„Bonn muss alles auf die Marke Beethoven setzen“

Interview mit Michael Schlößer, Inhaber und Betreiber des BaseCamps und weiterer Hotels in Bonn

17.12.2019

Michael Schloesser, Inhaber und Betreiber des BaseCamps und weiterer Hotels in BonnMichael Schlößer ist „ne bönnsche Jung“ – und schnupperte schon als Kind Hotel- und Gastronomieluft. Seine Eltern betrieben ein Hotel sowie das Sternerestaurant „Le Marron“ in Lengsdorf. Schlößer absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und bildete sich in Betriebswirtschaft weiter. Heute betreibt er das BaseCamp und das Bonnox Boarding House & Hotel in Dottendorf, das Hotel Platzhirsch in Duisdorf sowie Rheinland – Das Hotel mit Botschaft in der Bonner Innenstadt.

Ehrenamtlich engagiert er sich unter anderem im IHK-Ausschuss für Kultur und Tourismus, als Vorsitzender der Kreisgruppe Bonn des DEHOGA Nordrhein sowie im Vorstand des Tourismus- Fördervereins Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler. Ein Gespräch über die Marke Beethoven, Bonn als Reiseziel und nachhaltige Jubiläumseffekte.

„Die Wirtschaft“: Herr Schlößer, lieben Sie Beethoven?

Michael Schlößer: Ich gebe zu, Beethoven spielte in meiner Entwicklung früher keine so große Rolle. Ich habe beispielsweise leider nie ein Musikinstrument erlernt. Mein erster Berührungspunkt war ein Besuch im Beethoven-Haus. Später dann, als Unternehmer, standen immer wieder Hotelgäste vor mir, die wegen Beethoven nach Bonn gekommen waren. Dadurch habe ich mich verstärkt mit Beethoven beschäftigt und bin mir der Bedeutung Beethovens für die Stadt bewusst geworden.

Im Foyer Ihres Bonnox Boarding House & Hotels in Dottendorf steht eine große Beethoven-Figur. Weshalb?

Wir haben sogar zwei davon. Das geht zurück auf eine Aktion des Einzelhandelsverbandes in Bonn, wir haben damals die letzten beiden Skulpturen aus einer Serie von 100 Stück erworben. Als Bonner Hotel identifizieren wir uns mit der Stadt und mit ihrem berühmten Komponisten, und das wollen wir dadurch deutlich machen und nach außen tragen.

Freuen Sie sich als engagierter Unternehmer auf das Beethoven-Jubiläumsjahr?

Auf jeden Fall. Das Jubiläum bietet eine große Chance, dass die Verbindung von Bonn und Beethoven besser in den Köpfen verankert wird, als das meines Erachtens bisher der Fall ist. Beethoven ist hier geboren, das kann uns niemand nehmen.

Aber es muss noch viel bekannter werden. Dazu hat übrigens exemplarisch die tolle Kunstaktion auf dem Münsterplatz vor einem halben Jahr mit den Beethoven-Figuren von Ottmar Hörl beigetragen. Das hat für Aufsehen gesorgt. Zwei davon haben wir übrigens erworben, die werden wir demnächst hier vorm Hotel aufstellen.

Der lächelnde kleine Beethoven von Hörl ist in vielen Geschäften zu sehen.

Genau, und das ist toll. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen und andere Geschäftsleute haben eine Skulptur erworben. Die stehen hoffentlich auch nach 2020 noch da, denn Beethoven muss noch mehr das Stadtbild prägen als bisher.

Kommen Ihre Gäste denn wegen Beethoven nach Bonn?

Bonn ist ein sehr vielseitiger Tourismusstandort und hat jede Menge zu bieten. Beethoven spielt dabei eine wichtige Rolle, er ist eine weltberühmte Marke. Aber die Marke Beethoven reicht im Moment allein noch nicht aus. Beethoven müsste im öffentlichen Raum noch viel mehr stattfinden. Aus der Sicht des Touristikers gesprochen: Bonn muss alles auf die Marke Beethoven setzen!

Hätte Ihrer Ansicht nach ein Festspielhaus dabei geholfen, die Beethovenstadt Bonn noch stärker zu profilieren?

Ja, keine Frage. Es gab ja auch ein umfangreiches unternehmerisches Engagement für ein Festspielhaus. Auch die Hotellerie und Gastronomie hat sich stark eingesetzt. Ich erinnere an die Genossenschaft, die wir damals gegründet hatten und die zwölf Millionen Euro zur Fertigstellung beisteuern wollte.

Wir sind traurig, dass es kein Festspielhaus gibt und blicken neidisch nach Hamburg zur Elbphilharmonie, die ja längst zum eigenen Reiseziel geworden ist – sogar ohne Musik – und das Stadtbild prägt. Bonn fehlt so ein markantes, modernes Gesicht.

Nun sind Unternehmer ja von Berufs wegen optimistisch. Also: Was erwarten Sie nun im Jubiläums-jahr ohne Festspielhaus und Beethovenhalle?

Wir gehen zuversichtlich davon aus, dass das Jubiläum der Stadt Bonn und damit natürlich auch den Hotels und gastronomischen Betrieben, aber auch den Einzelhändlern, viele zusätzliche Gäste und viel Aufmerksamkeit bescheren wird. Das umfangreiche und qualitativ hochwertige Programm trägt dazu ebenso bei wie beispielsweise der neue Beethoven-Rundgang.

Welchen Beitrag leisten Sie selbst zum Jubiläumsjahr?

Wir bereiten mehrere Aktionen vor. Eine davon wird sich sogar über ein halbes Jahr erstrecken: Wir werden eine zwei Meter 40 große, sitzende Beethoven-Figur bei uns im BaseCamp haben, neu geschaffen von der Bonner Künstlerin Jana Merkens. Ihr Stil ist an Madame-Tussauds-Figuren angelehnt. Beethoven residiert sozusagen im BaseCamp! Vor einigen Monaten erfuhren wir von dem Kunstprojekt und sprachen die Künstlerin darauf an. Nach einem Besuch bei uns BaseCamp war sie damit einverstanden, ihrer Figur hier für einige Monate eine Heimat zu bieten.

Was planen Sie noch?

Am 7. März wird das Beethoven-Orchester unter Dirk Kaftan ein Konzert in der Reihe „BaseCamp Neue Musik“ bei uns geben. Das ist dann bereits das dritte Mal, das wir zusammenarbeiten, und es ist jedes Mal ein Highlight. Was genau geplant ist, entscheidet natürlich das Orchester.

Nochmal zurück zu Bonn und der Marke Beethoven. Gibt es denn Reisetrends, die einer Destination wie Bonn in die Hände spielen?

Auf jeden Fall. Ein interessantes Beispiel: Vielleicht haben Sie schon mal das Wort „Bleisure“ gehört? Es setzt sich zusammen aus „Business“ und „Leisure“, also „Wirtschaft“ und „Freizeit“. Gemeint ist die Dienstreise, die freiwillig verlängert wird.

Immer häufiger hängen Geschäftsreisende noch eine Nacht an ihren Termin dran oder reisen einen Tag früher an. Viele machen das, weil sie etwas von der Stadt sehen wollen, in die sie reisen, anstatt direkt nach dem Kongress oder dem Firmentermin zurückzufliegen. Ich mache das selbst auch. Bonn hat ein hohes Geschäftsreiseaufkommen und ist nun mal keine A-Destination wie Berlin, Paris oder Barcelona.

Bonn ist selten ein Reiseanlass an sich – aber sehr wohl ein interessantes Ziel, wenn man denn ohnehin hierher oder in die Region kommt. Umso mehr könnte die Stadt von genau diesem Reisesegment profitieren. Dazu müssen die Menschen spannende Anlässe haben – und hier kommt zum Beispiel auch Beethoven ins Spiel. Er kann ein Anker sein.

Das Beethoven-Jubiläum kommt also gerade recht?

Ja, wobei ich die größeren Effekte gar nicht so sehr im Jubiläumsjahr selbst sehe, auch wenn bereits 2020 Stadt und Wirtschaft profitieren werden. Sondern in den Jahren danach. Wenn das Jubiläumsjahr gut läuft, wirkt es nachhaltig.

Inwiefern?

Ich vergleiche das ein bisschen mit der Fußball-WM 2006 in Deutschland – das „Sommermärchen“. Deutschland hat sich damals als perfekter Gastgeber gezeigt – und bereits im Folgejahr konnten wir Hoteliers erleben, dass viel mehr ausländische Gäste nach Deutschland kamen als zuvor. Einen solchen nachhaltigen Effekt verspreche ich mir für die Region Bonn auch vom Beethoven-Jubiläum – nämlich wenn es dazu beiträgt, die Kombination aus Beethoven und Bonn weltweit bei viel mehr Menschen zu verankern.

Das Interview führte Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn