Einzweck- oder Mehrzweck-Gutschein: Was sich im Umgang mit Gutscheinen ändert

Die neue Gutscheinrichtlinie

12.03.2019

Die neue GutscheinrichtlinieGeschätzt im Handel, bei Dienstleistern und Verbrauchern gleichermaßen, stellte sich für Unternehmen immer wieder die Frage nach der korrekten Umsatzbesteuerung von Gutscheinen. Die neue Gutscheinrichtlinie setzt an dieser Stelle an und schafft Klarheit durch konkrete Kriterien.

Gutscheine - lange galten sie als Geschenkidee für Menschen, die sich möglichst wenige Gedanken um eine passende Gabe für den Beschenkten machen wollten. Inzwischen sind sie aber auch bei den Empfängern oder Empfängerinnen sehr beliebt. Lassen sie ihnen doch meist große Flexibilität beim Zeitpunkt der Einlösung oder auch dem konkreten Gegenstand, den sie sich dafür aussuchen.

Ebenso gerne gesehen wie bei den Verbrauchern sind Gutscheine beim Handel und bei Dienstleistern. Ob stationär oder online – kaum ein Unternehmen mag heute noch darauf verzichten. Schließlich ermöglichen sie es dem Händler, neue Kundinnen und Kunden zu erreichen und dadurch den Umsatz zu steigern. Ein weiterer Vorteil: Die Kasse klingelt schon beim Verkauf des Gutscheins, obwohl das Unternehmen die konkrete Leistung erst zu einem späteren Zeitpunkt erbringen muss. Und da so mancher sein Geschenk gar nicht einlöst, wird aus diesem Vorfinanzierungseffekt oft sogar ein kompletter Zusatzumsatz.

Welche Gutscheine gibt es?

In welcher Form ein Händler oder Dienstleister seine Gutscheine gestaltet, bleibt seinen persönlichen und geschäftlichen Vorlieben überlassen. Die deutsche Finanzverwaltung hat bisher in Warengutscheine und Wertgutscheine unterschieden. Dabei können Inhaber und Inhaberinnen von Warengutscheinen diese nur gegen eine konkrete Ware einlösen. Die Auswahl hat dagegen, wer einen Wertgutschein in den Händen hält. Er oder sie können sich beim Händler oder Dienstleister etwas Beliebiges in Höhe des aufgedruckten Wertes aussuchen.

Ein Gutschein im Sinne der neuen Gutscheinrichtlinie muss erst einmal drei Kriterien erfüllen: Demnach darf es sich dabei nicht um einen Rabattgutschein handeln. Das Unternehmen, das den Gutschein aus-gibt, muss ihn als Gegenleistung für die eigene Leis-tung annehmen. Und auf dem Gutschein oder in seinen Nutzungsbedingungen muss die konkrete Leistung oder der Name des ausführenden Unternehmens klar benannt sein. Fehlt nur eine dieser drei Voraussetzungen, fällt der Gutschein nicht unter die Neuregelung.Nicht dazu zählen auch Fahrscheine, Eintrittskarten oder Briefmarken.

Die neue Gutscheinrichtlinie unterscheidet zwischen Einzweck-Gutscheinen und Mehrzweck-Gut-scheinen. Bei einem Einzweck-Gutschein liegen bereits bei seiner Ausstellung alle Informationen vor, die für die Umsatzsteuer relevant sind. Konkret sind das der Ausstellungsort und die Höhe der Umsatzsteuer. Fehlt mindestens eine der beiden Angaben, ist der Gutschein als Mehrzweck-Gutschein einzuordnen. 

Der richtige Zeitpunkt für die Umsatzsteuer

Entsprechend der Neuregelung unterliegen Einzweck-Gutscheine künftig bereits bei ihrer Ausgabe der kompletten Umsatzsteuer. Da bei ihnen alle steuerrelevanten Informationen vorliegen, sind sie so zu behandeln, als ob die zugrunde liegende Leistung beim Kauf des Gutscheins bereits erbracht wurde. Eine Anzahlungsbesteuerung, wie Unternehmen es bisher von Warengutscheinen kannten, gibt es hierbei nicht. Das heißt, löst der Inhaber oder die Inhaberin den Gutscheins ein, unterliegt dieser Vorgang keiner Besteuerung mehr.

Fließen bei einem Gutschein die Leistungen mehrerer Unternehmer ein, erfolgt die Besteuerung entlang der Leistungskette. Stellt zum Beispiel ein Veranstalter ein Erlebnispaket aus einem Event mit vorherigem Essen in einem Restaurant zusammen und kauft dafür dort einen Menü-Gutschein, versteuert das Restaurant dessen Wert sofort bei der Ausgabe des Gutscheins. Der Veranstalter wiederum versteuert den Gesamtwert beim Verkauf des Erlebnispakets und rechnet die Vorsteuer aus dem enthaltenen Menü-Gutschein dagegen.

Erhält der Veranstalter allerdings eine Provision für den Restaurant-Gutschein und gibt ihn zusammen mit dem Erlebnisgutschein im eigenen Namen aus, fällt die Besteuerung bei ihm und auch beim Restaurant zum Zeitpunkt des Gutscheinverkaufs an. Über den Verkauf muss er dann das Restaurant informieren, damit es seine Umsatzsteuer korrekt ermitteln kann.

Anders gestaltet sich die Ermittlung der Umsatzsteuer beim Mehrzweck-Gutschein. Da bei ihm zum Zeitpunkt der Ausgabe noch nicht alle steuerrelevanten Informationen bekannt sind, fällt die Umsatzsteuer erst bei der Einlösung an. Ermittelt wird sie nach dem Wert der Gegenleistung. Löst ein Kunde zum Beispiel einen Gutschein mit einem aufgedruckter Wert von 100 Euro bei einem Händler ein, für den er in einem Online-Portal nur 80 Euro gezahlt hat, ist die Umsatzsteuer auf den Wert von 100 Euro zu berechnen.

Entscheidet sich der Gutschein-Inhaber für eine Mischung aus Leistungen zum ermäßigten und zum Regelsteuersatz, ist die Umsatzsteuer entsprechend dem jeweiligen Wert aufzuteilen. Nur wenn es sich bei einer der Leistungen um eine untergeordnete Nebenleistung wie zum Beispiel Transportkosten handeln würde, wäre die Umsatzsteuer nach dem Steuersatz der Hauptleistung zu berechnen.

Der Umgang mit nicht eingelösten Gutscheinen

Ob vergessen oder vom Inhalt her unerwünscht – so mancher Gutschein wird vom Inhaber oder der Inhaberin gar nicht erst eingelöst. Auch wenn die neue Gutscheinrichtlinie hierzu keine Regelung festlegt, scheint das Vorgehen klar: Da beim Mehrzweck-Gutschein die Umsatzsteuer erst dann fällig wird, wenn sein Inhaber ihn einlöst, entfällt sie bei Nichteinlösung komplett. Genau umgekehrt verhält es sich beim Einzweck-Gutschein, da dort bereits der Kauf die Besteuerung auslöst. Eine Rückabwicklung der gezahlten Umsatzsteuer sieht die Neuregelung im Fall der Nichteinlösung allerdings nicht vor.

Martina Schäfer, Finis Kommunikation