Das Bonner Modehaus Tyrasa heißt nun Appelrath-Cüpper

Die Zeit ist reif für ein neues Image

11.11.2010

Das braune Vordach ist verschwunden, statt dessen sorgt eine neue Schaufensterfront für Offenheit. Das Entree ist nicht mehr hell ausgeleuchtet, sondern empfängt die Kundin in warmem Licht. Auch der Name hat sich geändert: Das Bonner Modehaus Tyrasa heißt jetzt AppelrathCüpper.

Dabei gehört das Haus bereits seit 1972 zur Reiner Appelrath-Cüpper Nachf. GmbH, die wiederum eine Tochter der Douglas Holding AG in Hagen ist. Der Name hat sich erst kürzlich geändert, nach einem dreimonatigen Totalumbau. „Es war an der Zeit zu investieren, weil wir an die Zukunft des Standorts glauben“, sagt Frank Rheinboldt, Vorsitzender der Geschäftsführung von AppelrathCüpper. „Tyrasa hatte in Bonn eine lange Tradition. Es stand immer für gediegene Damenmode.“ Zu den Kundinnen zählten Politikerinnen, Bundesbeamtinnen und andere Frauen gehobener Einkommensklassen, die sich für Büro und Freizeit ebenso wie für Konzertbesuche und Bälle einkleideten. Doch das Bonner Publikum hat sich mit dem Regierungsumzug und der Ansiedlung neuer Unternehmen stark gewandelt. Außerdem ist die Mode insgesamt lockerer geworden, der Stil im Büro weniger steif als früher. „Deshalb war die Zeit für einen Imagewandel unseres Bonner Hauses gekommen“, sagt Rheinboldt. „Die Kraft von AppelrathCüpper soll auch nach Bonn strahlen.“

Anspruchsvolle Mode in edlen Interieurs

Eine Million Euro hat das Unternehmen investiert, um sich jüngeren Kundinnen zu öffnen, ohne die Stammklientel zu verschrecken. „Wir wollen das Haus behutsam in die Zukunft führen“, meint André Howahl. Er kam Anfang 2008 aus dem Kölner Stammhaus nach Bonn, um das Haus als Geschäftsleiter zu führen und den Mitarbeitern neue Impulse zu geben. Inzwischen ist seine Mission erfüllt, der Umbau abgeschlossen.

 Geschäftsleiter André Howahl

"Wir müssen das Haus behutsam in die Zukunft führen."

Auf 1.100 Quadratmetern, die sich auf vier Etagen verteilen, finden die Kundinnen gehobene Damenbekleidung ganz neu präsentiert: „Russian Romance“ heißt die Geschichte, über die die aktuelle Herbst- und Winterkollektion vorgestellt wird. Die Fotos zu dieser Geschichte finden sich in den Schaufenstern, im Katalog, auf der Webseite und auf allen Etagen des Modehauses. Sie wurden im Grand Hotel Europe in Sankt Petersburg aufgenommen und zeigen anspruchsvolle Mode in edlen Interieurs. So trägt das Model vor golddurchwirkter Tapete Cashmere-Rolli und Kunstfellmütze. Zu Lederjacke und Schleifenbluse sind Wodka und Kaviar im Bild. „Wir haben hier im Haus auch die mittleren Preisklassen intensiviert“, erläutert Howahl. „Doch wir bleiben eindeutig in der Nische des gehobenen Facheinzelhandels. Wir kennen unser Profil und unsere Kundschaft und wollen Geschäfte, die es in ihrer Nische besser machen, nicht angreifen.“

Wirtschaftszeitschriften für die Herren

In der Exquisitabteilung probiert eine Kundin aus Meckenheim eine Strickjacke an. Die Farbtöne sind unterschiedlich grau, schwarze Perlen geben der Jacke Glanz. „Ich suche etwas Leichtes zum Überziehen an kalten Tagen oder Abenden“, sagt sie und dreht sich skeptisch vor dem Spiegel, um auch die Perlen auf dem Rücken sehen zu können. „Ich komme schon seit Jahren, seit Jahrzehnten sogar“, erzählt sie. „Hier fühle ich mich gut beraten. Denn ich muss etwas in die Hand gedrückt kriegen. Allein kann ich mich schlecht entscheiden.“

Auf Beratung wird viel Wert gelegt: Mit fünfzig Mitarbeiterinnen hat das Bonner Haus von AppelrathCüpper eine hohe Personaldichte.

Ihr Mann hat auf einem Sessel vor den Umkleiden Platz genommen. „Meine Frau legt Wert auf meinen Rat“, sagt er und gesteht gleich darauf: „Obwohl ich mich leicht überfordert fühle.“ Eine Einstellung, auf die das Modehaus vorbereitet ist. Das schwarze Ledersofa in der Mantelabteilung, in dessen Reichweite mehrere Wirtschaftszeitschriften liegen, ist für die begleitenden Herren gedacht. Während sie sich über Unternehmensentwicklungen informieren, nimmt eine der fünfzig Mitarbeiterinnen sich Zeit für die Kundin. „Unsere Mitarbeiter werden intensiv auf die Gastgeberrolle geschult“, sagt André Howahl. „Unsere hohe Personaldichte ist unsere absolute Stärke, da werden wir nicht dran rütteln.“

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn.