DSG Canusa: Wenn's dicht sein soll

Industrieunternehmen aus der Region

09.09.2019

Collage DSG CanusaDort wo Kabelverbindungen geschützt werden müssen, kommt es besonders auf die Isolierung, Abdichtung und Langlebigkeit dieser Verbindung an. Dafür stehen die Produkte der DSG-Canusa GmbH. Das Unternehmen mit knapp 300 Beschäftigten ist als Tochterunternehmen eines kanadischen Konzerns in aller Welt aktiv – und in Rheinbach zu Hause. Hier präsentiert es sich am 19. September zum zweiten Mal der Öffentlichkeit im Rahmen der „Langen Nacht der Industrie“.

Wenn man zu einem weltweit agierenden Konzern mit Stammsitz im kanadischen Toronto gehört, ist die Verkehrssprache Englisch, ganz klar. Doch es wäre zu schade, würde man die Produkte der DSG-Canusa GmbH in Rheinbach nur mit ihrem Divisionsnamen – „Connection Systems“, also „Verbindungssysteme“ – vorstellen. Der trifft es natürlich – und bleibt zugleich doch allgemein.

Das deutsche Wort hingegen ist ein Zungenbrecher – aber ein wunderschöner. Und es enthält zugleich in kürzester Form bereits die Erklärung dafür, wie die Verbindung eigentlich gesichert wird. Das Wort heißt: Schrumpfschläuche.

Denken wir uns zwei Kabelenden, in der Regel Kupferdraht, die miteinander verschweißt werden. Und zwar so, dass sie weiterhin den elektrischen Impuls weitergeben, geschützt von sämtlichen Umwelteinwirkungen, vor allem vor Feuchtigkeit, Abrieb und Schmutz. Dann sind Schrumpfschläuche ein gutes Mittel der Wahl. Sie werden auf die in der Regel geschweißte Verbindung aufgezogen und dann durch Wärmeeinwirkung so geschrumpft, dass sie die Kabelverbindung fest und vor allem dicht umschließen.

Etwas genauer: Im ersten Produktionsschritt stellt DSG-Canusa aus Kunststoffgranulat per Extrusion Schläuche her. Mit unterschiedlichen Wanddicken und Durchmessern. Nehmen wir als Beispiel einen Durchmesser von einem Zentimeter.

Im zweiten Produktionsschritt werden die Schläuche „vernetzt“, so lautet das Fachwort. Die Kohlen-Wasserstoff-Verbindungen des Materials werden durch Elektronenbestrahlung so verändert, dass die Schläuche sozusagen ein „Erinnerungsvermögen“ erhalten: Sie deformieren sich durch spätere Wärmeeinwirkung nicht willkürlich, wie man es von Plastik typischerweise kennt.

Im dritten Produktionsschritt, der Aufweitung, wird unser Ein-Zentimeter-Schlauch durch Luftdruck und Wärme derart aufgeweitet, dass der Durchmesser nun beispielsweise drei Zentimeter beträgt. Die „Schrumpfrate“ – ein wichtiges Zahlenmaß, das in den Produktkatalogen von DSG-Canusa bei jedem Schlauch angegeben ist – beträgt in unserem Beispiel also 3:1. Je nach Verwendungszweck erhält der Schlauch innen zusätzlich eine dünne Kleberschicht.

Wird dem Schlauch später Wärme zugeführt, „erinnert“ er sich seines ursprünglichen Durchmessers und schrumpft kontrolliert auf diesen zurück. Im Beispiel also von drei auf einen Zentimeter. Nun ist der Schlauch fertig, wird noch kundenspezifisch bedruckt und dann entweder in Stücke geschnitten und als Kartonware ausgeliefert oder auf Rollen gezogen.

Die Kunden benötigen dann ein spezielles Verarbeitungsgerät, wie sie zum Beispiel auch DSG-Canusa herstellt. Das über die zu dichtende Kabelverbindung gezogene Schlauchstück wird damit erhitzt – und schrumpft. Dabei verflüssigt sich zugleich der Kleber.

Aufgrund der veränderten Materialeigenschaft würde der Schlauch dabei eigentlich auf seinen ursprünglichen Durchmesser von einem Zentimeter zurückschrumpfen. Das geht aber nicht, weil die zu ummantelnde Kabelverbindung einen größeren Durchmesser hat, in unserem Beispiel zwei Zentimeter. Diese Differenz sorgt, zusammen mit dem Kleber, für die starke Abdichtung.

Zwei Mal um den Äquator – Jahr für Jahr

Blickt man von der Empore der modernen Produktionshalle, sieht man 25 Extrusionsmaschinen, aus denen kontinuierlich Schläuche kommen – und hunderte von Kabelrollen. Jahr für Jahr entstehen hier in Rheinbach 70.000 Kilometer Schrumpfschläuche – fast zwei Mal also könnte man die Jahresproduktion um den Äquator legen.

Davon hat der Ingenieur Helmut Arenz vermutlich nicht einmal geträumt, als er 1972 in Alfter die DSG-Schrumpfschlauch GmbH zunächst als reine Handelsgesellschaft gründete. Später zog das Unternehmen auf das Gelände der Firma Arenz in Meckenheim um und begann mit der eigenen Produktion von Schrumpfschläuchen. Ab den Achtzigerjahren richtete sich das Unternehmen verstärkt auf die Automotive-Branche aus.

1998 verkaufte Arenz das Unternehmen an den kanadischen Konzern Shawcor. Seitdem verbirgt sich das Wort „Schrumpfschlauch“ nur noch in der Abkürzung „DSG“, die ursprünglich einmal für „Deutsche Schrumpfschlauch-Gesellschaft“ stand. Shawcor fügte „Canusa“ hinzu – eine Wortschöpfung aus „Canada“ und „USA“.

Das weltweite Geschäft der Shawcor-Gruppe verteilt sich heute auf fünf Divisionen. Eine davon: Connection Systems. Die DSG-Canusa GmbH als 100-Prozent-Tochter von Shawcor sowie das Unternehmen ShawFlex bilden die beiden Geschäftseinheiten der Division. DSG-Canusa hat drei Standorte: Suzhou in China, Toronto sowie Rheinbach. Von hier aus werden die sogenannten „EMAR“-Märkte bedient, also Europa und Russland, der Mittlere Osten sowie Afrika.

Am Standort Rheinbach sitzt DSG-Canusa seit 2013. Der Umzug war nötig, da der alte Standort in Meckenheim durch die Schließung der Fertigung in Polen in 2009 aus allen Nähten platzte. Auch zwei kleinere Standorte in Thüringen und Großbritannien wurden nach Rheinbach verlagert. „Die Gelegenheit haben wir genutzt, um den Material- und Arbeitsfluss zu verbessern und Lean Management einzuführen“, erläutert Geschäftsführer Thomas Schmidt (s. Foto). Das habe einen enormen Schub gebracht.

Thomas Schmidt, Geschaeftsfuehrer DSG CanusaDas wiederum freut den Mutterkonzern, der laut Schmidt auch sonst von den Vorteilen des Standortes Rheinbach überzeugt ist. „Deutschland ist einer der wichtigsten Industriestandorte der Welt, wir sind hier an diesem wichtigen Markt und seinen Akteuren nah dran, mit exzellenten Verbindungen in der Luft, auf der Straße und auf der Schiene“, betont Schmidt.

Hauptabsatzmarkt: die Automobilhersteller weltweit

70.000 Kilometer Schlauch also pro Jahr. Die Zahl ist enorm. Wird aber schnell plausibel, wenn man sich eine simple Erkenntnis vor Augen führt. „Wo eine Kabelverbindung ist, muss meist auch isoliert werden“, sagt Schmidt. Zum Beispiel in Pkws. „Mehrere Kilometer Kabel ziehen sich durch ein Auto. Sie übertragen Signale oder Energie“, erläutert der Manager.

Das Geflecht aus allen Leitungen nennt man „Kabelbaum“. Im zweidimensionalen Modell sieht dieser ein wenig wie der U-Bahn-Netzplan einer Großstadt aus, verzweigt, mit dickeren und dünneren Strängen. Automotive ist der wichtigste Markt von DSG-Canusa – auch das erklärt die Bedeutung des Standorts Rheinbach aus Konzernsicht, denn zu den Kunden gehören alle großen Kabelbaum-Hersteller für nahezu alle bekannten Marken. Und auch mit den Autoherstellern selbst unterhält DSG-Canusa enge Kontakte. Bei diesen müssen sämtliche Komponenten-Hersteller nämlich einen aufwändigen Freigabeprozess durchlaufen.

Gleichzeitig werden immer wieder neue Automodelle entwickelt. „Entscheidend ist für uns dann die Designphase des Kabelbaumes“, betont Schmidt. Hier sind die Anwendungstechniker aus Rheinbach oft auch als Experten gefragt – und hoffen natürlich stets auf den Zuschlag bei der Serienproduktion.

Bei der „Langen Nacht der Industrie“ am 19. September würde sich das Unternehmen, wie im vergangenen Jahr, über viele Besucherinnen und Besucher freuen. „Wir möchten zeigen, was wir hier tun“, sagt Schmidt, „wir setzen auf Transparenz und wollen unsere Bekanntheit erhöhen.“ Dabei hat der Geschäftsführer auch neue Talente im Blick. „Wir spüren den Fachkräftemangel bei ausgebildeten Kräften, der Markt ist abgegrast“, sagt Schmidt. Die Zahl der Bewerbungen und ihre Qualität würden abnehmen.

Zudem werde die Belegschaft älter. „Der demografische Wandel wird bei uns in zirka fünf Jahren spürbar, dann gehen die Baby-Boomer in Rente“, weiß Schmidt. Auch deshalb bietet das Unternehmen fast 20 Ausbildungsstellen. Und hofft, wie gesagt, auch bei der „Langen Nacht der Industrie“, auf neugierige Talente, die mit DSG-Canusa eine nachhaltige Verbindung eingehen wollen.

Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn

DSG-Canusa GmbH

Geschäftsführer:  Thomas Schmidt
Gründung:           1972 in Alfter als DSG Schrumpfschlauch GmbH
Mutterkonzern:   Shawcor, Kanada

Umsatz:               zirka 55 Millionen Euro (2019)
Beschäftigte:       knapp 300
Azubis:                18
Standort:             Rheinbach

Produkte:            wärmeschrumpfende Produkte sowie Kälteschrumpftechnik (Abdichtung von Kabelverbindungen, Nieder- und Mittelspannungskabel und Zubehör, Absicherung von elektrischen Stromschienen, Abdichtung und Isolierung von Kabelverbindungen und -schuhen in Kabelbäumen im Automotive-Sektor), Verarbeitungsgeräte

Kunden:             Automotive (zwei Drittel des Umsatzes), Luftfahrt
Internet:            www.shawcor.com/connections-systems