IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Das Ehrenamt bei der IHK

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Das Ehrenamt bei der IHKÜber 2.200 Personen engagieren sich ehrenamtlich bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg – vom Präsidenten bis zur Ausbildungsbotschafterin. Was treibt diese Menschen an? Wofür setzen sie sich ein? Zeit, ihr Engagement zu würdigen!

„Man darf nur meckern, wenn man sich selbst engagiert.“ Kurz und bündig begründet Ruth Maria van den Elzen, Direktorin des Hotels Collegium Leoninum und Prokuristin der Nova Vita Residenz Bonn GmbH, ihr ehrenamtliches Engagement bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg. „Es ist sinnlos darauf zu warten, dass die Dinge passieren. Man muss sie selbst in die Hand nehmen und Entscheidungen treffen.“

Zu den Themen Fachkräftemangel und Fachkräftesicherung gibt es eine ganze Menge, das van den Elzen ändern möchte: „Es ist unklug, jungen Menschen mit geringen Deutschkenntnissen einen Ausbildungsplatz im Hotel oder Restaurant zu geben. Denn es ist von Anfang an klar, dass sie weder dem Unterricht am Berufskolleg folgen noch die Prüfungen bestehen können.“

Ihr Lösungsvorschlag: Die sechs- bis zwölfmonatige Einstiegsqualifizierung, die einer Ausbildung vorgeschaltet werden kann, solle gestärkt werden. Auch sollten die IHK-Ausbildungsberater die Ausbildungsbetriebe tatsächlich intensiver und mindestens einmal pro Jahr beraten können.

Um die berufliche Bildung voranzubringen, engagiert sich van den Elzen in mehreren Ehrenämtern. Ihre Amtsperiode als Mitglied der IHK-Vollversammlung (VV) begann am 1. Januar 2017, sie wurde zur Vizepräsidentin (sieben Vizepräsidenten/innen) gewählt. Ferner ist sie stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Fachkräfte und Arbeitsmarktpolitik sowie des Ausschusses für Kultur und Tourismus. Weitere Ehrenämter in der Hotel- und Gaststättenbranche kommen hinzu.

Jeder Unternehmer kann mitgestalten

„Wer ein Ehrenamt ausübt, trägt dazu bei, dass der Wirtschaftsstandort Bonn/Rhein-Sieg prosperiert. Jeder, der sich engagiert, ist für die IHK-Organisation von unschätzbarem Wert“, sagt Stefan Hagen. Als Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg bekleidet er das höchste Ehrenamt einer IHK.

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, sich für die regionale Wirtschaft einzusetzen: In der Vollversammlung und ihrem Präsidium, in den Ausschüssen, Arbeitskreisen und Foren, als Prüfer, Schlichter oder Ausbildungsbotschafter.

„Die IHK ist eine Mitmachorganisation, sie lebt vom Ehrenamt“, sagt Dr. Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg. „Die Selbstverwaltung der Wirtschaft ist ein außergewöhnliches Geschenk vom Staat. Jeder Unternehmer kann sich einbringen, mitbestimmen und gestalten.“

So entscheiden die Mitgliedsunternehmen über den Haushalt der Kammer. Erst im vergangenen November senkte die Vollversammlung – das oberste Entscheidungsorgan – die IHK-Mitgliedsbeiträge.
Haupt- und Ehrenamt arbeiten bei der IHK Hand in Hand. Wie das funktioniert, zeigt das duale Ausbildungssystem.

„Unsere hauptamtlichen Mitarbeiter tragen die Ausbildungsverhältnisse ein, beraten die Ausbildungsunternehmen und organisieren die Prüfungen. Am Tag der Prüfung sind es jedoch Ehrenamtliche, die den Prüflingen auf den Zahn fühlen“, erläutert Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung die IHK Bonn/Rhein-Sieg.

So bilden die ehrenamtlichen Prüfer, die sich für die Ausbildung von Fachkräften einsetzen, eine tragende Säule des dualen Ausbildungssystems. Allein bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg sind insgesamt 983 Prüfer in 157 Prüfungsausschüssen aktiv. Sie leisten pro Jahr über 30.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit für die regionale Wirtschaft.

Ausbildungsniveau soll steigen

Einer von ihnen ist Peter Gelhausen. Der Hotelbetriebswirt ist Reservierungsleiter im Hotel Collegium Leoninum. „Ich finde es schön, junge Menschen auf dem Weg in den Beruf zu begleiten“, sagt er. Und noch etwas motiviert ihn, im Hotelfach zu prüfen: „Das Leistungsniveau sinkt. Dem haben sich die Prüfungen angepasst. Mein Ziel ist, dieses Niveau wieder zu heben. Das kann ich nur tun, wenn ich mich selbst engagiere.“ So sei die praktische Prüfung heutzutage manchmal sehr einfach. „Es sollen zwar keine Direktoren geprüft werden, aber doch Fachkräfte. Daher muss das Ziel sein, Prüfungen langfristig wieder anspruchsvoller zu gestalten“, sagt Gelhausen.  

Hotelbetriebswirt Peter GelhausenDer Hotelbetriebswirt Peter Gelhausen ist Reservierungsleiter im Hotel Collegium Leoninum.

Er untermauert, dass er allen Prüflingen wünscht, sowohl Zwischen- als auch Abschlussprüfung zu bestehen. Doch könne eine schwierigere Prüfung auch das Niveau der Ausbildung heben. Für alle Azubis, die mit dem Lernen Schwierigkeiten haben, gebe es z.B. „ausbildungsbegleitende Hilfen“ (abH) wie Nachhilfe oder Sprachförderung sowie finanzielle Unterstützung.

Die Betriebe müssten nur davon erfahren, die Zeit und vor allem den langen Atem haben, diese Hilfen zu beantragen. Allerdings lasse sich im Hotelfach nicht alles trainieren. Das Gastgeber-Gen müsse den Auszubildenden angeboren sein: „Wenn jemand anfangs für den Gast kein Lächeln hat, dann kommt das auch nicht mehr“, weiß Gelhausen.

Das Hotel Collegium Leoninum und die Nova Vita Residenz bilden insgesamt 16 junge Menschen mit den unterschiedlichsten Schulabschlüssen und Lebensgeschichten aus – sei es im Hotel oder in der Pflege. „Das sind mehr Fachkräfte, als wir benötigen“, sagt Hoteldirektorin van den Elzen.

Aus gutem Grund: „Unsere Strategie stärkt die gesamte Branche. Gerade in Bonn finden wir kleine Privathotels, die mit viel Herzblut und Charme für ihre Gäste da sind. Doch wenn der Chef selbst am Empfang steht, bleibt hin und wieder wenig Zeit für die Ausbildung.“ Außerdem suchten sich manche Auszubildende nach bestandener Prüfung andere Häuser. „Sie werden flügge und schauen, ob das Gras anderswo grüner ist. Das ist ganz normal“, betont van den Elzen.

Ruth Maria van den Elzen Die Direktorin des Hotels Collegium Leoninum und Prokuristin der Nova Vita Residenz Bonn GmbH, Ruth Maria van den Elzen, ist als IHK-Vizepräsidentin, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Fachkräfte und Arbeitsmarktpolitik sowie des Ausschusses für Kultur und Tourismus ehrenamtlich engagiert. Weitere Ehrenämter in der Hotel- und Gaststättenbranche kommen hinzu.

Engagement lockt Fachkräfte an

Hotel und Residenz profitieren von dem hohen ehrenamtlichen Engagement für die Ausbildung. „Früher hatten wir weniger Auszubildende, das Haus war ganz anders aufgestellt“, sagt van den Elzen. Bei einem Azubi-Speed-Dating der IHK Bonn/Rhein-Sieg lernte sie 2016 Antonia Becker kennen. Die damals 16-Jährige stand kurz vor ihrem Realschulabschluss, nun ist sie Auszubildende zur Hotelfachfrau.

Es verwundert nicht, dass auch Becker bereits ein Ehrenamt bei der IHK hat. „Als Ausbildungsbotschafterin besuche ich weiterführende Schulen und erzähle den Jugendlichen von meinem Beruf, dem Tagesablauf im Hotel und der Verantwortung, die ich tragen darf“, erzählt sie. „Mein Chef weiß etwa, dass ich an der Rezeption nichts Vertrauliches erzähle. Wenn jemand anruft und fragt, in welchem Zimmer ein Gast wohnt, gebe ich diese Information nicht heraus.“

Auch Antonia Becker, Auszubildende zur Hotelfachfrau, ist als Ausbildungsbotschafterin ehrenamtlich tätig.Auch Antonia Becker, Auszubildende zur Hotelfachfrau, ist als Ausbildungsbotschafterin ehrenamtlich tätig.

Da sie kaum älter als die Teenager in den Schulen ist, kommen ihre Infos zu Aufgaben an Rezeption und Reservierung, Wochenenddiensten und Feiertagesregelungen super an. „Die Schüler trauen sich, mir Fragen zu stellen, die sie einem langjährigen Hotelfachmann vielleicht nicht gestellt hätten,“

Das ehrenamtliche Engagement der Hoteldirektorin und ihres Teams zahlt sich für das gesamte Unternehmen aus. „Wir wurden zu Beginn meiner Tätigkeit 2014 vor allem als Residenz, weniger als Hotel wahrgenommen“, sagt van den Elzen. Das wollte sie ändern. Ihre Ehrenämter bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg nutzt sie, um sich im Mittelstand zu vernetzen und Kontakte zu knüpfen.

Auch die Medien wurden auf die Hoteldirektorin und ihr Haus aufmerksam. So wandelt sich das Image des Hotels Collegium Leoninum, es wird sichtbarer. Das wiederum zieht seine Kreise bei Fachkräften.

Sogar einige der jungen Fachkräfte, die nach erfolgreicher Prüfung in andere Häuser wechselten, kehrten zurück. „Sie haben festgestellt, dass das Gras anderswo doch nicht grüner ist“, meint van den Elzen zufrieden.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Verantwortung im Ehrenamt

Die Mitglieder der Vollversammlung (VV) werden von den IHK-Mitgliedern gewählt. Sie arbeiten ehrenamtlich. Der VV der IHK Bonn/Rhein-Sieg gehören zwölf Wahlgruppen an, von der Wahlgruppe I „Industrie/Produzierendes Gewerbe“ bis zur Wahlgruppe XII „Verbraucher- und Unternehmensnahe Dienstleistungen“. Jedes IHK-Mitglied kann in seiner Wahlgruppe kandidieren. Die Wahlperiode dauert jeweils fünf Jahre, die derzeitige Wahlperiode endet am 31. Dezember 2021.

Die 18 Ausschüsse beraten die IHK bei Fachthemen. Sie geben wichtige Impulse, z.B. für das Standortmarketing und die regionale Wirtschaftspolitik. Ausschüsse gibt es z.B. zu Einzelhandel, Immobilienwirtschaft, Industrie, Verkehr und Wirtschaftsförderung. Gemeinsam mit der IHK Köln existieren Gemeinschaftsausschüsse zu Medien und Umweltschutz.

Um ihre Mitgliedsunternehmen über das Ehrenamt zu informieren, bündelt die IHK Bonn/Rhein-Sieg alle Informationen dazu auf der besonderen Homepage  https://ehrenamt.ihk-bonn.de. Dort veröffentlicht sie alle Berichte aus der Vollversammlung sowie aus den Ausschüssen.

Jede Unternehmerin und jeder Unternehmer kann sich bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg ehrenamtlich engagieren. Die Themen sind ganz unterschiedlich:
•    Außenwirtschaft
•    City-Angelegenheiten
•    Kultur und Tourismus
•    Einzelhandel
•    Immobilienwirtschaft
•    Medien
•    Umweltschutz
•    Industrie
•    IT
•    Recht und Steuern
•    Verkehr

Mit diesem Online-Formular können Sie Ihr Interesse an der Mitarbeit bei einem oder mehreren dieser Themen bekunden. Weitere Informationen gibt es https://ehrenamt.ihk-bonn.de, Stichwort „Ihr Engagement“.

Die Wirtschaft

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