IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Gemeinsam für Fachkräfte in Bonn/Rhein-Sieg

Neue Broschüre mit Analysen und Lösungsvorschlägen

Neue Broschüre: Gemeinsam für Fachkräfte in Bonn/Rhein-SiegErstmals in ihrer Geschichte nehmen IHK Bonn/Rhein-Sieg und Agentur für Arbeit Bonn zum Fachkräftemarkt gemeinsam Stellung. Sie veröffentlichten eine 32-seitige Broschüre, in der sie einerseits die aktuellen Herausforderungen bei der Suche nach Fachkräften analysieren und andererseits konkrete Unterstützung für die Unternehmen anbieten. „Der Fachkräftemangel ist eine der stärksten Herausforderungen für unsere Betriebe“, sagt Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

Fachkräftegewinnung könne in der Stadt Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis nicht isoliert von anderen Standort-faktoren betrachtet werden. „Das Thema ist sehr komplex“, sagt Hindenberg. „Unsere Broschüre nennt daher nicht nur die Aufgaben der Unternehmen, die qualifiziertes Personal suchen. Es stellt diese Aufgaben in Zusammenhang zu Schulen und Hochschulen, Immobilienmarkt und Freizeitgestaltung, Verkehrssituation und Pendlerströmen. Will die Arbeitsmarktpolitik gelingen, müssen all diese Faktoren miteinander verzahnt wer-den.“ IHK Bonn/Rhein-Sieg und Agentur für Arbeit Bonn formulierten dazu ein arbeitsmarktpolitisches Handlungsprogramm (s. unten).

Duale Ausbildung stärken

Im Detail bietet die Broschüre zahlreiche Analysen zu den aktuellen Entwicklungen auf dem Fachkräfte-markt. Ein Beispiel: 30.575 Personen waren Ende des ersten Quartals 2018 in Bonn/Rhein-Sieg im Gesundheitswesen beschäftigt. Damit ist es die größte Branche der Region. Es folgen die öffentliche Verwaltung und der Einzelhandel.

Aus den Prognosen des IHK-Fachkräftemonitors geht hervor, dass Personen mit dualer Berufsbildung besonders gefragt sind. Entspannung ist nicht zu er-warten, im Gegenteil: Es wird zunehmend schwieriger werden, qualifiziertes Personal zu finden. Allein im Jahr 2018 fehlten in Bonn/Rhein-Sieg 16.000 dual ausgebildete Fachkräfte. Im Jahr 2030 werden es der Prognose zufolge 29.000 sein. Zum Vergleich: Bei den akademisch qualifizierten Fachkräften fehlten 2018 in der Region 3.400 Personen. Im Jahr 2030 sollen es voraussichtlich 3.900 sein.

Abgerundet wird die Broschüre durch die persönlichen Geschichten von fünf Personen, die sich entweder erfolgreich zur Fachkraft entwickelten oder qualifiziertes Personal einstellen konnten. So erzählt Alexander Schreiber, dass er seine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bei der Deutschen Telekom AG mit 92 von 100 Punkten abschloss. Kurz nach der Prüfung bewarb er sich über Mariska Peters-Naini von der IHK Bonn/Rhein-Sieg für das Weiterbildungsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung. „Ich erhielt eine Zusage und habe nun ein Budget von 7.200 Euro zur Verfügung, um Seminare und Lehrgänge zu besuchen.“

Auch der Leiter eines Baumarktes, die Leiterin eines Bildungszentrums und der Geschäftsführer eines Vereins schildern die unterschiedlichsten Wege zu Fachkräften. Hindenberg: „Wir haben schon viel erreicht. Doch obwohl es bereits zahlreiche Erfolgsgeschichten gibt, bleibt noch sehr viel zu tun.“

Die Broschüre ist bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg und beim Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Bonn kostenfrei erhältlich. Oder sie kann als PDF (1 MB) hier heruntergeladen werden.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn
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Fachkräftesicherung ist Zukunftssicherung - die wichtigsten Punkte aus der Broschüre

In der neuen Broschüre „Gemeinsam für Fachkräfte in Bonn/Rhein-Sieg“ veröffentlichen IHK Bonn/Rhein-Sieg und Agentur für Arbeit Bonn ein gemeinsames Handlungsprogramm für die zukünftige Arbeitsmarktpolitik in der Region. Sie wenden sich damit an Unternehmen, Politik und Verwaltung.

Ausgangspunkt ist die geopolitische Lage der Stadt Bonn, umgeben vom Rhein-Sieg-Kreis. Die Gegensätze von Stadt und Kreis sind unübersehbar: Bonn hat ein Großstadtleben, im Kreis liegen Mittelzentren und ländliche Dörfer.

Bonn ist Verwaltungs- und Dienstleistungsstandort, der Kreis hat eine historisch gewachsene Industrielandschaft. In Bonn herrscht ein angespannter Wohnungsmarkt, in den ländlichen Kommunen des Kreises finden sich noch Bauland und günstige Mieten. Die Bonner Bevölkerung ist vergleichsweise jung, im Kreis steigt die Zahl der älteren Menschen rasant.

Gegensätze ziehen sich an. Stadt und Kreis können dank ihrer geopolitischen Lage noch viel stärker voneinander profitieren als bisher. Ziele des Handlungsprogramms sind daher,

  • die Fachkräftesicherung fester bei den Spitzen von Politik und Verwaltung zu verankern.

  • die gesetzlichen Rahmenbedingungen, z.B. zum Spracherwerb, hinsichtlich Dauer, Anreizen oder begleitenden Maßnahmen an die heterogenere Zielgruppe anzupassen.

  • Themen wie demographische Entwicklung, Arbeit, Wohnen, Mobilität und Infrastruktur enger zu verzahnen.

  • das Bündnis für Fachkräfte in der Regie der Spitzen der regionalen Kooperationspartner weiterzuentwickeln, ressortübergreifend und über kommunale Grenzen hinweg.

  • die Berufs- und Arbeitsmarktorientierung an den Schulen und Hochschulen unter Beteiligung der Wirtschaft zu intensivieren.

  • in betriebliche Weiterbildung und Personalentwicklung zu investieren.

  • Menschen mit Handicaps, biographischen Brüchen oder fremder Herkunft, in die zu Beginn ihrer Beschäftigung überproportional investiert werden muss, in Ausbildung und Arbeit mehr Chancen zu geben.

  • den Personalbedarf über die Jobbörse der Agentur für Arbeit sichtbar zu machen.

  • durch Ausbildungsbotschafter und Berufsfelderkundungen stärker für die duale Ausbildung zu werben, sie zu stärken und die Abbrecherquoten durch qualitätssichernde Maßnahmen der Kammern zu senken.

  • die Förderinstrumente praxistauglich auszugestalten und die Erfolge durch qualitätssichernde Maßnahmen zu verbessern.

  • eine koordinierte Qualifizierungsberatung für die Betriebe aufzubauen.

  • mit gemeinsamen Initiativen Fachkräfte in die Region zu holen und offene Stellen zu besetzen.

 

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