Auf dem Weg zu einem attraktiven Stadtteilzentrum

Studentenwettbewerb Bonn/Bad Godesberg

10.09.2010

Die Bad Godesberger Innenstadt bildet mit ihrem vielfältigen Einzelhandelsangebot, dem Rathaus, den Arztpraxen, zahlreichen Cafes und Restaurants sowie den Parkanlagen eine historisch gewachsene Einheit und begründet die Attraktivität und Anziehungskraft der Innenstadt. Der einzelhandelsrelevante Kaufkraftindex liegt mit 110 Prozentpunkten gut 10 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 100 Prozentpunkten; so verfügt jeder Bad Godesbeger Bürger im Jahr über 5.621 Euro einzelhandelsrelevante Kaufkraft. Trotz dieser positiven Rahmenbedingungen ist die Bad Godesberger Innenstadt gegenwärtig gekennzeichnet durch städtebauliche Mängel und vereinzelte Trading-Down-Effekte.

Aus diesem Anlass hat die IHK Bonn/Rhein-Sieg in Kooperation mit dem Geographischen Institut der Universität Bonn und der Stadt Bonn den Studentenwettbewerb „Bonn Bad Godesberg: Auf dem Weg zu einem attraktiven Stadtteilzentrum“ ausgelobt. Ziel des Wettbewerbs war es, einen innovativen Blick „von außen“ auf die Bad Godesberger Stadtentwicklung zu werfen und Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Arbeiten wurden von einer Jury, bestehend aus Vertretern von IHK, Stadt und Stadtplanung, bewertet nach Innovationsgrad, wissenschaftlicher Qualität, Überzeugungskraft & Schlüssigkeit sowie Praxisbezug. Der Praxisbezug stellt das vorrangigste Kriterium dar, da die entwickelten Lösungsvorschläge einfach und schnell umsetzbar und zugleich Wirkung entfalten sollen. Aufgrund der hervorragenden Qualität der eingereichten Arbeiten wurde der erste Platz zweimal vergeben und dafür der zweite Platz übersprungen.

Die Preisträger

Tobias Heldt: Immobilien- und Standortgemeinschaften – ein Instrument für die Entwicklung des Stadtbezirkszentrum Bonn-Bad Godesberg. Diplomarbeit am Geographischen Institut der Uni Bonn.
Immobilien- und Standortgemeinschaften (ISG) sind ein noch relativ junges Instrument der Stadtentwicklung, das langfristig neue Perspektiven für die Stärkung von Stadtteilzentren eröffnet. Dieser seit über 30 Jahren in Nordamerika erfolgreich angewandte Ansatz zur Stabilisierung und Revitalisierung von Innenstädten und Stadtteilzentren bündelt die inneren Quartierskräfte von Gewerbetreibenden und Grundeigentümern in einer verbindlichen Kooperationsstruktur. „Weil die Diplomarbeit den Charakter eines Regiebuches zur Einrichtung einer ISG in Bad Godesberg besitzt und zugleich hohen wissenschaftlichen Standard aufweist, wurde sie von der Jury mit dem ersten Preis und 750 Euro ausgezeichnet“, so Werner Wingenfeld, Stadtbaurat in Bonn und Jurymitglied. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass sowohl genügend potenzielle Mitglieder als auch motivierte Schlüsselakteure für die Initiierung einer „ISG Koblenzer Straße“ vorhanden sind. „Sowohl Gewerbetreibende als auch Immobilieneigentümer profitieren von der Errichtung einer ISG, da mit Mitteln aus der ISG der öffentliche Raum aufgewertet wird“, so Tobias Heldt.

Erstsemesterstudio „am_rhein“ der Universität Kassel, Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung, betreut von Prof. Dr. Jürgen Aring.
Die Studierenden haben im November 2009 Bad Godesberg für einige Tage besucht. Insgesamt wurden vier planerische Konzepte zu den Themenfeldern Handelslandschaft, Junge Stadt, Seniorenfreundliche Stadt, Stadtidentitätsbildung entworfen. So wird beispielsweise für das Konzept „Handelslandschaft“ die Idee entwickelt, die vorhandene A-Lage durch Konzentration und klare, gestalterische Abgrenzung zu stärken und gleichzeitig neue Identitäten für angrenzende Gebiete zu schaffen (Dienstleistungsviertel, Kneipenviertel etc.). „Die Arbeit überzeugt durch Ideenreichtum, Witz und innovative Konzepte“, so Stadtplaner und Jurymitglied Sigurd Trommer. „Insbesondere die Unterscheidung in eine Tagachse, die zentral in der Innenstadt liegt und einer Nachtachse, die sich am äußeren Rand der Innenstadt befindet, steht exemplarisch für die Kreativität der Studierenden“, so Trommer. Besonders überzeugend ist dabei, dass sich die Studenten auch der Zielgruppe Jugendlicher ausführlich widmen und für diese die stadträumlichen Funktionen neu ordnen. Daher wird das Erstsemesterstudio „am_rhein“ ebenfalls mit dem ersten Platz und 750 Euro ausgezeichnet.

Julian Meyer-Kossert: Stadtgestaltung und Raumwahrnehmung – Aufenthaltsqualitäten im Godesberger Stadtteilzentrum aus Sicht der Bürger. Diplomarbeit am Geographischen Institut der Universität Bonn.
Meyer-Kossert kommt zu dem Schluss, dass die Aufenthaltsqualität aus Sicht der Befragten kaum noch den Ansprüchen einer modernen Innenstadt genügt. Dies betrifft vor allem die Stadtmöblierung, die Verkehrssituation in der Koblenzer Straße, die Bahnunterführung und das Gefühl der Bedrohung in den Abendstunden. Demgegenüber stehen aber auch positive Aspekte der Innenstadt, wie etwa das unmittelbare Umfeld der Fronhofer Galeria, die neugestaltete Bürgerstraße und die vielfältige Cafe- und Außen-gastronomie. „Die Stärke dieser Arbeit liegt in der Berücksichtigung zahlreicher Einzelaspekte und eines umfangreichen Maßnahmenpakets,“ erläutert Kurt Schmitz-Temming von der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Hervorzuheben ist die Darstellung des gefühlten Bedrohungspotential mittels einer „Emotion-Map“. „Angsträume sind Gift für den Einzelhandelsstandort Bad Godesberg“, so Kurt Schmitz-Temming weiter. Um das Erscheinungsbild zu verbessern, empfiehlt Meyer-Kossert beispielsweise eine einheitliche Stadtmöblierung nebst Einrichtung eines entsprechenden Beirats aus Verwaltung, Wirtschaft und Politik. „Viele der Befragten empfinden zudem die Fußgängerzone als zu groß, eine optisch bessere Abtrennung kann hier Abhilfe schaffen“, führt Julian Meyer-Kossert aus. Aufgrund der Vielzahl von einfachen Handlungsempfehlungen und der innovativen Kartierung wird die Arbeit mit dem dritten Platz und 250 Euro ausgezeichnet.