IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Otto Brandenburg startete mit der Digitalisierung 1.0

Menschen bilden und beraten/Teil 14

Allgemeine Weiterbildungsberatung: Otto Brandenburg mit Olena Wolf.Als die Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn/Rhein-Sieg vor 30 Jahren gegründet wurde, war Otto Brandenburg ein Mann der ersten Stunde. Er gestaltete die Gründungsphase mit, führte zunächst die Verwaltung und arbeitete später zusätzlich als Dozent. Seit August 2006 ist er Geschäftsführer. Eine seiner liebsten Aufgaben ist, Menschen auf der Suche nach mehr beruflicher Bildung zu helfen – aufmerksam, aber nie aufdringlich.

Es war der 1. Juli 1974. Die deutsche Nationalelf hatte Schweden gerade mit 4:2 besiegt und stand kurz vor ihrem zweiten Titel als Fußball-Weltmeister. Otto Brandenburg hatte sein Abitur in der Tasche und trat seinen ersten Job als studentische Hilfskraft an. Bei der IHK Bonn, wie sie damals noch hieß.

Der junge Siegburger stand kurz davor, Mathematik, Informatik und Philosophie auf Lehramt zu studieren. Da traf es sich gut, dass die IHK Studenten suchte, die Firmenstammdaten der Mitgliedsunternehmen von Karteikarten auf EDV-Karten übertragen sollten. „An meinem ersten Tag führte der Verwaltungsleiter mich in einen Raum unter dem Dach des Altbaus in der Bonner Königstraße“, erinnert sich Brandenburg. „An den Wänden standen lauter Regale mit Schuhkartons voller Karteikarten. Das war der EDV-Raum.“

Brandenburg startete seine IHK-Karriere mit der Digitalisierung 1.0. Seinen ursprünglichen Plan, Gymnasiasten die Erkenntnisse von Pythagoras und Platon beizubringen, hängte er nach dem 1. Staatsexamen an den Nagel. Im Januar 1983 nahm er das Angebot der IHK an, als Beitragsbuchhalter für Kleingewerbetreibende einzusteigen.

Konkretes Angebot: Qualifizierung

Näher konnte Brandenburg den IHK-Beitragszahlern nicht kommen. Einige Kammermitglieder kannten das vielfältige Angebot der IHK nicht und fragten mehr oder weniger freundlich, was die IHK denn für sie tue. „Diese Zeit hat mich geprägt“, sagt Brandenburg. „Sie hat mich motiviert, den IHK-Mitgliedern ein zusätzliches konkretes Angebot zu machen: Qualifizierung. Mit der Gründung der IHK-Weiterbildungsgesellschaft im Jahr 1988 konnten wir eine klare Antwort auf diese Frage geben.“

Inzwischen blickt Brandenburg auf 30 Jahre im IHK-Bildungszentrum zurück. Obwohl er ein zusätzliches berufsbegleitendes Studium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Bonn mit einem Verwaltungsdiplom erfolgreich abgeschlossen hatte, wollte er berufliche Qualifizierung von Anfang an nicht nur verwalten, sondern gestalten. Dazu entwickelt er mit seinem Team Konzepte, die in die Unternehmenswelt passen. „Wir möchten Beschäftigte fit machen, z.B. im Zertifikatslehrgang zu 3D-Drucktechnologien. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir Beschäftigte auf neue berufliche Herausforderungen vorbereiten.“

Von der Qualifizierung profitiere nicht nur der Teilnehmer. „Das Unternehmen bekommt eine geeignete Fachkraft, die sich auszahlt. Geht jemand z.B. professionell mit einer Maschine um, fällt sie seltener aus. Das führt zu besseren Nutzungszeiten und höherer Produktivität.“

Der richtige Platz in der Arbeitswelt

Menschen bei der Suche nach dem richtigen Platz in der Arbeitswelt zu helfen – das ist Brandenburgs Mission. „Wenn ich jemanden berate, sehe ich schnell, wo die Hemmnisse liegen. Manchmal hat jemand genug Knowhow, ist aber in seinem Job nicht mehr gut aufgehoben.“ Er berät produkt- und anbieterneutral.

Ohne Scheu empfiehlt Brandenburg einen anderen Bildungsanbieter als das eigene Haus, wenn es den Ratsuchenden weiterbringt. So ist ein Netzwerk mit zahlreichen Kooperationspartnern entstanden. „Durch die Zusammenarbeit können auch private Bildungsanbieter IHK-Zertifikatslehrgänge anbieten. Sie vermitteln das fachliche Knowhow, wir prüfen den Lehrgang und übernehmen die Lernerfolgskontrolle. Es ist eine Win-win-Situation für alle: die IHK-Organisation, die Bildungsanbieter und nicht zuletzt für die Unternehmen, die qualifizierte Fachkräfte erhalten.“

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

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