Ausbildung

Sicherheit in Unternehmen - von Anfang an

10.06.2011

Schwarz gebeizt und grün gepolstert: In den Original-Klappstühlen des ehemaligen Deutschen Bundestages in Bonn können Besucher den parlamentarischen Anfängen Nachkriegsdeutschlands nachspüren. Auch der erste Dienstwagen von Bundeskanzler Konrad Adenauer – ein schwarzer Mercedes-Benz 300 –, der begehbare Rumpf eines „Rosinenbombers“ aus der Zeit der Berlin-Blockade 1948/49 oder eine Eisdiele aus den 1960er Jahren lassen Geschichte lebendig werden. Das Haus der Geschichte in Bonn macht es möglich. Kaum auszudenken, wenn hier ein Feuer oder Einbrecher wüten würden. Deshalb muss alles getan werden, um die Besucher, Originalobjekte und -dokumente zu schützen.

Uwe Morenz und Stefan Bertram sorgen dafür, dass zumindest die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse extrem reduziert wird. Morenz ist im Haus der Geschichte (HdG) Sachbearbeiter für Sicherheit und Sonderveranstaltungen, Bertram Auszubildender. Der Beruf, den er lernt, heißt: Fachkraft für Schutz und Sicherheit.
Wie viele öffentliche Einrichtungen hat auch die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland mit dem Schutz von Menschen und Gegenständen ein externes Sicherheitsunternehmen beauftragt. Das Museum geht aber noch einen Schritt weiter: „Wir brauchen auch Fachwissen im Haus selbst“, erläutert Sicherheitsmitarbeiter Uwe Morenz.

Deshalb bildet die Stiftung an ihrem Standort Bonn seit sieben Jahren junge Menschen zu Fachkräften für Schutz- und Sicherheit aus. Die Auszubildenden lernen zum Beispiel die Brandschutzordnung, die Evakurierungspläne sowie die Einbruch- und Brandmeldetechnik innerhalb der komplexen Strukturen eines großen und renommierten Museums umfassend kennen und anwenden. Auch in die Sicherung öffentlicher Veranstaltungen sowie in die Zusammenarbeit mit dem externen Sicherheitspersonal sind sie frühzeitig eingebunden. Am Ende der Ausbildung können die Sicherheitsfachkräfte zur Wahrnehmung der vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben im Sicherheitsbereich verantwortlich beitragen.

interschutz: Die Leitstelle - ein Unternehmensbereich, den Azubis während ihrer Ausbildung kennenlernen.

Apropos Intergruppe: Die bildet selbst im Beruf „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ aus. Zu der Bonner Unternehmensgruppe mit insgesamt rund 1.200 Mitarbeitern gehören unter anderem die beiden Sicherheitsunternehmen interschutz-nord GmbH und interschutz-süd GmbH. Interschutz-nord hat seinen Sitz in Bonn und beschäftigt hier rund 850 Mitarbeiter. Spannend für Auszubildende: Sie lernen alle Unternehmensbereiche kennen, also auch die eigene VdS-zertifizierte Notruf- und Service-Leitstelle, wie sie in der Region nur eine Handvoll Sicherheitsfirmen betreibt. Von hier aus werden zentral zahlreiche Kundeneinrichtungen überwacht, von Schließzeiten über Einbruchs- und Brandmeldungen bis zu Störungen etwa der Klimaanlagen in Serverräumen – je nachdem was die Kunden kontrolliert wissen möchten. Zum Kundenkreis gehören Unternehmen, Behörden und zahlreiche kulturelle Institutionen, in Bonn etwa das Museum König und das Haus der Geschichte. Ein spannendes Betätigungsfeld für den Sicherheitsnachwuchs. Und ein aussichtsreiches: „Wir bilden aus Überzeugung aus und für den eigenen Fachkräftebedarf“, betont die geschäftsführende Gesellschafterin Birgit Ritschl, deren Vater das Unternehmen 1976 gegründet hat.

Auch die Bonner Niederlassung der Karlsruher SIBA Bewachungsdienst Werkschutz GmbH bildet aus. Der Grund lautet ebenfalls: Fachkräftemangel. „Mit Ausbildung sichern wir unseren eigenen Nachwuchs“, erklärt Detlev Schössow, Objektgruppenleiter bei SIBA in Bonn. Das Unternehmen mit rund 80 Festangestellten im Raum Köln-Bonn bietet Werkschutz-Dienstleistungen an, vor allem für die öffentliche Hand. Zu den Kunden in der Region zählen Museen ebenso wie Ministerien. „Es ist schwierig, auf dem Markt gut ausgebildete Fachkräfte zu finden, die zu uns passen“, weiß Schössow. Folglich nimmt SIBA die Dinge selbst in die Hand. „In drei Ausbildungsjahren lernen wir die jungen Leute sehr gut kennen und können ihre Stärken und Schwächen beurteilen“, so Schössow, „außerdem können wir sicherstellen, dass sie alles lernen, worauf es in unserem Unternehmen ankommt.“ Gut für die Azubis bei SIBA: Die Sicherheitsexperten betreuen viele Objekte mit hohem Schutzfaktor – entsprechend viel und Unterschiedliches gibt es zu lernen. Das Spektrum reicht beispielsweise von der einfachen Videoüberwachung mit zwei Kameras bis zu computergesteuerten Überwachungsanlagen mit Dutzenden von Kameras und Bewegungsmeldern. Zurzeit lernt bei SIBA in Bonn ein Azubi, im Sommer kommen zwei weitere hinzu.

Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn