IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


CSR-Kompetenzzentrum Rheinland: Brückenschlag zur nachhaltigen Wirtschaft

Menschen bilden und beraten/Teil 15

Linkes Bild: Mirjam Gawellek (l.) und Sabina Stüber (r.) mit Prof. Dr. Ralf Pude; rechtes Bild: CSR-Koordinator Michael Pieck (r.) ernennt Stephan Multhaupt zum CSR-Botschafter
Nachhaltig wirtschaften, faire Arbeitsbedingungen schaffen und sozial handeln - das sind Kernpunkte gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen (corporate social responsibility - CSR). Richtig angewendet führt CSR zu Wettbewerbsvorteilen. Wie das geht? Das weiß das CSR-Team der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Wir haben Mirjam Gawellek, Sabina Stüber und Michael Pieck zu einem CSR-Frühstück zum Thema nachwachsende Rohstoffe begleitet.

Mirjam Gawellek hält zwei handelsübliche Obstkisten hoch - eine aus Kunststoff, die andere aus Pappe. "Stellen Sie sich vor, Sie seien Nachhaltigkeitsmanager eines großen Handelskonzerns. Für welche Kiste würden Sie sich entscheiden?", fragt sie in die Runde. Die 25 Teilnehmer des CSR-Frühstücks zum Thema "Vom Gras zur Verpackung - Wettbewerbsvorteile durch höherwertige Wertschöpfungsketten" wägen ab. Bei Kaffee, Saft und Brötchen erfahren sie Neues zu umweltfreundlichen Lieferketten. Gastgeber ist in Rheinbach der Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn.

Gawellek informiert, dass die Kunststoffkiste auf Erdöl basiert, zwischen Feldern, Plantagen und Handel in ganz Europa hin und her wandert, in Waschcentern chemisch gereinigt wird und ein Mehrwegleben von fünf bis sieben Jahren führt. Die Pappkiste hingegen besteht zu 80 Prozent aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, zu 20 Prozent aus Altpapier. Sie ist leicht, das spart Benzinkosten beim Transport. Einmal verwendet, wird sie recycelt.

Das Publikum gibt der Kunststoffkiste den Vorzug. Allerdings nicht widerspruchslos: "Wir verwenden in unserem Unternehmen am liebsten Kartons. Das Kunststoffsystem ist für uns viel zu aufwendig. Außerdem kosten die Kisten viel Geld und binden Kapital", gibt Monika Rönn vom Obsthof Rönn aus Meckenheim zu Bedenken.

Riesiger Informationsbedarf bei den Unternehmen

Neue Denkansätze, lebendige Diskussionen, Impulse für ein anderes unternehmerisches Handeln - das schaffen die Veranstaltungen des CSR-Kompetenzzentrums Rheinland. "Wir vernetzen Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs und Bürger. In der Region Köln- Bonn-Aachen sind wir zu einer wichtigen Schnittstelle geworden", sagt Sabina Stüber, von Haus aus Betriebswirtin.

Ihre Kollegin Mirjam Gawellek, ebenfalls Betriebswirtin und außerdem CSR-Managerin, ergänzt: "Das Thema hat inzwischen richtig Fahrt aufgenommen. Der Informationsbedarf bei den Unternehmen ist riesig. Wir haben nicht nur Anfragen aus dem Rheinland, sondern zuletzt auch aus Stuttgart und Erfurt."

Team des CSR-Kompetenzzentrums Rheinland mit Bundespräsident Frank-Walter SteinmeierDas Team des CSR-Kompetenzzentrums Rheinland präsentierte sich am Tag der offenen Tür in der Villa Hammerschmidt und wurde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht.

Um den nachhaltigen Gedanken in die Wirtschaft zu tragen, ernennt das CSR-Kompetenzzentrum Rheinland CSR-Botschafter. "Es handelt sich um Unternehmerinnen und Unternehmer, die bereits gesellschaftliche Verantwortung übernommen haben und zu diesem Thema Ansprechpartner sind", sagt Michael Pieck, Pressesprecher der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

Nachhaltige Kreislauf-Wirtschaft

Wie wichtig das Vernetzen von Wirtschaft und Wissenschaft ist, zeigt Prof. Dr. Ralf Pude bei diesem CSR-Frühstück. Er ist Geschäftsführer der Außenlabore der Universität Bonn in Klein Altendorf. Der ehemalige Gutshof, auf dem einmal 600 Schweine gemästet wurden, ist heute das Versuchsgut für Pflanzen der Universität.

Pude erläutert, dass nachwachsende Rohstoffe viel zu schade seien, um sie als Biomasse zu verheizen, ohne sie zuvor anderweitig genutzt zu haben. Ein höherer Mehrwert entstehe, wenn eine Pflanze zunächst als Tiereinstreu oder im Gewächshaus als Torfersatz genutzt werde. Erst danach könne sie verbrannt werden, um ihre Asche anschließend als Dünger zu nutzen und auf diese Art in den Kreislauf zurückzugeben.

Der Leiter des Forschungsbereichs Nachwachsende Rohstoffe liefert zahlreiche Beispiele von Pflanzen, die als Baustoff, für die Verpackung oder als Substrat für die Landwirtschaft genutzt werden könnten. Diese Produkte marktfähig zu machen, sei jedoch ein langer Weg. Zulassungen und Zertifizierungen seien notwendig, der Technologietransfer von der Universität in die Unternehmen nicht ohne bürokratische Hürden.

Doch es bewegt sich was. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ließ sich beim Sommerfest der Universität Bonn an der Villa Hammerschmidt von Pude und dem CSR-Kompetenzzentrum Rheinland über nachhaltige Rohstoffe aufklären. Kein Zweifel: Das Interesse ist riesig.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Unternehmerische Verantwortung für die Gesellschaft

Das CSR-Kompetenzzentrum Rheinland geht auf eine Initiative der IHK Bonn/Rhein-Sieg und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zurück. Es wird noch bis Ende 2018 aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.

Es lädt kleine und mittlere Unternehmen regelmäßig zu Veranstaltungen ein. Dazu gehören die CSR-Freitagswerkstatt, -Workshops und -Frühstücke. Ziel ist, Unternehmen, Wissenschaftler, NGOs und Bürger zu den vier Handlungsfeldern Markt, Mitarbeiter/Arbeitsplatz, Umwelt und Gemeinwesen zu informieren und zu vernetzen.

Kommende Veranstaltungen:
- CSR Workshop: Partizipation von Mitarbeitenden - ein Beitrag zur Stärkung der Unternehmenskultur, Dienstag, 30. Oktober 2018, 13:30 - 18:00 Uhr in den Räumen des Autozulieferbetriebs DSG-Canusa in Rheinbach.

- CSR Frühstück: Strategische Umsetzung von CSR im Unternehmen und die Kommunikation nach innen und außen,
Mittwoch, 14. November 2018, um 8:00 - 10:00 Uhr bei Carglass, Godorfer Hauptstr. 175 in Köln.

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