Eine Entscheidung für die Zukunft Bonns

Festspielhaus Beethoven

13.04.2010

Maßgeblich auf Initiative des Bonner Kulturrates und seiner ehemaligen Sprecherin, Karin Hempel-Soos, begann nach der Jahrtausendwende die Diskussion über ein Festspielhaus zu Ehren Ludwig van Beethovens. Insbesondere die am Horizont stehenden Jubiläen (250. Geburtstag 2020 und 200. Todestag 2027) geben dieser Initiative ein Ziel. Sie gewann erheblich an Gewicht, als drei große Bonner Unternehmen - Post, Telekom und Postbank - sich bereit erklärten, den Bau finanzieren zu wollen. Nach dem Grundsatzbeschluss des Bonner Stadtrates vom 13. Juni 2007, der das Gelände der Beethovenhalle als Standort vorsieht, wurden in einem mehrstufigen internationalen Architektenauswahlverfahren  zwei Entwürfe ausgewählt, die beide den Abriss der alten Beethovenhalle voraussetzen. Seitdem wird der Umgang mit der historischen Bausubstanz der Beethovenhalle teilweise heftig diskutiert.

Baudenkmal Beethovenhalle

Die Beethovenhalle wurde vor 50 Jahren als Mehrzweckhalle erbaut und in den 90er Jahren unter Denkmalschutz gestellt. Sie hat ihre Aufgaben von der Bundespräsidentenwahl über Karnevalssitzungen, Sinfonie-Konzerte und Ü-30-Parties mit Bravour und Geduld erfüllt. Heute ist die Halle sehr abgenutzt und hat gerade als Konzertsaal der Beethovenstadt Bonn ausgedient. Wollte man das denkmalgeschützte Gebäude zu einem akzeptablen Konzerthaus umbauen,  wären einerseits enorme städtische Finanzmittel erforderlich, andererseits würden durch die Umbauten die denkmalrelevanten Eigenschaften der Alten Beethovenhalle in großem Maße beseitigt. Und in vielen Teilen bliebe es eben ein 50 Jahre altes Gebäude, das heutigen Ansprüchen an Funktion und energetische Optimierung nicht nachkommen kann.

Die Finalisten des Architekturauswahlverfahrens. Zaha Hadid legt einen geschliffenen "Diamanten" (oben) an den Rhein. Der extravagante Solitär mit den vielen Winkeln und Öffnungen ist mit seiner Längsseite zum Fluss ausgerichtet. Hermann & Valentiny formulieren ihre Idee für das Festspielhaus als bewegte Skulptur: "Die Wellen". Parallel zum Rhein soll das Gebäude nicht nur auf die Bewegungen des Wassers Bezug nehmen, sondern auch zur Musik Beethovens passen.

Ein Gebäude voller historischer und persönlicher Erinnerungen aufzugeben und abzureißen ist schmerzhaft, auch wenn stattdessen ein hervorragender Nachfolgebau kommt.  Ein solcher oft schmerzlicher Wandel ist von jeher Teil der Jahrhunderte alten Stadtentwicklung. Bedeutende Bauwerke wie der Kölner Dom und St. Peter in Rom wären dort nie entstanden, wenn man nicht die schönen Vorgängerkirchen geopfert hätte. Und es gäbe in Bonn keinen in der Welt einzigartigen Plenarsaal, wenn man nicht den für die Entwicklung der Bundesrepublik so geschichtsträchtigen Plenarsaal von 1949 abgerissen hätte. Auch das war schmerzhaft.

Stadtentwicklung

Bonn hat in den vergangenen 20 Jahren einen kaum für möglich gehaltenen Strukturwandel von der Bundeshauptstadt zu einer internationalen Stadt geschafft. Angesichts der relativ geringen Größe und Einwohnerzahl ist die Bedeutung Bonns – sie zählt zu den zehn wichtigsten Städten in Deutschland - ungewöhnlich zu nennen, wozu die Region mit Rhein-Sieg und Ahrweiler wesentlich beiträgt. Die Lebens- und Liebenswertigkeit kann nur gehalten werden, wenn in Stadt und Region weiterhin Spitzenleistungen angeboten werden. Nur so können weltweit operierende Firmen, Wissenschaftler, Vereinte Nationen und global operierende Verbände und Institutionen an Stadt und Region gebunden werden.

Wirtschaftliche Überlegungen

Nicht ohne Grund sind die drei Welt-Unternehmen und weitere Geldgeber aus der Wirtschaft bereit, ein neues Konzerthaus auf internationalem Spitzenniveau engagiert zu fördern, um diese Zukunftsausgabe zu meistern. Sie versprechen sich davon Vorteile für ihr Unternehmen, sei es im überregionalen Marketing oder in der wachsenden Attraktivität des Standorts, der gleichzeitig Wohnort für die zahlreichen Mitarbeiter ist. Anstrengungen und Aufwendungen für Spitzen-Infrastruktur, also auch für ein Festspielhaus, sind Investitionen in den Erhalt und die Stärkung der Wirtschaftskraft, den Erhalt und die Vermehrung von Arbeitsplätzen und für die Zukunft der jungen Menschen in Bonn und der Region.

Musik einmal anders erleben

Neues Projekt "Jung und Neugierig - Beethoven für Azubis"

Wer würde nicht gerne einmal einen Tag mit echten Künstlern erleben? Auszubildende aus allen Lehrjahren und sonstige Mitarbeiter/innen haben beim Bonner Beethovenfest 2010 (10. September bis 9. Oktober) die Chance, professionelle Künstler aus der klassischen Musik zu treffen. Der Erlebnisseminartag beginnt um 13 Uhr mit einem kleinen Imbiss. Danach folgt der Workshop, wo das eigene Erleben von Musik im Vordergrund stehen soll. Woher weiß ein Orchester, wer, wann spielen muss? Aufklärung zur Tätigkeit eines Dirigenten gibt es beim Workshop. Danach folgt die Konzerteinführung und dann gibt es für die Azubis was auf die Ohren: Um 20 Uhr beginnt das gemeinsame Konzerterlebnis. Schluss ist um 22.30 Uhr mit einem Treffen mit den Künstlern. Der ganze Spaß kostet rund 300 Euro pro Teilnehmer. Hier werden Unternehmen gesucht, die interessierten dieses außergewöhnliche Erlebnis ermöglichen.

Nähere Informationen gibt es bei Kurt Schmitz-Temming, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg,Telefon 0228 2284-142, E-Mail schmitz-temming(at)bonn.ihk.de.

Schülerpraktikantin Theresa Strohe, Friedrich-List-Berufskolleg

Die finanziellen Lasten, die die Stadt Bonn zu tragen hat, um das geplante Beethoven Festspielhaus dauerhaft zu finanzieren, sind historisch einmalig günstig. Die geplante Stiftung für den Betrieb wird in großem Umfang von öffentlichen und privaten Partnern getragen, nicht zuletzt vom Bund, der aufgrund der internationalen Bedeutung Beethovens die Stiftung mit einem Kapitalstock von 39 Millionen Euro ausstatten wird.

Dies alles führt zu der Schlussfolgerung, dass Bonn zum 250. Geburtstag Beethovens im Jahr 2020 ein Konzerthaus braucht, das dieses großen Weltbürgers würdig ist und das so rechtzeitig in Betrieb genommen wird, dass es noch einige Jahre eingespielt werden und seinen Platz im internationalen Musikleben finden kann. In der Kontinuität des Standortes der alten Beethovenhalle am Rhein, der zum jahrtausendealten Stadtgrund gehört, liegt eine große Kraft für ein neues Konzerthaus.   

Sigurd Trommer