IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Digitalisierung in der Berufsbildung

Qualifiziert für den Wandel

Digitalisierung in der BerufsbildungDie Digitalisierung erfasst immer mehr Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft. Experten sind überzeugt: Damit die digitale Transformation zum Erfolg wird, kommt es entscheidend auf die Qualifizierung der Menschen an.

Doch sind Aus- und Weiterbildung ihrerseits auf die Digitalisierung vorbereitet? Können die Unternehmen bereits auf entsprechende Angebote zurückgreifen? Was gibt es, was ist geplant, was können Aus- und Weiterbildung heute und morgen leisten? „Die Wirtschaft“ versucht ein paar Antworten auf diese Fragen.

Für Sascha Lobo ist die Sache klar. „Das Gelingen der digitalen Transformation in Deutschland ist eine Bildungsfrage“, sagte der „Spiegel online“-Kolumnist, Blogger und Strategieberater, der als einer der profiliertesten Beobachter des digitalen Wandels gilt, vergangenen Herbst in Westerham bei München. Die DIHK-Bildungs-GmbH und die IHK-Akademie München und Oberbayern veranstalteten dort ihren 4. IHK-Fachkongress „Neues Lernen“, Sascha Lobo war der prominente Eröffnungsredner.

Er wurde noch deutlicher: „Wir müssen jetzt endlich begreifen, dass sich die Zeiten so stark geändert haben, dass man innerhalb weniger Jahre in den verschiedensten Branchen komplett neue Instrumente haben wird, mit denen man dann umgehen können muss.“ Damit man überhaupt Schritt halten könne, brauche man ein Konzept der ständigen Weiterbildung.

Die fortschreitende Digitalisierung bietet Unternehmen neue Chancen. Sie stellt sie zugleich vor enorme Herausforderungen. Und sorgt für erheblichen Wandel. „Die Digitalisierung dürfte die Zahl der Jobs unter dem Strich nicht senken, wohl aber die gesamte Arbeitswelt verändern. Wir müssen uns auf strukturelle Probleme und einen großen Anpassungsbedarf einstellen“, sagte der Ökonom Enzo Weber Ende Dezember in einem Interview mit der „WirtschaftsWoche“. Weber leitet den Forschungsbereich „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg und ist Professor an der Universität Regensburg.

Sascha Lobo mit dem Roboter "Pepper""Das Gelingen der digitalen Transformation ist eine Bildungsfrage", so Sascha Lobo (hier mit dem Roboter "Peper").

„Unsere Projektionen zeigen, dass durch die Digitalisierung in den kommenden Jahren rund 1,5 Millionen Stellen neu entstehen, aber ebenso viele auch wegfallen“, sagte Weber, „Berufsbilder und Anforderungsprofile verändern sich.“ Ein entscheidender Faktor ist für den Forscher deshalb das Bildungswesen.

„Länder mit einer guten Bildungsinfrastruktur werden künftig eine höhere Digitalisierungsdividende einfahren“, sagt er im Gespräch mit der „WirtschaftsWoche“. „Die Innovationszyklen verkürzen sich, Umwälzungen laufen immer schneller ab, und das heißt für die Arbeitnehmer: Sie müssen über das gesamte Berufsleben hinweg lernen und sich weiter-entwickeln“, betont Weber. Da reiche es nicht, alle zwei Jahre mal eine interne Schulung zu machen, so wie es derzeit oft passiere.

Der Schlüssel zur Digitalisierung ist Bildung

Der Ruf nach Aus- und Weiterbildung zur Bewältigung des digitalen Wandels ist laut und vernehmlich. Und wird gehört. Zum Beispiel im BIBB, dem Bundes-institut für Berufsbildung mit Sitz in Bonn. Dort befasst man sich sozusagen ständig und grundlegend mit dem Wandel. Den Folgen der Digitalisierung widmete das BIBB gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beispielsweise jüngst ein breit angelegtes Projekt namens „Berufsbildung 4.0 – Fachkräftequalifikationen und Kompetenzen in der digitalisierten Arbeit von morgen“ (siehe dazu auch das Interview mit dem BIBB-Präsidenten Professor Dr. Friedrich H. Esser).

Die Berufsbildungsexpertinnen und -experten nahmen sich zwischen April 2016 und Oktober 2018 drei Themenfelder vor:

  • Berufescreening – Veränderungen der Qualifikationsanforderungen und Konsequenzen für die berufliche Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte am Beispiel von zwölf ausgewählten Ausbildungsberufen,
  • notwendige digitale Kompetenz und Medienkompetenzdes Ausbildungspersonals,
  • Fachkräfteprognosen.

Beim Berufescreening standen ganz unterschiedliche Ausbildungsberufe auf dem Prüfstand, zum Beispiel „Fachkraft  für Abwassertechnik“, „Industriekaufmann/-frau“, „Maschinen- und Anlagenführer/-in Lebensmitteltechnik“ und „Verfahrensmechaniker/-in für Kunststoff- und Kautschuktechnik“. Ausgewählt wurden sie so, dass sie ein möglichst breites Feld an Wirtschafts-bereichen abdecken.

„Wir wollten wissen, wie sich die Arbeitsaufgaben und Kompetenzanforderungen in der betrieblichen Wirklichkeit verändert haben und ob die Ausbildungsordnung diese Realität noch angemessen berücksichtigt“, erläutert Dr. Gert Zinke vom BIBB, der zusammen mit seinem Kollegen Torben Padur das Gesamtprojekt leitete.

Dr. Gert Zinke vom BIBBDr. Gert Zinke vom BIBB

Über alle zwölf Berufe hinweg zeigen die Ergebnisse, dass die Digitalisierung Arbeitsaufgaben, Anforderungen sowie den Qualifikations- und Fach-kräftebedarf verändert. „Die Veränderungen kommen allerdings an den Arbeitsplätzen und in den Betrieben ungleichzeitig an“, erklärt Padur. „Klar ist jedoch“, ergänzt Zinke, „dass wir in allen Berufen die Spuren der Digitalisierung erkennen.“

Beispiel Industriekaufleute. Längst nutzen sie digitale Medien, arbeiten in digital gesteuerten Prozessabläufen, sollen Zusammenhänge und Abhängigkeiten im System nachvollziehen und mögliche Auswirkungen vorwegnehmen können. Sie müssen große Datenmengen filtern und handhabbar machen, Daten einordnen, verstehen, auswerten und interpretieren.

„Dies erfordert kompetenten Umgang mit den digitalen Systemen sowie Sensibilisierung im Bereich Datenschutz und - sicherheit“, beschreibt Gabriele Jordanski vom BIBB, die sich, unterstützt von einer Expertengruppe, speziell diesem Ausbildungsberuf gewidmet hat. Zudem sind zunehmend Projektarbeit, Prozessverständnis und -denken sowie Flexibilität gefordert.

Viele der erforderlichen Tätigkeiten und Kompetenzen berücksichtige die geltende Ausbildungsordnung zumindest indirekt, weil sie technikoffen gestaltet sei, berichtet Jordanski. Zugleich stellt die Experten-gruppe einen Aktualisierungsbedarf fest. „Einzelne Aspekte sollten in der Ausbildungsordnung und in den Prüfungsanforderungen stärker betont werden“, heißt es in einem Projektpapier, „zum Beispiel Fremdsprachen, Projektarbeit, Umgang mit Daten/Datensicherheit sowie personale Kompetenzen.“

Gabriele Jordanski, BIBBGabriele Jordanski, BIBB

Weitere Empfehlungen: mögliche Spezialisierungen, etwa durch Wahl- und Zusatzqualifikationen, eine optimale Verzahnung von Aus- und darauf aufbauender Fortbildung sowie die Kompensation betrieblicher Ungleichheiten beim Einsatz der digitalen Technologien. Vor allem kleine und mittlere Betriebe müssten unter Umständen stärker unterstützt werden“, erklärt Jordanski. „Hierzu sollten gezielte Maßnahmen entwickelt werden. Eine Möglichkeit bietet sich in Form der Förderung von überbetrieblichen Bildungszentren auch für den kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich.

Neu geordnet: Metall- und Elektroberufe werden digitaler

Insgesamt gibt es derzeit 326 duale Ausbildungsberufe. Wenn der Überarbeitungsbedarf insbesondere von den zuständigen Sozialpartnern als groß genug eingeschätzt wird und dies mit den zuständigen Bundesministerien abgestimmt ist, startet ein Neuordnungsverfahren. Jährlich werden etwa zehn bis 15 Ausbildungsordnungen überarbeitet. Federführend für die Verfahren ist dann jeweils das BIBB.

Auch für einige der im Rahmen des Projektes exemplarisch untersuchten Ausbildungsberufe empfehlen das BIBB und das BMBF kurz- oder mittelfristig eine Neuordnung. Ein solcher Prozess nimmt allerdings viel Zeit in Anspruch und kann durchaus ein oder zwei Jahre dauern.

Das aktuelle Ausbildungsjahr 2018/2019 startete vergangenen August ebenfalls mit zahlreichen neu geordneten oder modernisierten Berufen. Darunter: je fünf Metall- und Elektroberufe sowie der Beruf „Mechatroniker/-in“. „Diese Berufe haben für die Industrie besondere Bedeutung, auch quantitativ“, unterstreicht Anja Schwarz vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Die Referatsleiterin Forschungs- und Strukturfragen, Metall- und Elektroberufe begleitete das Änderungsverfahren für die IHKs und untermauert ihre Aussage mit Zahlen: 2017 zählten die IHKs in Deutschland in den fünf industriellen Metall-berufen insgesamt knapp 87.000 eingetragene Ausbildungsverträge, in den industriellen Elektroberufen inklusive „Mechatroniker/-in“ waren es über 62.700.

Die Anpassungen wurden an verschiedenen Stellen der Ausbildungsordnungen vorgenommen und beziehen sich auf Qualifikationsanforderungen im Zusammenhang mit Digitalisierung und Industrie 4.0, insbesondere zu IT-Sicherheit und Datenschutz sowie digitalem Arbeiten. „Die zweite wichtige Neuerung sind Zusatzqualifikationen, die von Betrieben optional in der Ausbildung genutzt werden können“, heißt es in einem ausführlichen Leitfaden, den der DIHK für Prüferinnen und Prüfer erstellt hat.

Die Zusatzqualifikationen können von den Ausbildungsunternehmen angeboten und vermittelt werden, müssen es aber nicht. Bei den industriellen Metallberufen sind das Systemintegration, Prozessintegration, additive Fertigungsverfahren und IT-gestützte Anlagenänderung. Für angehende Mechatroniker/-innen sind digitale Vernetzung, Programmierung, IT-Sicherheit und ebenfalls additive Fertigungsverfahren als Zusatzqualifikationen vorgesehen.

In den industriellen Elektroberufen können digitale Vernetzung, Programmierung und IT-Sicherheit als Zusatzqualifikationen angeboten werden. Speziell für Ausbilderinnen und Ausbilder hat das BIBB gemeinsam mit den Sachverständigen aus den Änderungsverfahren zwei Umsetzungshilfen veröffentlicht – Metall sowie Elektro/Mechatroniker –, die sowohl in Printform als auch online zur Verfügung stehen.

„Wir sind froh, dass die Unternehmen nunmehr die Möglichkeit haben, im Rahmen der Ausbildung digitale Kompetenzen zu vermitteln, die durch eine IHK-Prüfung zertifiziert werden können“, kommentiert Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg, die Entwicklung. Allerdings sei er noch skeptisch, inwieweit die Ausbildungsbetriebe diese Zusatzqualifikationen nutzen werden. Denn: „Gute Auszubildende möchte man verkürzt zur Prüfung führen“, beobachtet Hindenberg, „Auszubildende, die Unterstützung benötigen, nicht durch Zusätzliches überfordern.“

Dennoch bietet die IHK von nun an diese Prüfungen an. Und ermuntert die Firmen, die Zusatz-qualifikationen in ihre Ausbildung aufzunehmen. „Ich wünsche vielen Betrieben den Mut, diese Chancen auch zu nutzen“, sagt Hindenberg und verweist auf eine Informationsveranstaltung der IHK im vergangenen Jahr, an der 80 Unternehmen teilgenommen und großes Interesse gezeigt hätten.

Ein neuer Beruf für die Digitalisierung: Kaufmann/-frau im E-Commerce

Wie stark der Wandel durch die Digitalisierung ist, zeigt sich auch an diesem Beispiel: Neben zahlreichen aktualisierten Berufen ging im Sommer 2018 sogar ein komplett neuer Ausbildungsberuf an den Start: Kaufmann/-frau im E-Commerce. Der erste neue kaufmännische Ausbildungsberuf seit zehn Jahren. Hier reichte es nicht mehr, vorhandene Berufe, etwa „Kaufmann/-frau im Einzelhandel“, neuzuordnen.

„Durch E-Commerce entstehen neue Tätigkeitsfelder, wertschöpfungsüberschreitende Prozesse und Geschäftsmodelle mit eigenen Arbeitsweisen und Vorgängen“, erklärt Katharina Weinert, Abteilungsleiterin Bildungspolitik und Berufsbildung beim Handelsverband Deutschland (HDE) e.V. Für diese seien eigene, umfassende Ausbildungsinhalte notwendig, die die Schaffung eines neuen Berufs ermöglicht haben.

Angehende Kaufleute im E-Commerce befassen sich mit sämtlichen Vertriebskanälen, wie Online-Shops oder Social Media, und lernen diese kundenorientiert zu bewirtschaften. Online-Marketing, die Vertragsanbahnung und -abwicklung sowie die kaufmännische Steuerung spielen eben-falls eine große Rolle.

Interessant sei er für alle Unternehmen, die ihre Waren oder Dienstleistungen online anbieten, erzählt Weinert. „Viele Handelsunternehmen betreiben stationären und Online-Handel parallel und vernetzt, für diese Multi- oder Cross-Channel-Strategien ist der neue Beruf ebenso der richtige wie für Unternehmen, die nur online ihre Produkte vertreiben!“

E-Commerce bei Ardau Weinimport und Freizeitmarkt Knauber

Susanne Nußbaum wurde durch die Bonner IHK-Ausbildungsberaterin Sybille Bugs auf den neuen Beruf aufmerksam. „Ich war sofort interessiert“, sagt die Ausbilderin der Ardau Weinimport GmbH in Troisdorf. Das Unternehmen importiert Weine, Spirituosen und Feinkost und vertreibt sie an den Weinfachhandel. Ein Weg dazu ist der Onlineshop. „Diesen Vertriebs-kanal wollen wir ausbauen“, betont Nußbaum, „eine interessante Aufgabe für unseren Azubi.“ Auch das Schwesterunternehmen „Die Weinquelle GmbH“ setzt verstärkt auf E-Commerce.

Susanne Nußbaum, Ausbilderin der Ardau Weinimporte GmbH in Troisdorf, mit Nils Günther, der zum Kaufmann für E-Commerce ausgebildet wird.Susanne Nußbaum, Ausbilderin der Ardau Weinimporte GmbH in Troisdorf, mit Nils Günther, der zum Kaufmann für E-Commerce ausgebildet wird.

Die Unternehmensgruppe bildet auch Kaufleute im Groß- und Außenhandel und Kaufleute für Büromanagement aus. „Allerdings spielt Online inzwischen eine so wichtige Rolle“, berichtet Nußbaum, „dass wir hier unsere Kompetenzen verstärken wollen.“ Der neue Ausbildungsberuf passe genau, Ziel sei es, Azubi Nils Günther nach der Ausbildung zu übernehmen.

Auch beim Bonner Freizeitmarkt Knauber hat man sich früh mit dem neuen Beruf befasst. Sebastian Becker, seit drei Jahren Ausbildungsleiter, wirkt in einigen Berufsschulen und regionalen Arbeitskreisen mit, auch bei der IHK, und erfuhr schon in der Planungsphase von dem Ausbildungsberuf. „Wir sind gerne am Puls der Zeit“, sagt Becker. „Dieser Beruf kam zur richtigen Zeit, für mich war klar, dass wir klug beraten wären, ihn von Beginn an in unser Ausbildungsangebot aufzunehmen.“

Der Grund: „Das Kaufverhalten unserer Kunden hat sich deutlich verändert, Online spielt eine immer stärkere Rolle“, beobachtet Daniel Keller, ehemals Knauber-Azubi und nun Teamleiter E-Commerce in dem Bonner Unternehmen. „Wir sehen das als Chance und bauen seit einigen Jahren unseren Onlineservice konsequent aus, um das stationäre Angebot in den Freizeitmärkten mit der Onlinewelt zu verzahnen.“

Knauber misst dem Thema E-Commerce eine hohe – und weiter steigende – Bedeutung bei. „Deshalb sind wir froh, mit Tobias Konen einen interessierten und engagierten Azubi für diesen Bereich gefunden zu haben“, sagt Becker und blickt in die Zukunft: „Unsere Perspektive ist die Übernahme – und damit ein Stück Fachkräftesicherung in einem sehr relevanten Segment unserer Geschäftstätigkeit!“

Tobias Konen und Nils Günther besuchen dieselbe Berufsschulklasse, nämlich am Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises in Siegburg. Es hatte sich, wie viele andere im Regierungsbezirk Köln, um die neue Klasse für angehende Kaufleute im E-Commerce beworben und als eine von drei Berufskollegs den Zuschlag erhalten. „Wir wollten diesen Beruf unbedingt haben“, erzählt Schulleiterin Daniela Steffens, „weil wir ihn für sehr wichtig halten und bereits Kompetenz im E-Commerce aufbauen konnten.“

Daniela Steffens, Schulleiterin des Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises in SiegburgDaniela Steffens, Schulleiterin des Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises in Siegburg

Diese Kompetenz hat einen Namen: Björn Kettner. Er entwickelte ein entsprechendes Unterrichtsmodul für die Kaufleute für Büromanagement und leitet seit Sommer die neue E-Commerce-Klasse. Von der Ausstattung des Berufskollegs mit Hard- und Software ist er sehr an-getan, vom interaktiven Whiteboard über Dokumentenkameras bis hin zu eigenen Endgeräten der Schülerinnen und Schüler kommt im Unterricht alles zum Einsatz.

„Alle Unterrichtsstunden der künftigen E-Commerce-Kaufleute finden im Computer-Fachraum statt“, berichtet Kettner. Dank des interaktiven Whiteboards etwa könnten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam Webseiten bearbeiten. Zudem hat die Schule eine E-Commerce-typische Software angeschafft, unter anderem ein echtes Shop- und Warenwirtschaftssystem.

Nächste Schritte auf dem Weg zur Digitalisierung des Unterrichts: eine eigene Cloud für jeden Schüler und jede Schülerin. „Dann können wir elektronische Dokumente austauschen, ich kann Arbeitsblätter elektronisch verteilen, einsammeln und korrigieren, und alle können von überall zugreifen“, erläutert Kettner. Ziel sei der papierlose Unterricht.

Weiterbildung für die digitale Welt: neue Zertifikatslehrgänge

„Das Gelingen der digitalen Transformation in Deutschland ist eine Bildungsfrage“, sagte Sascha Lobo im Herbst beim IHK-Fachkongress „Neues Lernen“. Und ergänzte: „eine Aus- und Weiterbildungsfrage“.

Die Unternehmen sind auf dem Weg in die Digitalisierung nicht nur auf neue oder angepasste Ausbildungsinhalte angewiesen, sondern sehen, wie zahlreiche Umfragen und Untersuchungen zeigen, auch für die vorhandenen Beschäftigten einen erheblichen Qualifizierungsbedarf. Gleichzeitig hat der Megatrend Digitalisierung längst auch die Art und Weise erfasst, wie wir heute lernen. Deshalb sind viele Bildungsträger dabei, ihre Weiterbildungsangebote entsprechend auszurichten.

Dies trifft auch auf die IHKs zu – und sie erhalten dabei tatkräftige Unterstützung von der DIHK-Gesellschaft für berufliche Bildung – Organisation zur Förderung der IHK-Weiterbildung mbH mit Sitz in Bonn. Sie entwickelt zentral Produkte und Dienstleistungen für das IHK-Bildungsangebot mit Experten aus der Praxis, die die IHKs dann in ihrer jeweiligen Region umsetzen.

Die DIHK-Bildungs-GmbH arbeitet gleichzeitig an der Digitalisierung von Lernmedien und an neuen Weiterbildungsinhalten für die digitalisierte Wirtschaft. „Was Ersteres betrifft, so produzieren wir beispielsweise sämtliche Lernmaterialien, die wir für die IHKs entwickeln, analog und digital“, er-klärt Sabine Hebenstrick, Bereichsleiterin Innovativ Qualifizieren. „Außerdem digitalisieren wir seit einigen Jahren Stück für Stück auch die Weiterbildungsprüfungen, wo immer das sinnvoll ist.“

Ein Beispiel: Ein Start-up hat einen 3D-QR-Code entwickelt, der es ermöglicht, eine zweidimensionale Abbildung in einem Buch per Smartphone dreidimensional anzeigen zu lassen. Das hat die Bildungs-GmbH für ihre Textbände adaptiert. So lassen sich zum Bei-spiel mit der entsprechenden App Maschinenteile von allen Seiten betrachten, während man davor und danach im gedruckten Lehrbuch weiterarbeitet.

Zugleich haben Hebenstrick und ihr Team die veränderten Ansprüche an Weiterbildung im Blick. „Die Betriebe sehen angesichts des technologischen Wandels einen enormen Weiterbildungsbedarf unterhalb der Schwelle eines Meisters oder Fachwirts“, weiß die Bildungsexpertin. Deshalb entwickelt die Bildungs-GmbH schon seit längerem und in steigendem Maße schlanke Qualifizierungs-konzepte mit durchschnittlich 50-120 Stunden, die mit einem Test abschließen – seit neuestem auch digital – und zu einem IHK-Zertifikat führen.

Die Entwicklungszeit ist vergleichsweise kurz, das Curriculum steht in der Regel innerhalb von drei Monaten. „So können die IHKs und andere Weiterbildungsträger mit einem solchen Zertifikatslehrgang rasch auf einen Bedarf in ihrer Region reagieren“, betont Hebenstrick. Aktuell besonders gefragt sind zum Beispiel die Lehrgänge „Fachkraft für Industrie 4.0 (IHK)“ und „Betriebliche/-r Datenschutzbeauftragte/-r (IHK)“.

Neu für Auszubildende: „Azubi für Industrie 4.0“

Doch die DIHK-Bildungs-GmbH hat auch die Azubis im Blick. Gemeinsam mit weiteren Partnern entwickelte sie jüngst für die IHKs in Deutschland das Konzept „Azubi für Industrie 4.0 (IHK)“ und stellte es Mitte Januar vor. Es richtet sich an Auszubildende des zweiten und dritten Lehrjahres aus dem gewerblich-technischen Bereich und kann zusätzlich zur Ausbildung absolviert werden.

Ziel des optionalen Angebotes ist es, frühzeitig Akzeptanz für digitale Technologien aufzubauen, Erkenntnisse und Einblick in die Wirkungszusammenhänge sowie entscheidende Fach- und Methodenkompetenzen im Bereich Industrie 4.0 zu vermitteln. Das IHK-Training umfasst sieben Module mit mindestens 38 Lehrgangsstunden. Die Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn/Rhein-Sieg greift dieses Konzept auf und bietet im Herbst den ersten Lehrgang für die Auszubildenden der Region Bonn/Rhein-Sieg an (www.ihk-die-weiterbildung.de | Webcode 976456).

„Fachkräftesicherung kann nur gelingen“, ist Otto Brandenburg, Geschäftsführer der IHK-Weiterbildungsgesellschaft, überzeugt, „wenn die Nachwuchskräfte frühzeitig mit den digitalen Veränderungen in ihrer Arbeitswelt vertraut gemacht werden.“

Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn

Die Wirtschaft

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