IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


STK Service GmbH: Unternehmensnachfolger setzen frische Akzente

Unternehmensnachfolge

Neue Geschäftsführung: David Domagala und Sylvia SteimelIn Bonn/Rhein-Sieg stehen in den kommenden zehn Jahren 14.500 Unternehmen mit mehr als 81.800 Beschäftigen zur Übergabe an. Der Generationswechsel kommt mit Macht, denn die Babyboomer denken inzwischen über den Ruhestand nach. Doch eine Übergabe kann so manche Überraschung bereithalten.

Im Herbst 2017 erfuhr Sylvia Steimel (45) von ihrem Chef, dass er sich aus seinem Unternehmen zurückziehen wolle. Franz Gerd Strausfeld, Inhaber des STK-Ingenieurbüros für Maschinen-, Anlagen- und Fahrzeugtechnik aus Eitorf, hatte das Ruhestandsalter bereits erreicht. „Mein Chef hatte die Idee, dass ich STK übernehmen könne“, sagt Steimel, die im Unternehmen seit mehreren Jahren für Kommunikation, Verwaltung, Personal und Buchhaltung zuständig war. „Doch ich konnte mir da-mals nicht vorstellen, ein auf Technik spezialisiertes Unternehmen zu führen.“ Also bat Strausfeld sie, einen Beratungstermin mit der IHK zu vereinbaren und über die IHK-Unternehmensnachfolgebörse nexxt-change nach einem Nachfolger zu suchen. Doch zum Verkauf an einen externen Bieter kam es nicht.

Heute ist Steimel geschäftsführende Gesellschafterin des Unternehmens, ebenso wie der Maschinenbautechniker und Betriebswirt (IHK) David Domagala (30). Die beiden traten die Nachfolge der STK Service GmbH gemeinsam an.

„Eine Unternehmensnachfolge kann unverhoffte Wendungen nehmen“, sagt Regina Rosenstock, Gesamtbereichsleiterin Unternehmensförderung bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg. „Viele Faktoren spielen eine Rolle. Zudem haben nicht alle Unternehmer, die über den Stabwechsel nachdenken, eine genaue Vorstellung vom Übergabeprozess.“

„Nägel mit Köpfen“

In den meisten Fällen wird ein Unternehmen innerhalb der Familie weitergegeben – häufig an Söhne, zunehmend auch an Töchter. Der Verkauf an einen Wettbewerber oder ein anderes Unternehmen kommt ebenfalls recht häufig vor. „Doch in Bonn/Rhein-Sieg können sich nur drei Prozent der Unternehmensinhaber bei der Nachfolgersuche vorstellen, ihren Betrieb an einen Mitarbeiter zu verkaufen.

Offenbar denken viele kaum an die qualifizierten Kräfte, die das Unternehmen seit Jahren tragen“, sagt Rosenstock. Erst wenn andere Gedankenspiele ausgereizt sind, wenn die eigenen Kinder abwinken und sich kein Käufer findet, rutschen die eigenen Mitarbeiter in den Fokus. Und übernehmen häufiger als gedacht: In Bonn/Rhein-Sieg sind es schließlich 16 Prozent der Übernahmen, im NRW-Landes-schnitt nur sieben Prozent.

Steimel entschied sich für STK, weil sie mit Domagala einen geeigneten Partner fand. Der hatte zufällig über einen Freund erfahren, dass STK einen Nachfolger suche. „Ich hatte mich ge-rade als Konstrukteur selbstständig gemacht. Nun stand ich vor der Wahl, mit meiner One-Man-Show bei Null anzufangen oder ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen und mich breiter aufzustellen“, sagt Domagala.

Im Sommer 2018 fand das erste Gespräch zur STK-Nach-folge statt. Bereits am 1. Oktober 2018 war die offizielle Über-gabe an die beiden neuen Gesellschafter. „Wir haben Nägel mit Köpfen gemacht“, sagt Domagala. Im Unternehmen, das Maschinen und Anlagen projektiert, entwickelt, konstruiert und anschließend auf CNC-Maschinen fertigt, verantwortet er nun die technischen Aspekte. Steimel ist für alle kaufmännischen Dinge zuständig.

Investitionen und Einsparungen

Der Abteilung Research der KfW-Bank zufolge steigen die Investitionen nach einer Übergabe um durchschnittlich 40 Prozent. Auch STK investierte: „Wir haben neue CAD-Programme angeschafft“, sagt Domagala. Außerdem stellte er drei weitere Maschinen-bautechniker und einen technischen Produktdesigner ein. Inzwischen haben die beiden geschäftsführenden Gesellschafter sechs Mitarbeiter.

An anderer Stelle reduzierte das Unternehmen Kosten. „Wir haben alles auf den Prüfstand gestellt, Miete, Nebenkosten, Telefon, Internet und vieles mehr“, sagt Steimel. Das Ergebnis: STK zog vor wenigen Wo-chen von Eitorf nach Lohmar. Steimel: „Wir haben dort eine effizientere Anbindung an die Autobahn. Außer-dem sind wir näher an unseren Bestandskunden.“

Für die Zukunft planen die beiden Gesellschafter, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und das 3D-Druckgeschäft zu entwickeln. „Wir wollen keinen Bauchladen“, sagt Domagala. „Lieber treten wir einen Auftrag an den Wettbewerb ab, als unseren Kunden nicht die gewohnte Qualität zu liefern.“ STK möchte in Zukunft anders wahrgenommen werden als früher: Klein, aber oho!

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Aktionstag „Nachfolge ist weiblich“

Der Anteil der weiblichen Unternehmensnachfolgen stieg Studien zufolge in den vergangenen Jahren auf mehr als 20 Prozent. In Familienunternehmen ist bereits ein Drittel der anstehenden Nachfolgen durch die Töchter vorgesehen. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg will noch mehr Frauen ermutigen, auf dem Chefinnensessel Platz zu nehmen.

Für den 11. Nationalen Aktionstag „Nachfolge ist weiblich“  
am Freitag, 21. Juni 2019
lädt die IHK um 10.00 Uhr zu einem Frühstück im podium49 ein
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"Vortrag – Diskussion – Netzwerken" lautet der Dreiklang des Vormittags. Die Veranstaltung ist kostenfrei.
www.ihk-bonn.de | Webcode 6492156

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