Die Sportschule Hennef ist nicht nur für Sportler offen

Am Nachbartisch sitzt Mehmet Scholl

10.06.2010

In der letzten Woche ihres Lehrgangs mussten sie ran: Christian Wörns und Bernd Schneider, die mit anderen ehemaligen Fußball-Bundesligaprofis ihre A-Lizenz zum DFB-Trainer machten, wurden geprüft: Zu Taktik und Trainingslehre, zu Sportrecht und –medizin, zu Gruppenansprache und Ernährungswissenschaft.

Die ehemaligen Fußball-Bundesligaprofis und Nationalspieler Christian Wörns (l.) und Bernd Schneider in der Sportschule Hennef.

Die beiden waren Teilnehmer eines DFB-Lehrgangs in der Sportschule Hennef. „Fußball ist unser Kerngeschäft“, sagt Andreas Eichwede, Leiter der Sportschule, deren Träger der Fußball-Verband Mittelrhein e.V. ist. Im Jahr 1950 wurde die Sportschule gegründet, nach dem WM-Sieg 1954 waren Nationaltrainer Sepp Herberger und seine Spieler Fritz Walter, Helmut Rahn und andere zu Gast. Heute ist die Sportschule mit einem jährlichen Umsatz von drei Millionen Euro ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Hennef. Sie hat 47 Mitarbeiter und zählt 33.000 Übernachtungen pro Jahr. Zum Vergleich: Hennef hat etwa 45.000 Einwohner.

Zu den Gästen zählten bereits viele Fußballmannschaften aus der Region, aber auch die argentinische Nationalmannschaft, Jürgen Klinsmann und Joachim Löw. Außerdem Sportler anderer Disziplinen wie die Deutsche Handball-Nationalmannschaft und Box-Profi Felix Sturm, der sich in Hennef bereits auf mehrere Kämpfe vorbereitet hat. Denn die Sportschule ist außerdem Bundesleistungszentrum für Boxen, Judo und Ringen.
„Unsere Gäste schätzen die Nähe zu Flughafen, Autobahn und ICE-Strecke ebenso wie unsere außergewöhnlich gute Küche“, sagt Eichwede. Denn den Köchen gelinge die Kunst, sportphysiologische Nahrung richtig schmackhaft zu machen. Hinzu kämen die guten Trainingsbedingungen, sei es auf den Naturrasenplätzen, in der ersten Kunstrasenhalle Europas oder der Boxhalle. Nur das Außenschwimmbecken sei seit drei Jahren nicht in Betrieb, weil es dringend saniert werden müsse. Es fehle ein sechsstelliger Betrag. „Als gemeinnützige Einrichtung haben wir schon vor langer Zeit beim Land NRW einen Förderantrag gestellt. Ich bin zuversichtlich, dass es 2011 mit der Sanierung klappt“, sagt Eichwede.

Felix Sturm, deutscher Profiboxer und WBA-Weltmeister im Mittelgewicht, bereitete sich in Hennef auf einige seiner Kämpfe vor.

Die Sportschule Hennef gewinnt inzwischen auch für Tagungen, Seminare und Events von Unternehmen, die nichts mit Sport zu tun haben, an Bedeutung. Die Deutsche Telekom, die Deutsche Post und Klosterfrau haben dort bereits Veranstaltungen organisiert, das Geschäftsfeld soll ausgebaut werden. „Es sind Unternehmen, die die Nähe zum Sport und unser besonderes Flair schätzen“, sagt Eichwede. „Wenn die Tagungsteilnehmer sich hier abends noch auf ein Bier zusammen setzen, kann es passieren, dass Mehmet Scholl am Nachbartisch Platz nimmt.“

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn