DigitalHub.de: Vorwärts in die Zukunft - der zweite Schritt

Digital Hub Region Bonn AG

11.10.2019

Der "Digital Hub" in BonnDie Adresse: Digitaler Hub Region Bonn AG, Rheinwerkallee 6, Rheinwerk-Bürocampus am Bonner Bogen. Im Erdgeschoss des zweiten Glaskastens hinten rechts, unmittelbar neben der Rohmühle, liegt der Eingang zu einer Fläche von 1.000 Quadratmetern Coworking Space auf zwei Etagen mit Arbeitsplätzen, einer Lounge plus Küche, Gesprächs- und Konferenzräumen.

Die Landesregierung fördert Digital Hubs in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Essen und Münster bis 2022 mit insgesamt 9,6 Millionen Euro. Ende Juli überreichte Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart die Bescheide für die zweite Förderphase. Der Bonner Hub erhält 2,25 Millionen Euro und damit die größte Summe aus dem Fördertopf.

Hier, in der kreativ-geordneten Welt zwischen kusche-ligen Ohrensesseln, einem herrlich alten Ledersofa, Industriestehlampen, superschickem Kicker und Schreibtischen von enormen Ausmaßen im „strukturierten Land hinter der Glastür“ werden von Startups mithilfe der verschiedenen Beratungs- und Unterstützungs-Angebote des Hubs geniale digitale Ideen ans Laufen gebracht, weiterentwickelt, vernetzt, vermarktet und verkauft.

Motivierende Umgebung

Die Nachbarschaft ist nicht nur spannend, sondern auch Ansporn. In seiner Immobilie Rohmühle hat sich der „Unternehmer aus Leidenschaft“ Dr. Jörg Haas niedergelassen. Der Visionär für die digitale Transformation und Experte für Künstliche Intelligenz ist nicht nur Gründer und Vorstand der Bonner Hightech-Beteiligungsgesellschaft HW PARTNERS AG, der BonnVisio Gruppe sowie der Invite Group, sondern sitzt auch im Aufsichtsrat der Digital Hub Region Bonn AG.

Und direkt auf dem Rheinwerk-Bürocampus befindet sich der Unternehmenssitz von Frank Thelen, vielen aus dem Fernsehformat „Die Höhle der Löwen“ ein Begriff. Dort wird nach Startups mit spannenden und lukrativen Geschäftsideen Ausschau gehalten. Zwei der vom Digital Hub betreuten Jungunternehmen haben es auch schon in die Sendung geschafft.

Accelerator und Inkubator: Talentschmiede für digitale Startups

Seit zweieinhalb Jahren berät, vernetzt und unterstützt der Bonner Hub bereits Gründende, die ein digitales Geschäftsmodell haben. Dafür erhält er Mittel des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (MWIDE) des Landes Nordrhein-Westfalen. Das MWIDE unterstützt in ganz NRW neben Bonn noch fünf weitere Hubs in Düsseldorf, Köln, Münster, Essen (Region Ruhr) und Aachen. Sie arbeiten eng miteinander sowie mit den Universitäten und Hochschulen vor Ort zusammen.

Einige der Newcomer, die im Hub betreut werden, sind mit ihren Projekten Ausgründungen eben dieser akademischen Talentschmieden – und genauso ist es vom Ministerium gewollt. „Solche Kooperationen sind sehr sinnvoll, ich hoffe sie werden in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen“, wünscht sich Heiko Oberlies, IT-Experte der IHK Bonn/Rhein-Sieg und als Botschafter bzw. „Ambassador“ des Digital Hub unterwegs, um Unternehmen aus der Region für eine Zusammenarbeit mit den Startups zu gewinnen.

Workspace Digital Hub Bonn

Die Neugründer mit zündender digitaler Geschäftsidee unterstützt der Hub durch das „Accelerator“-Programm: Sie können die Konferenzräume und Coworking Space am Bonner Bogen nutzen, erhalten Unterstützung beim Thema Finanzierung, werden mit Know-how rund um die für sie relevanten Themen versorgt und haben zudem die Möglichkeit, sich mit anderen Startups oder Unternehmen zu vernetzen. So sollen aus Ideen schnell tragfähige Unternehmen entstehen.

Aber auch bereits bestehenden Unternehmen greift der Digital Hub mit Programmen wie „incubation as a service“ bei Digitalisierungs- bzw. Innovationsprojekten unter die Arme. Abseits vom Tagesgeschäft können mittelständische Betriebe beispielsweise eigene innovative Projekte vorantreiben und dabei das Know-how des Hub nutzen – etwa um die Ideen durch Fachleute aus der Wissenschaft prüfen zu lassen oder mit Startups zusammenzuarbeiten.

Darüber hinaus fördert der Digital Hub mit dem Veranstaltungsformat „Corporate Innovation Slam“ den Wissensaustausch zu digitalen Technologien und Geschäftsmodellen zwischen Geschäftsführern und Innovationsmanagern großer und mittelständischer Unternehmen aus NRW und vermittelt dabei auch neue Partnerschaften zu Startups.

In diesem Jahr ist Halbzeit der auf sechs Jahre angelegten Förderung des Digital Hub Bonn. In unserem Interview zieht der Geschäftsführer des Digital Hub, Ivan Ryzkov, eine erste Bilanz.

Die Wirtschaft:
Herr Ryzkov, der Digital Hub hat mittlerweile zweieinhalb Jahre der Förderung hinter sich. Aus welchen Töpfen kommen die Gelder und was ist damit alles möglich?

Ivan Ryzkov: Der Digital Hub wird vom MWIDE (Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen) im Rahmen des Projekts Digitale Wirtschaft NRW (DWNRW)-Hub gefördert. Dabei werden 50 Prozent der Kosten für digitale Hubs zur Unterstützung von digitalen Startups und Gründern übernommen. (Mehr dazu unter www.wirtschaft.nrw/dwnrw-hubs)
Weitere Unterstützung kommt von privaten und öffentlichen Partnern. Neben Unternehmern und Unternehmen sind viele Institutionen - unter vielen anderen Stadt und Kreis - die Wissenschaft mit Uni und Hochschule sowie Banken und Sparkassen engagiert.

Wenn Sie zurückschauen, was ist in dieser Zeit erreicht und umgesetzt worden?

Wir haben in den vergangenen Monaten über 600 Beratungsgespräche mit Gründern geführt und haben 50 Startups im Accelerator begleitet. Daraus sind acht Beteiligungen entstanden, an der neunten arbeiten wir gerade. Dazu kommen zahlreiche Events - vom kleinen wöchentlichen Tech-Meetup bis zum Summer Slam mit über 2.000 Teilnehmern. Insgesamt waren wir also recht erfolgreich.

Wie sehen die Zukunftsperspektiven kurz-, mittel-und langfristig aus?

Dank der in zweieinhalb Jahren gesammelten Erfahrun-gen wissen wir mittlerweile genau, wie wir digitale Star-tups gezielt unterstützen können. Darauf wird auch künftig ein wesentliches Augenmerk unserer Tätigkeit liegen. Und darauf, uns an einer Reihe von weiteren interessanten, innovativen und erfolgversprechenden Startups zu beteiligen. Bisher ist uns das bei Digital-Gründungen wie Deskcloud, Billyard, Trackle, Spotilike, Startupzoom, Code Intelligence, YesWeDo und Furryfit gelungen.

Die beiden Standbeine der Begleitung durch den Hub sind Startup–Förderung und Digitalisierung von und in Unternehmen. Worauf kommt es für eine erfolgreiche Umsetzung und Implementierung besonders an?

Ziel ist vor allem die Förderung von digitalen Startups. Die digitale Transformation von etablierten Unternehmen wollen wir vor allem durch die Vernetzung mit digitalen Startups und deren Produkten vorantreiben.

Welche Bereiche sind Ihnen ein besonderes Anliegen?

In erster Linie die Unterstützung von Gründern bei den Themen Finanzierung, Infrastruktur, Netzwerk und Know-how. Und besonders wichtig ist es, Aufmerksamkeit für unsere Startups und deren innovative Lösungen zu generieren.

Welche Angebote werden in Kürze neu angegangen?

Der weitere Ausbau des Accelerator-Programms ist unser nächstes Projekt. Hier wird Startups sowohl mit Wissen als auch mit Ressourcen unter die Arme gegriffen – zum Beispiel bei der Entwicklung einer Unternehmensidee bis zur Marktreife. Im Gegenzug für Coaching und Unterstützung bekommt der Accelerator (der Hub), einen vorher vereinbarten Anteil an dem Unternehmen (und somit perspektivisch an der zukünftigen Gewinnausschüttung).

Welchen Mehrwert hat der Hub für die Region?
Ivan Ryzkov: Wir sorgen dafür, dass digitale Gründer und Talente bei uns die richtigen Bedingungen vorfinden, sodass sie nicht für Gründung, Aufbau bzw. Skalierung ihres Startups ins Silicon Valley oder nach Berlin ziehen zu müssen. Damit leistet der Hub auch einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Region.

Stephanie Bulang-Matern


„Der Digital Hub ist ein beeindruckendes Beispiel von Public-private-Partnership: Partner aus Land und Kommunen haben sich mit Unternehmen, Universität und Hochschule und der IHK zusammengetan, um eine Infrastruktur aufzubauen, die es vorher nicht gab.
Digitale Startups finden in Bonn/Rhein-Sieg nun die Unterstützung, die sie brauchen, um erfolgreich zu wachsen. Davon profitieren auch nicht-digitale Unternehmen, die auf der Suche nach ihrer Digitalisierungsstrategie sind, weil sie im Hub Gesprächspartner finden, die ihnen dabei helfen können.“

Dr. Hubertus Hille
Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg und Aufsichtsratsvorsitzender der Digital Hub AG