Getränke-Service Vendel: Keine halben Sachen

Gewinner des Ludwig 2019

25.07.2019

Getraenke-Service Vendel liefert umweltfreundlich mit einem gasbetriebenen LkwWerner Vendel geht über den Hof seines Getränke-Services und bückt sich, um einen Nagel aufzuheben. Aus einer Palette stammt der Nagel nicht, dafür ist er zu lang. Egal, wie er auf den Hof gekommen ist, der Nagel muss weg. Ein Mitarbeiter könnte stolpern und sich verletzen. Ein Lieferwagen könnte einen platten Reifen bekommen, so dass eine Reparatur fällig würde. Vendel steckt den Nagel ein.

Der Inhaber und Geschäftsführer des Getränke-Service Vendel hat den Blick fürs Detail. Selbst bei Kleinigkeiten bedenkt Vendel die Folgen, sieht das große Ganze. So führt er sein Unternehmen seit 35 Jahren, denkt sich immer wieder Neues aus. Einen Internetauftritt mit Bestellseite hatte er bereits, als seine Industriepartner das Internet noch für eine Spielerei hielten. Für die erste Getränke-App Deutschlands erhielt er einen Preis des Webanbieters 1&1.

Als erster Getränkehandel führte er eine Etagengebühr ein, weil es für seine Mitarbeiter viel Arbeit ist, eine Sprudelkiste in den vierten Stock zu schleppen. Nun fährt das Unternehmen einen in Deutschland einzigartigen Erdgas-Lkw, um umweltfreundlich zu liefern. Außerdem gehören mehrere Elektrofahrzeuge zum Fuhrpark. Vendels Motto: „Keine halben Sachen.“

 Das Unternehmen von Werner Vendel wurde als bestes mittelständisches Unternehmen mit dem "Ludwig 2019" ausgezeichnet. Das Unternehmen von Werner Vendel wurde als bestes mittelständisches Unternehmen mit dem "Ludwig 2019" ausgezeichnet.

Für sein Engagement wurde Getränke-Service Vendel als bestes mittelständisches Unternehmen von der IHK Bonn/Rhein-Sieg und der regionalen Servicestelle der Oskar-Patzelt-Stiftung, SC Lötters, mit dem Ludwig 2019 ausgezeichnet. Den Grund für seinen Erfolg sieht Vendel vor allem in seiner Kundenfreundlichkeit: „Wir handeln nicht nur mit Getränken. Wir verkaufen eine Dienstleistung“, sagt er.

Milchmann mit modernem Management

Genau an seinem 18. Geburtstag im November 1983 holte Vendel – damals noch Gymnasiast – seinen Führerschein ab und meldete sein Gewerbe an. „Mein erster Kunde war ein Nachbar in der Bonner Weststadt, dem ich regelmäßig französisches Quellwasser nach Hause brachte“, erinnert er sich. Im Hausflur seines Elternhauses stapelten sich 150 Getränkekästen. Auch seinen ersten 3,5-Tonner nutzte er als Warenlager. Gleichzeitig absolvierte er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann.

Petra Wirtz nimmt Bestellungen auf. Petra Wirtz nimmt die Bestellungen entgegen. Besonderheit: umweltfreundliche Lieferung, z.B. durch einen erdgasbetriebenen Lkw.

In einer Zeit, als die Getränkemärkte nach und nach aus den Wohnvierteln verschwanden und als Discounter Kunden zunehmend mit niedrigen Getränkepreisen in ihre Läden lockten, positionierte Vendel sich am Markt – mit gutem Service. „Ich war branchenfremd und trat mit einem komplett anderen Outfit auf“, sagt er heute. „Ich wollte das Geschäft mit anderen kaufmännischen Methoden aufziehen, habe den Milchmann aus den 50-er Jahren mit modernen Managementmethoden reaktiviert.“

Service für Clinton und Gorbatschow

Vendel genoss es, seine Kunden persönlich zu beliefern. „Ich kannte in unserem Viertel jeden Keller. Wenn ich kam, riefen die Kinder: ‚Mama, der Sprudelmann ist da.’“ Die Freude ist ihm auch Jahrzehnte später noch anzumerken. „Meine liebste Kundin war eine liebenswerte alte Dame am Beethovenplatz. Da wäre ich auch für eine einzelne Flasche hingefahren.“ Später erfuhr Vendel, dass die Dame am niederländischen Königshaus als Amme gedient und die spätere Königin Beatrix großgezogen hatte.

Nach dem Besuch von US-Präsident Bill Clinton in Bonn bedankte sich dessen Team mit der bestmöglichen Internet-Bewertung für Vendels Getränke-Service. Auch Papst Johannes Paul II. und das sowjetische Staatsoberhaupt Michail Gorbatschow tranken Getränke von Vendel.

Ausstattungsverleih fuer Events: Der Auszubildende Lutz Heinrichs kuemmert sich Vendel verleiht u.a. Stehtische, Bierzeltgarnituren und Spültheken für Veranstaltungen. Der Auszubildende Lutz Heinrich kümmert sich um diese Events.

„Wir haben auch für 60.000 Personen Mineralwasser in die Rheinaue gefahren“, sagt Vendel, der inzwischen keine Kisten mehr schleppt. Das Unternehmen hat heute über 30 festangestellte Mitarbeiter. Aushilfen kommen hinzu. Vendel übernahm mehr als ein Dutzend kleiner Getränkemärkte, die aufgaben. Den Mitarbeitern bot er jeweils einen Job an.

Spendenwasser Saint Marcel

„Was können wir Ihnen bringen?“, fragt Petra Wirtz eine Kundin, die soeben beim Getränke-Service angerufen hat. Gemeinsam mit drei Kolleginnen sitzt Wirtz in einem der Büros über dem Hof auf dem Gelände der ehemaligen Kurfürstenbrauerei in Bonn. Es ist ein heißer Sommertag. „Die meisten bestellen Wasser“, sagt Wirtz.

Zu den Bestsellern gehört das Mineralwasser Saint Marcel, das hauseigene Wasser des Getränke-Service Vendel. „Wer das bestellt, tut etwas Gutes. Pro Kasten spenden wir 20 Cent an das Weihnachtslicht des Bonner General-Anzeigers oder an die Bürgerstiftung Bonn“, sagt Vendel. Mit seinem Spendenwasser aus der Rhenser Mineralquelle erfüllte er sich einen lang gehegten Traum.

Nicht ganz zufällig ist es nach dem französischen Ort Saint-Marcel in der Normandie benannt. „Der Name steht für französische Lebensart, außerdem habe ich mit französischem Quellwasser begonnen“, sagt Vendel. „Hinzu kommt, dass auch der Heilige Markus Gutes getan hat, sein Name passt zum Spendenwasser.“ Auch Vendels Sohn heißt Marcel. Der 16-jährige macht im Unternehmen seines Vaters eine Ausbildung zum Verkäufer. „Ich habe hier schon früh Flaschen sortiert, um mir mein Smartphone zu verdienen“, sagt Marcel Vendel.

Sohn Markus macht eine Ausbildung im Unternehmen von Werner Vendel Sohn Markus ist Auszubildender im Unternehmen von Werner Vendel

Er und sein Freund Lutz Heinderichs, ebenfalls Azubi bei Vendel, gehören zum Fachkräftenachwuchs. Zu ihren Aufgaben gehört auch, Großveranstaltungen mit Fassbier, Stehtischen, Bierzeltgarnituren und Kohlensäureflaschen auszustatten. Heinderichs freut sich bereits auf das Green Juice Festival in Bonn-Beuel, das im August stattfinden wird: „Da gibt es für uns Backstagekarten.“

Vendel ist es gelungen, ein Team zu schmieden. In seinem Unternehmen würde niemand sagen, dass der Chef den Mittelstandspreis mit Namen Ludwig gewonnen hat. Sowohl in den Lagerhallen als auch in den Büros herrscht ein ganz anderer Geist: „Wir haben den Ludwig gewonnen.“

Ursula Katthöfer, freie Journalisten, Bonn

 

Getränke-Service Vendel

Name:    Getränke-Service Vendel e.K.
Inhaber und Geschäftsführer:    Werner Vendel
Gründung:    1983
Zahl der Mitarbeiter:    33 plus Aushilfen
Standort:    Bonn, Gelände der ehemaligen Kurfürstenbrauerei
Kerngeschäft:    Getränke- und Zubehörlieferung an private Haushalte, Veranstaltungen und Unternehmen
Branche:    Getränkefachgroßhandel
Besonderheiten:    Umweltfreundliche Lieferung, z.B. durch einen erdgasbetriebenen Lkw, mehrere Elektrofahrzeuge sowie Dieselfahrzeuge der Euro-6-Norm
Website:  www.vendel.de