IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


30 Jahre Qualifizierung von Fachkräften

IHK-Weiterbildungsgesellschaft

30 Jahre IHK-Weiterbildungsgesellschaft„Die Wirtschaftsstrukturanalyse stellt für diese Region einen Fachkräftemangel fest, der für die Unternehmen ein Wachstumshemmnis darstellt.“ Dieser Satz ist nicht nur sperrig, er ist auch brandaktuell. Dennoch ist er 30 Jahre alt. Er stammt aus einer Rede von Dr. Achim Heumann, von 1978 bis 1994 Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Bei der Eröffnung des IHK-Bildungszentrums im November 1988 beschwor Heumann die Unternehmen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Es sei eine existentielle Aufgabe, die eigenen Mitarbeiter zu qualifizieren und für die steigenden Anforderungen fit zu machen. Mit der neuen IHK-Weiterbildungsgesellschaft erhielten sie die Chance dazu.

Von Internet, Digitalisierung und Industrie 4.0 sprach damals noch niemand. Doch die digitale Revolution zeichnete sich ab. Der PC hatte seinen Siegeszug durch Büros, Kundencenter, Lager und Produktionshallen begonnen. Dort stand er nun, der graue Kasten mit lauter Kabeln und einer Tastatur, die komplizierter war als eine Schreibmaschine. Wer konnte damit umgehen?

Die IHK-Weiterbildungsgesellschaft reagierte mit EDV-Kursen. Damals noch im Brückenforum schulte sie über Jahre vor allem auch Frauen, darunter viele Berufsrückkehrerinnen. Sie lernten als erste die Geheimnisse des „Keyboards“ kennen, wussten mit Word und Excel umzugehen und konnten vom PC aus Faxe versenden. Sie waren fit für Büro und Office. Wahnsinn! Mit diesen Kenntnissen waren sie auf der Überholspur.

Viele Bildungswege führen zum Ziel

Nun wird die Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn/Rhein-Sieg gGmbH 30 Jahre alt. „Wir feiern unter dem Motto ‚30 Jahre Qualifizierungsvielfalt im Dienste der Wirtschaft und der Menschen’. Denn von einer guten Qualifizierung profitieren immer zwei: Das Unternehmen und der Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Otto Brandenburg.

Während das Unternehmen jemanden gewinne, der Verantwortung übernehmen kann, böten sich dem Mitarbeiter Aufstiegschancen und eine bessere Vergütung. So hat das Internetportal Gehalt.de errechnet, dass Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung in Deutschland im Durchschnitt 37.132 Euro pro Jahr verdienen. Wer im Anschluss eine Weiterbildung zum Meister oder Fachwirt absolviert, verdient 45.890 Euro.

Die Weiterbildungsgesellschaft bietet den Teilnehmern mit ihren Seminaren und Lehrgängen unterschiedliche Bildungswege:

  1. Die höhere berufliche Bildung mit Zeugnissen, die mit akademischen Bachelor- und Master-Abschlüssen gleichwertig sind, wie z.B. Gepr. Handelsfachwirt/-in oder Gepr. Betriebswirt/-in.
  2. Seminare und Lehrgänge mit IHK-Zertifikat helfen, angemessen auf die sich ändernde Arbeitswelt zu reagieren. Aktuell sind dies z.B. zum CSR-, Online-Marketing- oder Social Media-Manager.
  3. Gibt es für ein Berufsfeld weder Aus- noch Fortbildungsabschlüsse, sind eigens dafür entwickelte Zertifikatslehrgänge möglich. So entstand mit dem Unternehmen Tee Gschwendner der TeeSommelier®. Die Teilnehmer der weltweit einzigartigen Weiterbildung erhalten Wissen über Anbau, Zubereitung und Verkauf von Tee.
  4. Einzelne Unternehmen können die Entwicklung von IHK-Praxistrainings in Auftrag geben. Hier lernen und üben Teilnehmer die beruflich relevanten Inhalte direkt am Arbeitsplatz. Ähnlich wie bei der dualen Ausbildung sind Theorie und Praxis eng vernetzt. Beispiele sind etwa der/ die Fachmann/frau Empfang und Sicherheit sowie die Fachkraft für Obst und Gemüse im Lebensmitteleinzelhandel.

„Wenn Betriebe es wünschen, entwickeln wir mit ihnen gemeinsam ein ganz auf sie zugeschnittenes Qualifizierungskonzept – sei es ein Telefontraining, eine Führungskräfteschulung oder der Umgang mit einer speziellen Software“, sagt Brandenburg. Von den IHK-Weiterbildungsgesellschaften in Deutschland sei die in Bonn/Rhein-Sieg eine der aktivsten bei der Entwicklung neuer Konzepte.

Neue Ansprüche und Lernformen

Im IHK-Bildungszentrum, das seit 2006 seinen Sitz in Bonn-Holzlar hat, standen bisher die kaufmännischen Qualifizierungen im Mittelpunkt. Im vergangenen April übernahm die IHK-Weiterbildungsgesellschaft die überbetriebliche Ausbildungswerkstatt der Dr. Reinold Hagen Stiftung. Deshalb kommen nun gewerblich-technische Angebote hinzu.

Auch die Ansprüche der Teilnehmer ändern sich. Sie wünschen unterschiedlichste Lernformen. Zwar hat sich inzwischen herauskristallisiert, dass E-Learning den Präsenzunterricht nicht komplett ersetzen kann. Dennoch nehmen Online-Formen zu. „Die Zahl der Webinare wird steigen“, sagt Brandenburg. „Die Teilnehmer möchten sich von zuhause oder aus dem Büro mit dem Dozenten verständigen.“

Für die Bildungsanbieter sei es nicht einfach, sich auf das individualisierte Lernen einzustellen. Denn jeder Teilnehmer sei ein anderer Lerntyp. Auch Vorwissen und Prüfungsvorbereitung seien unterschiedlich. „Wir können nicht jedem einzelnen ein eigenes Programm bieten. Doch durch eLearning-Module und neue, digitale Lernformen kann jeder Teilnehmer seinen optimalen Weiterbildungsweg finden“, meint Brandenburg.

Die IHK-Weiterbildungsgesellschaft trat vor 30 Jahren an, um eine Qualifizierungslücke zu schließen. Sie wollte Unternehmen beim Aufbau von Fachkräften unterstützen. Heute ist ihr Ansatz aktueller denn je.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Weitere Weiterbildungsträger

LerNet: Bildungsberatung in der Region Bonn/Rhein-Sieg
LerNet Bonn/Rhein-Sieg e. V. wurde im März 2003 als regionales Netzwerk und Ansprechpartner für Weiterbildungsträger, Betriebe und Beschäftigte gegründet, die sich kostenlos und neutral über Angebote und Finanzierungsmöglichkeiten der beruflichen Bildung, der Aus- und Weiterbildung sowie der Qualifizierung informieren möchten. Die Vereinsmitglieder setzen sich für eine bessere Vernetzung der vielzähligen Bildungsträger in der Region ein und fördern so einen regelmäßigen Austausch zu aktuellen Themen im Bereich der beruflichen Bildung.

LerNet Bonn/Rhein-Sieg e.V. ist eine autorisierte Beratungsstelle für
•    den Bildungsscheck und die Bildungsprämie,
•    die Beratung für berufliche Entwicklung (BBE)
•    sowie die Beratung zur Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse.
LerNet Bonn/Rhein-Sieg e.V.
Telefon 0228 96968760
E-Mail: beratung(at)lernet.de
www.lernet.de

Gemeinschaftslehrwerkstatt Siegburg
Die Werkstatt ist ein Fortbildungszentrum für den Bezirk der IHK Bonn/Rhein-Sieg für Metall- und Elektroberufe. Die Gemeinschaftslehrwerkstatt (GLW) ist eine überbetriebliche Ausbildungsstätte, deren Ziel darin besteht, jungen Menschen eine konsequente und technisch gute Ausbildung zu bieten.

Zur Unterstützung der Ausbildungsbetriebe hat die GLW ihr eigenes Ausbildungskonzept entwickelt, orientiert an den Ausbildungsrahmenplänen. Diese werden jedoch so umgesetzt, dass den Auszubildenden in der kurzen Zeit der Lehrgänge alle nötigen Kenntnisse einfach, schnell und effizient vermittelt werden. Dies gilt sowohl für die Ausbildungsinhalte als auch für die methodischen Unterweisungen. Die praktischen Tätigkeiten werden so betriebsnah wie möglich gestaltet.

Telefon 02241 61778,
E-Mail: info(at)glw-ihk.de
www.glw-ihk.de

Industriemeisterschule Troisdorf - Zweckverband der Industrie- und Handelskammer Bonn und der Stadt Troisdorf
Die Industriemeisterschule Troisdorf ist ein Zweckverband, welcher von der IHK Bonn/Rhein-Sieg und der Stadt Troisdorf getragen wird. Bereits seit dem Jahre 1949 führt die IHK Bonn Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Industriemeisterprüfung durch. Seit dem Jahre 1965 werden die Lehrgänge vom Zweckverband getragen.

In Ergänzung der Teilzeitlehrgänge, die an Abenden und Samstagen abgehalten werden, hat der Zweckverband im Jahre 1973 Vollzeitlehrgänge für die Fachrichtung Metall eingerichtet. Seit 2017 gibt es den Vollzeitlehrgang auch für die Fachrichtung Kunststoff und Kautschuk. Seit 1989 werden Teilzeitlehrgänge für schichtgebundene Teilnehmer durchgeführt.

Telefon 02241 409493,
E-Mail: aschwerin(at)ims-troisdorf.de
www.ims-troisdorf.de

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