IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


„Menschen in Senioren-Wohngruppen sind glücklich, weil es familiär ist.“

Interview mit Dr. Uwe Lüdemann, Care Management Gruppe

Dr. Uwe LuedemannDie Generation der ersten Studenten-WGs ist heute im Seniorenalter. Ihr Konzept, zusammen zu leben, zu kochen und zu klönen, ist wieder im Trend: Seniorenwohngemeinschaften werden als Alternative zur eigenen Wohnung oder zum Seniorenheim entdeckt. Ein Modell mit Zukunft? Dazu Dr. Uwe Lüdemann, Geschäftsführen der Gesellschafter der Care Management Gruppe, zu der die Nova Vita Residenz Bonn gehört.

Die Wirtschaft: Wie schätzen Sie den Trend zur Senioren-WG ein?

Dr. Uwe Lüdemann: Wohngruppen sind eine sinnvolle Antwort auf unsere alternde Bevölkerung. Für Menschen mit demenziellen Veränderungen sind sie oft die beste Lösung, denn sie suchen einander, gehen dorthin, wo andere sind. Ihr Leben wird in einer Wohngruppe nicht von der Pflege geprägt, sondern vom Alltag, dem Kochen oder dem gemeinsamen Spiel.

Auch für jüngere pflegebedürftige Menschen sind Wohngruppen eine sehr schöne Lebensform. Die Bewohner sind glücklich, weil es familiär ist. Dennoch ist die Wohngruppe eine unter vielen Lebensformen, die man nicht idealisieren sollte.

Was schadet an Idealismus?

Wir haben in der Nova Vita Residenz bei unseren Bewohnern ein Durchschnittsalter von 85 Jahren. Es ist idealistisch zu sagen, dass Menschen in diesem Alter wie in Studentenzeiten leben.

Die Pflegebedürftigkeit steigt oft mit dem Lebensalter, in den letzten Lebensjahren ist der pflegerische Aufwand sehr hoch. Da geht meines Erachtens kein Weg an stationären Wohnformen vorbei.

Könnten Wohngruppen ein Mittel sein, um Pflegekosten zu senken?

Für Häuser, die an den Pflegesatz gebunden sind und deren Bewohner keine zusätzlichen Kosten aufbringen können, sind sie möglicherweise eine preisgünstigere Alternative. Ich sehe sie als Ergänzung zu größeren bestehenden Einrichtungen.

Würden Wohngruppen den Fachkräftemangel lindern?

Nein, die Personalproblematik würde sich nur verschieben: Weg von der reinen Pflege hin zur Alltagsgestaltung. Aber Menschen werden für die Pflege und Betreuung von Menschen immer mehr gebraucht werden.

Vielen Dank!

Die Wirtschaft

Aktuelle Ausgabe

Ansprechpartner

Photo of Heiko  Oberlies

Tel.: 0228 2284-138
Fax.: 0228 2284-221