IHK Industrie und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg


Wirtschaftslagebericht der IHK Bonn/Rhein-Sieg zum Frühsommer 2019

Verhaltener Optimismus, keine Anzeichen einer Rezession

Konjunkturklimaindikator Bonn/Rhein-Sieg 06/2019Seit Jahresbeginn 2019 haben sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (Stand: 22. Mai 2019) nicht wesentlich verändert. Der Brexit wird weiter diskutiert und die Handelsstreitigkeiten halten unvermindert an. Entsprechend bleibt auch das Konjunkturklima in der Region Bonn/Rhein-Sieg weitgehend konstant. Der IHK-Konjunkturklimaindikator liegt, nach dem Abwärtstrend der vergangenen Umfragen, inzwischen mit 121 Punkten nahezu unverändert.

Die Prophezeiungen vom Jahresbeginn scheinen sich zu bewahrheiten, wonach das Wachstum in diesem Jahr deutlich unter den guten Werten der Vor-jahre liegen wird. Die Unternehmen schätzen ihre aktuelle Geschäftslage etwas schlechter ein als in der Vorumfrage. Der Anteil der guten Lagebeurteilungen geht um fünf auf 41 Prozent zurück.Die Erwartungshaltung für die kommenden Monate hat sich etwas erholt. Zeigte die Tendenz in den letzten Monaten immer leicht nach unten, so hat jetzt der Anteil der optimistisch Gestimmten etwas zulegen können.

Ein Teil der Unternehmen arrangiert sich mit der anhaltenden Unsicherheit. Auf der anderen Seite gibt es aber auch zahlreiche Unternehmer die anstehende Investitionen verschieben. Debatten über Verstaatlichungen sind hier sicher kontraproduktiv.

Jedes zweite Unternehmen kalkuliert mit gleichbleibenden Investitionen, jeweils ein Viertel mit steigenden bzw. fallenden. Nur noch wenige Unternehmen rechnen mit steigenden Exporten. Es muss von einem Rück-gang der Exporte ausgegangen werden. Allen Schwierigkeiten zum Trotz wird die Beschäftigung weiter ausgebaut. Der anhaltende Fachkräftemangel und internationale Konflikte bremsen den Anstieg.

Dienstleistung

Die Dienstleistungsbranche zeigt sich unbeeindruckt von der gegenwärtigen Wachstumsschwäche und den globalen Handelskonflikten. Aktuell blickt sie sogar wieder optimistischer in die Zukunft als zu Jahresbeginn. Vier von zehn befragten Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Geschäfte. Die aktuelle Geschäftslage wird positiv bewertet. Über 50 Prozent sind rundum zufrieden, weitere 40 Prozent berichten von befriedigenden Geschäften. In den letzten Jahren war nur im Frühsommer 2016 die Stimmung minimal besser. Entsprechend werden auch die Investitionen auf hohem Niveau gehalten. Unverändert bleibt die starke Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften, denn 38 Prozent der Dienstleister wollen die Beschäftigten-anzahl erhöhen. Dieser hohen Nachfrage steht leider oft kein entsprechendes Angebot gegenüber.

Industrie

Die Industrie kann den Absturz aus den letzten beiden Umfragen stoppen. Der IHK-Geschäftsklimaindex legt wieder etwas zu (108 Punkte) und lässt den Negativrekord vom Jahresbeginn hinter sich. Dies darf je-doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass zahlreiche Betriebe mit gemischten Gefühlen in die Zukunft blicken. Noch immer rechnet jedes vierte Industrieunter-nehmen mit einer Verschlechterung der Geschäfte. Die Unsicherheit beim Brexit, die Zoll- und Handelsstreitigkeiten der größten Volkswirtschaften und die Situation in der Automobilindustrie sorgen für Zurückhaltung. Trotzdem bezeichnen aktuell über 40 Prozent ihre Lage als gut. Die anhaltend negativen Erwartungen wirken sich natürlich auch auf die Investitionsbereitschaft und auf die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen aus.

Einzelhandel

Das Geschäftsklima im Einzelhandel verzeichnet nach einer konstanten Phase einen Rückgang. Mit 105 Punkten befindet sich der Index auf dem tiefsten Wert seit Herbst 2016. Ursache ist eine Verschlechterung der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Zusätzlich gehen auch die Erwartungen etwas zurück. Der Anteil der optimistisch gestimmten Unternehmen hat sich von 22 auf elf Prozent reduziert. Im Gegensatz zu den Vor-umfragen deutet sich jetzt auch erstmals eine leichte Reduzierung der Beschäftigungsumfänge an.

ITK

Die positive Entwicklung der Informations- und Kommunikationswirtschaft setzt sich nahtlos fort. Die aktuelle Geschäftslage wird nahezu unverändert sehr positiv eingeschätzt. Die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich sogar noch einmal deutlich verbessert. 52 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft und weitere 38 Prozent rechnen immerhin mit gleichblei-benden Geschäften. Das anhaltend gute Geschäftsklima führt zu einer erhöhten Investitionsbereitschaft. 24 Prozent wollen verstärkt investieren. Hierbei geht es hauptsächlich um Produktinnovationen und Kapazitätserweiterungen. Entsprechend sucht die Branche nach qualifizierten Fachkräften.

Gastgewerbe

Seit Ende 2017 befindet sich der IHK-Geschäftsklimaindex im Abwärtstrend. Die Aufwärtsbewegung vom Jahresbeginn erwies sich als Strohfeuer. 95 Punkte bedeuten einen neuen Tiefststand. Wichtigster Auslöser für diesen Rückgang ist eine schlechtere Beurteilung der aktuellen Geschäftslage. Auch die bis dahin schon zu-rückhaltenden Erwartungen haben sich noch einmal verfinstert. Dieser Pessimismus spiegelt sich auch in den Investitionsabsichten wider. Trotz der schwierigen Situation in der Branche bleibt die Beschäftigungsentwicklung nahezu unverändert.

Verkehr

Mit 113 Punkten erreicht der IHK-Geschäftsklimaindex für das Verkehrsgewerbe wieder den Wert der Um-frage vom Jahresbeginn. Dies überrascht nicht, da sich an den Rahmenbedingungen zuletzt wenig geändert hat. Der Brexit ist noch immer nicht geklärt, Zoll- und Handelskonflikt dauern an, das abgeschwächte Wirtschaftswachstum und die Diskussionen um Diesel-fahrverbote und CO2-Steuern setzen sich fort. Trotz-dem blicken die Logistiker wieder optimistischer auf die kommenden Monate.

Der komplette Wirtschaftslagebericht als PDF (2,4 MB) zum Herunterladen.

Erwartungen der Branchen zum Frühsommer 2019

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