IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


CSR-Tagung 2018 – Chancen, Strategie, Region

Kleine Unternehmen können geringen Mitteln, Herz und etwas Zeit viel bewegen

CSR-Tagung 2018 "In unserer vernetzten globalen Welt reicht das Bild vom ehrbaren Kaufmann nicht mehr. Um eine CSR-Strategie (Corporate Social Responsibility) zu planen und umzusetzen, sind Spezialisten nötig, die ein Unternehmen ganzheitlich betrachten. Sie müssen auch Kunden, Zulieferer, Bewerber und die Politik in ihre Strategie einbeziehen." Pamela Krosta-Hartl, Director Corporate Communications & Affairs der LANCOM Systems GmbH, spricht aus Erfahrung. LANCOM Systems entwickelt Netzwerklösungen für Geschäftskunden und die öffentliche Hand. Gesellschaftliche Verantwortung übernimmt das Unternehmen mit 350 Mitarbeitern z.B. bei der Datensicherheit. "Es gibt zahlreiche Datenschnittstellen. Wir fragen uns, wie sorgfältig unsere Kunden mit Daten umgehen."

Die IT-Sicherheit sei nicht das einzige gesellschaftliche Thema, bei dem Verantwortung zu übernehmen sei: "CSR ist ein Querschnittsthema, das unser gesamtes Unternehmen betrifft, weltweit. Bei den Wertschöpfungsketten geht es z.B. um den Umgang mit seltenen Erden und Menschenrechten."

Krosta-Hartl stellt ihr Unternehmen bei der CSR-Tagung im September 2018 des CSR-Kompetenzzentrums Rheinland vor. "Chancen, Strategie, Region" ist der Titel, zu dem zahlreiche Interessierte aus Unternehmen, Hochschulen und Nichtregierungsorganisationen gekommen sind. Im gut besetzten Hörsaal am Campus Rheinbach der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg folgen sie einer Diskussion über die Chancen, die für regionale, kleine und mittlere Unternehmen in CSR-Strategien stecken.

Empfindliche Strafe für das Schlitzohr

Dr. Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/ Rhein-Sieg, erinnert ebenfalls an den ehrbaren Kauf- mann, der sein Unternehmen mit Sitte und Anstand führt. Hille blickt noch weiter zurück: "Schon die Zünfte im Mittelalter kannten strenge Regeln, wie Kaufleute und Handwerker sich zu verhalten hatten." Wer sich nicht an die Regeln hielt, musste mit empfindlichen Strafen rechnen. Unehrlichen Zimmerleuten sei der Ohrring aus dem Ohr gezogen worden - daher der Begriff des Schlitzohrs.

In die heutige Zeit übertragen vermittle das Bild vom ehrbaren Kaufmann, dass Unternehmen gesellschaftliche Aufgaben haben: "Das Gewinnstreben soll nicht über allem stehen. Wichtig sind stattdessen u.a. Sozialstandards, nicht nur in Entwicklungsländern, die Integration von Flüchtlingen sowie das Hinterlassen einer sauberen Umwelt."

Allerdings hält der IHK-Hauptgeschäftsführer nichts davon, unternehmerische Verantwortung durch Vorschriften zu erzwingen. Die IHK setze auf Freiwilligkeit: "Es gibt zu viel staatliche Regulierung. Die EU-Datenschutzgrundverordnung ist ein abschreckendes Beispiel."

Wie engagiert kleine Unternehmen ganz ohne Vorschriften handeln können, schildert Severine Profitlich, Inhaberin der Profitlich & Co. Immobilien KG. Sichtlich bewegt erzählt sie von einem 16-jährigen Migranten, der in ihrem Unternehmen eine Einstiegsqualifizierung absolvierte. Profitlich gab dem jungen Mann eine Chance, nun erzählt er stolz und selbstbewusst von seiner Arbeit.

Severine Profitlich, Prof. Dr. Iris Groß, Pamela Krosta-Hartl,Ina Enseroth  und Dr. Hubertus Hille sprachen auf der CSR-Tagung 2018. (v.l.)Severine Profitlich, Prof. Dr. Iris Groß, Pamela Krosta-Hartl, Ina Enseroth und Dr. Hubertus Hille sprachen auf der CSR-Tagung 2018. (v.l.)

Profitlich setzt Ethik in den Mittelpunkt ihrer CSR-Strategie. Als Mutter von zwei kleinen Söhnen möchte sie Werte vermitteln. In ihrer Rolle als CSR-Botschafterin der IHK Bonn/Rhein-Sieg trägt sie diese Werte in andere Unternehmen. Sie ist überzeugt: "Kleine Unternehmen können mit wenig Geld, viel Herz und ein bisschen Zeit viel bewegen." (http://csr-kompetenzzentrum. de/csr-botschafter)

Wie wichtig CSR-Maßnahmen für das Image von Unternehmen sind, zeigt sich bei der Suche nach jungen Fachkräften. Während der Tagung schildern viele Teilnehmer, dass Bewerber sich ihren zukünftigen Arbeitgeber nach Nachhaltigkeitsgesichtspunkten aussuchen. "Junge Menschen suchen nach einem Sinn in ihrer Arbeit", sagt Prof. Dr. Iris Groß, Vizepräsidentin der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Auch die Zahl der Abschlussarbeiten zum Thema CSR steige. Als die Hochschule den Bachelorstudiengang "Nachhaltige Sozialpolitik" einrichtete, fragte das Präsidium sich, ob das Thema bei jungen Männern und Frauen überhaupt auf Interesse stoße. "Wir richteten 60 Studienplätze ein", sagt Groß. "Es kamen 300."

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

CSR-Preis für Kinderhilfsprojekte in aller Welt

Die "Dialego Foundation for Children" hat den Preis des CSR-Kompetenzzentrum Rheinland gewonnen. Die Stiftung der Marktforschungsagentur Dialego AG fördert bereits seit 2007 regionale und internationale Hilfsprojekte für Kinder. Sie ermöglichte z.B. den Bau eines Schulbrunnens an einer Schule in Kamerun sowie Dorfgärten in Burkina Faso. Außerdem hat die Stiftung weltweit mehrere Patenkinder.

Kunden der Dialego AG können sich über den Kauf von Postkarten und Büchern an den Projekten beteiligen. In einem Online-Voting entschieden über 3.000 Teilnehmer sich mehrheitlich für die "Dialego Foundation for Children" als Gewinner des CSR-Preises. Ebenfalls nominiert waren die Bonner Tafel e.V., Urlaubskinder e.V. sowie die synaix Gesellschaft für angewandte Informations-Technologien mbH, die sich für faire digitale Geschäftsmodelle einsetzt.

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