IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Magnetfabrik Bonn GmbH: Die große Anziehung

Industrieunternehmen der Region

Impressionen aus der Magnetfabrik Bonn GmbHViele von uns profitieren von ihnen, niemand sieht sie: Die kleinen, hochpräzisen Produkte der Magnetfabrik Bonn stecken etwa in Autos und Waschmaschinen, Medizintechnik und neuerdings E-Bikes. Das Unternehmen besteht seit 87 Jahren und wird in dritter Generation vom Enkel des Gründers geführt. Bei der „Langen Nacht der Industrie“ im vergangenen Jahr präsentierte sich das Unternehmen der Bonner Öffentlichkeit.

Viele Leserinnen und Leser des IHK-Magazins werden in ihrer Kinderzeit durch die berühmten Abenteuer von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, erstmals vom Magnetismus erfahren haben. In „Jim Knopf und die Wilde 13“ begegnen die beiden Abenteurer der Seejungfrau Sursulapitschi und ihrem Vater, dem Meereskönig. Der klagt darüber, dass das Meer nicht mehr leuchtet. Für die Leuchtkraft sorgte ein riesiger Magnet im „Barbarischen Meer“, das deshalb so heißt, weil der Magnet zugleich die Schiffe, die ihm zu nahe kommen, vom Kurs abbrachte, sodass sie zerschellten oder untergingen. Zum Glück kennen sich Jim und Lukas mit Elektrik und Magneten aus. Sie sorgen dafür, dass das Meer wieder leuchtet.

Dr. Martin Grönefeld hätte dem Meereskönig sicherlich ebenfalls helfen können, denn mit Magneten kennt er sich bestens aus; er ist sozusagen mit ihnen groß geworden. Sein Großvater gründete 1932 die Magnetfabrik Bonn, sein Vater führte sie nach dem Tod des Gründers ab 1952 fort – und 1990 trat der pro-movierte Physiker Martin Grönefeld aktiv ins väterliche Unternehmen ein. Seit 1994 führt er die Geschäfte des Bonner Familienunternehmens.

Nun gehört das Meeresleuchten per Magnet ohnehin ins Reich der Fantasie und nicht zu den Anwendungsfeldern der Magnete aus Bonn. Das Familienunternehmen hat sich auf Magnete spezialisiert, die – für die Nutzer in der Regel unsichtbar – wichtige Funktionen in Anlagen, Geräten und Motoren steuern, regeln und schalten. Dazu zählen zum Beispiel im Automobilbau ABS- und Schließsysteme, Fensterheber und Leuchtweitenregelung, Heckklappensteuerung und Winkelsensorik.

Allein 30 Millionen Magnete verlassen das Werk in der Bonner Nordstadt jährlich, um in den Armaturen von Pkws und Lkws zum Einsatz zu kommen. Sie sind unscheinbar, der Durchmesser beträgt gerade einmal acht Millimeter. Ihre Aufgabe: Sie bewegen Zeiger, und zwar vollkommen ruhig und präzise. Den Zeiger des Tachos, des Drehzahlmessers, der Temperatur- und der Kraft-stoff-Füllstand-Anzeige.

„Dazu muss der Magnet nicht stark sein, aber äußerst präzise und prozesssicher“, erklärt Grönefeld. Dass in immer mehr Pkws die Anzeigen inzwischen digital sind, versetzt Grönefeld nicht in Unruhe. Erstens kommen seine Magneten im Auto noch an anderen Stellen zum Einsatz – und zweitens erschließt sich die Magnetfabrik Bonn längst neue Märkte.

Ein Beispiel: Für einen großen, namhaften Hersteller von E-Bike-Antrieben entwickelten die Bonner kürz-lich einen Spezialmagneten, der exakt misst, welche Kraft der Radler oder die Radlerin gerade aufwendet. „Auch wenn wir glauben, gleichmäßig zu treten, ändert sich die Kraft im Grunde sogar mehrmals pro Pedalumdrehung“, weiß Grönefeld. Die jederzeit exakten Maße sind aber wichtig, damit der E-Motor das entsprechende Äquivalent an Energie zuschaltet, zum Beispiel einfach, anderthalbfach oder doppelt, je nachdem, welche Stufe der Fahrer gewählt hat. „Schließlich wollen Sie ja gleichmäßig fahren und nicht das Gefühl haben, dass der Antrieb dauernd etwas stärker oder schwächer wird“, sagt der Unternehmer, der selbst oft mit dem Rad zur Arbeit kommt, allerdings ohne E-Unterstützung.

Kein Produkt von der Stange, sondern kundenspezifische Lösungen

Etwa zwei Drittel seines Jahresumsatzes von insgesamt rund 20 Millionen Euro erzielt das Unternehmen im Segment Automotive. Weitere Kunden findet die Magnetfabrik Bonn im Maschinenbau, in der Medizintechnik sowie bei Herstellern von Elektrohaushaltsgeräten. Über alle Branchen und Kunden hinweg gibt es dabei zwei Gemeinsamkeiten: Es handelt sich um ein reines B2B-Geschäft, Abnehmer sind ausschließlich Gerätehersteller und Zulieferer, die Endverbraucher kommen mit dem unscheinbaren Produkt nicht in Berührung.

Dr. Martin Grönefeld, Geschäftsführer der Magnetfabrik BonnDr. Martin Grönefeld, Geschäftsführer der Magnetfabrik Bonn

Die zweite Gemeinsamkeit: „Wir verkaufen kein Produkt von der Stange“, erklärt Grönefeld, „sondern ausschließlich kundenspezifische Lösungen.“ Die Auflage kann dabei von wenigen Stück bis zu zweistelligen Millionenstückzahlen reichen, aber stets handelt es sich um einen Magneten für ein ganz bestimmtes Einsatzfeld eines konkreten Kunden.

Wichtig ist Grönefeld, dass wir auch auf die Herstellung zu sprechen kommen. Er ist stolz darauf, ausschließlich am Standort Bonn zu produzieren. Und darauf, dass es dank intensiver Forschung und Entwicklung inzwischen gelingt, eine Vielfalt an Magneten im Verbund mit Kunststoff herzustellen. „Wir mischen Magnetpulver unter einen Kunststoff“, erklärt der Unternehmer, „und zwar bis zu 90 Gewichtsprozent.“ Die jeweilige Rezeptur erlaubt es, die gewünschten magnetischen Eigenschaften zu erzielen. Und zugleich macht es die Herstellung der Magneten im Spritzgussverfahren möglich, das vielfältige und komplexe Geometrien ermöglicht.

Menschen für Technik begeistern

Viele Arbeitsschritte in der Produktion werden von Robotern ausgeführt. „Bei hoch automatisierten Abläufen sind die klar im Vorteil, weil sie so gut wie keine Fehler machen“, begründet Grönefeld die entsprechenden Investitionen. Das ist entscheidend, denn die nach eigenen Angaben hohe Prozesssicherheit der Magneten aus Bonn sind ein zentrales Verkaufsargument.

„Unsere Produkte arbeiten magnetisch und mechanisch extrem präzise und genauer als die vieler Konkurrenten“, sagt der Unternehmer. „Es gelingt uns, die technischen Toleranzen sehr eng zu halten, auch in komplexen Prozessen.“ Die Folge: „Mir sind bisher keine Ausfälle von Produkten beim Endkunden bekannt, die durch unsere Magneten verursacht worden wären.“

Produziert wird in drei Schichten rund um die Uhr. Nur samstags und sonntags sowie zwischen Weihnachten und Neujahr stehen die Maschinen still.

In der „Langen Nacht der Industrie“ vergangenen Herbst standen die Maschinen nicht still. Wie viele andere Unternehmen in der Region hatte auch die Magnetfabrik Bonn die Werkstore für die Öffentlichkeit geöffnet. Es kamen Schüler und Studierende, Bonner Bürger und direkte Nachbarn. Die einen interessierten sich für Ausbildung, andere waren einfach neugierig auf das, was dort, an der Dorotheenstraße 215 im Bonner Norden, eigentlich geschieht.

„Die Gruppe war ganz schön bunt, wir waren echt überrascht, wie viele verschiedene Menschen sich für unser Tun interessierten“, gibt Grönefeld zu. Er verhehlt nicht, dass die Vorbereitung der geführten Werksbesichtigungen – auch unter Sicherheitsaspekten – sehr aufwändig war. „Aber es war richtig und hat sich gelohnt“, sagt der Unternehmer. „Es ist uns ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen, uns als Industrieunternehmen und moderner Arbeitgeber zu zeigen und die Menschen für Technik zu begeistern“, fügt er hinzu. Dies spiegelt sich auch im Engagement des Unternehmens für das Deutsche Museum Bonn wieder, das die Magnetfabrik fördert.

Er möchte gerade junge Menschen an Technik heranführen. Außerdem ist es Grönefeld ein Anliegen, mit den Nachbarn und Bonner Bürgern in Kontakt zu kommen. „Wir sind stolz auf unseren Standort und tragen ihn sogar im Namen“, sagt er, „aber umgekehrt wissen viele Bonner und Bonnerinnen gar nicht, wie viele interessante Industrieunternehmen es in der Stadt gibt – und wie wichtig die Industrie für die Gesellschaft und den Wohlstand ist.“

Ein weiterer Effekt von Veranstaltungen wie der „Langen Nacht der Industrie“: Die Unternehmen treffen mit potenziellen Azubis und Fachkräften zusammen. Die Magnetfabrik Bonn beklagt, anders als andere Firmen, noch keinen konkreten Fachkräftemangel. „Aber auch wir spüren den demografischen Wandel und das nach-lassende Interesse an technischen und handwerklichen Berufen“, bedauert Katharina Hermanns, verantwortlich fürs Marketing der Magnetfabrik Bonn.

Vielleicht sollten wieder mehr Kinder „Jim Knopf und die Wilde 13“ lesen, ein Klassiker, der nicht altert – so wie die Magnete aus Bonn nicht an Kraft und Präzision verlieren.

Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn

Lange Nacht der Industrie
Lange Nacht der Industrie am 19. September 2019


Nach dem Erfolg der „Langen Nacht der Industrie“ vergangenen Herbst startet das Format mit Unterstützung der IHK Bonn/Rhein-Sieg auch in diesem Jahr.

Am 19. September öffnen etliche Industrieunternehmen und Institutionen in der Region Bonn/Rhein-Sieg in den Abendstunden ihre Werkstore. Geboten werden außergewöhnliche Einblicke in Technologien, Arbeitsprozesse und Produkte, aber auch Informationen zu den Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten in der Industrie.

Dabei sind (Stand: 25. Mai):
— DSG-Canusa GmbH, Rheinbach
— Energie- und Wasserversorgung Bonn/Rhein-Sieg GmbH, Bonn
— Kuhne GmbH, Sankt Augustin
— MVA Müllverwertungsanlage Bonn GmbH, Bonn
— Reifenhäuser GmbH & Co. KG Maschinenfabrik, Troisdorf
— RSAG AöR, Siegburg
— SGL CARBON GmbH, Bonn
— Viktor Baumann GmbH & Co. KG, Bornheim

Eingeladen sind alle, die neugierig auf Industrie sind – von Schülerinnen, Schülern und Studierenden, die sich für eine Ausbildung, ein duales Studium oder eine Tätigkeit in der Industrie interessieren, über Eltern und Lehrkräfte bis hin zu Nachbarn ortsansässiger Unternehmen und alle Bürgerinnen und Bürgern in Stadt und Landkreis.

Weitere Informationen zu Organisation und zum Ablauf der Besichtigungstouren sowie Anmeldung: www.langenachtderindustrie.de/regionen/rhein-ruhr/

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