenschaft. Der Geschäftsführer der Hagen Consulting & Training GmbH und der DeHa Nachfolgeberatung GmbH in Siegburg engagiert sich in einer Reihe von Netzwerken. Nicht nur als IHK-Präsident und Vorstandsvorsitzender der Dr. Reinold Hagen Stiftung. Sondern zum Beispiel auch im Beirat der AiF – Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“, im Verwaltungsrat der Universitätsgesellschaft Bonn oder im Internationalen Club La Redoute Bonn e.V. Sein Ansporn: etwas bewegen, mitgestalten und wertvolle Kontakte sammeln.

„Die Wirtschaft“:
Herr Hagen, bitte denken Sie an die Anfänge Ihres IHK-Engagements zurück: Weshalb haben Sie sich für ein ehrenamtliches Mitwirken im Rahmen der IHK entschlossen und sich als Kandidat für die Vollversammlung aufstellen lassen?

Stefan Hagen: Ich war von jeher stark mit der IHK verdrahtet, unter anderem über das Engagement der Hagen-Stiftung in der überbetrieblichen Ausbildung. Vor etwa zwölf Jahren wurde ich angesprochen, ob ich für die Vollversammlung kandidieren wolle. Das habe ich dann – zusammen übrigens mit einem ganzen Schwung weiterer Unternehmer ähnlichen Alters – getan. Ich war also bereits informell vernetzt – und wollte das um ein wichtiges formales Ehrenamt erweitern. Denn ich finde: Als Unternehmer muss man sich einfach vernetzen!

Wie meinen Sie das?

Das Potenzial, dass jedes Unternehmen für sich allein heben kann, ist endlich. Gerade in der Zusammenarbeit mit anderen stecken jedoch viele Synergien! Und die Chance, etwas zu verändern! Was kann eine Unternehmerin oder ein Unternehmer in der IHK-Vollversammlung – und in anderen IHK-Gremien – bewirken? Dieses Ehrenamt bietet große Gestaltungsmöglichkeiten. Die Vollversammlung ist das oberste  Organ der IHK, ihre Mitglieder legen beispielsweise die Leitlinien und Schwerpunkte der Arbeit ihrer IHK fest.

Ein Beispiel: Verkehr und Infrastruktur sind für die Region elementare Themen. Die IHK hat sich dazu in den vergangenen Jahren immer wieder zu Wort gemeldet und viel erreicht. Dieses Engagement – wie auch das übrige – fand stets in enger Abstimmung zwischen Haupt- und Ehrenamt statt, wir Unternehmer können also direkt Einfluss nehmen.

Sie investieren viel Zeit in Ihre Ehrenämter. Welchen Gewinn ziehen Sie denn aus Ihrem Engagement?

Gewinn würde ich das nicht nennen. Das erste Gefühl, wenn man gefragt wird, ob man ein Ehrenamt übernehmen wolle, ist: Es ist eine Ehre! Sodann empfinde ich jedes Ehrenamt als ganz persönliche Bereicherung. Aber auch als Verpflichtung: Ich habe den Anspruch, ein Ehrenamt auch vernünftig in die Tat umzusetzen, mich einzubringen. Wenn Sie das tun, profitieren Sie wiederum enorm, zum Beispiel durch wertvolle Kontakte zu vielen anderen engagierten Menschen. Zudem – ich sagte es schon – bieten mir meine Ehrenämter die Gelegenheit, Wirtschaft und Gesellschaft mitzugestalten!

Neben den Gremien gibt es zahlreiche weitere Netzwerke, die von der IHK ins Leben gerufen wurden oder die sie unterstützt. Weshalb regt die IHK immer wieder Netzwerke an und fördert deren Arbeit?

Wir sind eine Volkswirtschaft ohne Rohstoffe und ein Hochlohnland. Die Optimierungsmöglichkeiten innerhalb des einzelnen Unternehmens sind schlicht und ergreifend begrenzt. Zusätzliche Effizienzgewinne sind dann nur noch möglich, wenn man sich in Netzwerken zusammenschließt.

Die IHK übernimmt es gerne, solche Netzwerke ins Leben zu rufen und eine Zeitlang personell und gegebenenfalls finanziell zu unterstützen. Langfristig müssen sie sich aber natürlich selbst tragen und selbst führen. Beispiel Digital Hub: Die IHK hat ihn mit angestoßen und engagiert sich drei Jahre lang. Danach muss es auch ohne aktives Zutun der IHK laufen.

Die IHK ist ihrerseits Teil zahlreicher Netzwerke, in der Region ebenso wie auf Landes- und Bundesebene. Weshalb?

Erstens ist es der gesetzliche Auftrag der Industrie- und Handelskammern. Politikberatung zählt zu den zentralen Aufgaben jeder IHK. Wir stehen der regionalen Politik zur Seite, bringen die Sichtweise der Wirtschaft zu Gehör und geben Impulse. Das geht natürlich nur, wenn wir mit am Tisch sitzen.

So wie die Unternehmerinnen und Unternehmer in den IHK-Gremien und Netzwerken mit am Tisch sitzen, sitzt die IHK ihrerseits in wichtigen Netzwerken der Region mit am Tisch und verschafft der Wirtschaft die nötige Aufmerksamkeit. Wir repräsentieren dort jeweils die Gesamtheit der regionalen Wirtschaft und sprechen daher mit starker Stimme!

Eine letzte Frage: Weshalb sollten sich Unternehmen in IHK-Netzwerken engagieren?

Um genau das zu tun, was ich als größte persönliche und unternehmerische Bereicherung empfinde: interessante, engagierte Menschen kennenzulernen und mit ihnen gemeinsam etwas zu bewegen. Für die Region. Und damit immer zugleich auch fürs eigene Unternehmen. Etwas bewegen und gestalten kann ich aber nicht, wenn ich „draußen“ bleibe, am Rand stehe. Ich muss sozusagen „mittendrin stehen“ und konstruktiv mitarbeiten. Deshalb: Engagieren Sie sich, liebe Unternehmerinnen und Unternehmer!

Das Interview führte Lothar Schmitz, Wirtschaftsjournalist, Bonn

Die Wirtschaft

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