IHK-Ausbildungsberaterin Silvia Emmerich war die Beueler Wäscherprinzessin 2003/2004

"Mein Herzenswunsch ging in Erfüllung"

10.02.2010

An den weißen Spitzenhandschuhen klebten Rübenkraut und Schokolade. „Im Beueler Weiberfastnachtszug habe ich immer nur geworfen, mit vollen Händen“, lacht Silvia Emmerich. „Kartonweise Pröbchen mit Rübenkraut, 11111 Sparschweinchen aus Kunststoff, 11111 kleine Tafeln Rittersport Schokolade und sonstige Süssigkeiten säckeweise. Am Ende des Zuges habe ich die Handschuhe ausgezogen und diese in die Menge geworfen.“

Die Ausbildungsberaterin bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg strahlt immer noch, wenn sie an „ihre“ Session 2004 als Beueler Wäscherprinzessin Silvia I. denkt. „Ich bin jeck von klein auf“, gesteht die 28-jährige. „Die Beueler Weiberfastnacht als Wäscherprinzessin repräsentieren zu dürfen, war für mich, als echtes Beueler Mädchen, eine große Ehre.“

Traditionelle Vorbereitung

Silvia Emmerich, Ausbildungsberaterin der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

Dieses Amt bekleidet kein Beueler Mädchen von ganz allein, es gehören viele Unterstützer dazu: Die Familie,  Freunde, das eigene Damenkomitee, der Arbeitgeber, Sponsoren und nicht zuletzt der Arbeitskreis Beueler Weiberfastnacht. Silvia Emmerichs Session war lang geplant: „Als ich sechs Jahre alt war, wollte ich unbedingt Tanzmariechen werden“, erinnert sie sich. „Doch ich durfte zwar in eine Ballettschule, doch nicht ins Tanzkorps. Denn dessen Termine überschneiden sich im Karneval mit denen des Damenkomitees. Und aus einem dieser sechzehn Beueler Komitees kommt die Wäscherprinzessin.“ Also trat Silvia mit 16 Jahren dem Damenkomitee der „Fidelen Reisetanten“ aus Pützchen-Bechlinghoven bei. Eine Familientradition, denn Mutter, Tanten und die ältere Schwester gehörten bereits dazu. In der Session von 1998 der nächste wichtige Schritt: Die siebzehnjährige Silvia wurde Wäscherin, gehörte also nebst der damaligen Obermöhn Erna Neubauer und einer weiteren Wäscherin zum Gefolge der Wäscherprinzessin Martina I., ihrer älteren Schwester. „Eine weitere Tradition in Beuel ist, dass jede Wäscherprinzessin einmal Wäscherin gewesen sein muss.“ Als Wäscherin achtete Silvia darauf, dass die Wäscherprinzessin ihr Ornat nicht beschmutzte, sie reichte bei Ordensverleihungen die Orden aus einem Körbchen heran und passte auf, dass das Zepter – ein hölzernes Beueler Bröckemännche – nicht zu Schaden kam. Eine wichtige Lehrzeit für die spätere Wäscherprinzessin. „Schon damals träumte ich davon einmal im Leben Wäscherprinzessin in Beuel am Rhein zu sein.“

"Noch heute bin ich meinem Arbeitgeber und den Kolleginnen und Kollegen dankbar für die Unterstützung die ich in dieser Zeit erhalten habe", so Silvia Emmerich (2.v.r.) mit IHK-Präsident Dr. Ernst Franceschini (r.), Margy Franceschini und IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Swoboda (l.).

Der Traum der Beuelerin ging in Erfüllung, als die „Fidelen Reisetanten“ 7 mal 11 Jahre alt wurden. Aus Anlass des Jubiläums durfte das Damenkomitee die Wäscherprinzessin stellen und nominierte Silvia Emmerich. Die damals 22-jährige war bereits bei der IHK angestellt, sie ist noch heute dankbar für die Unterstützung ihres Arbeitsgebers. „Ich habe natürlich meinen ganzen Jahresurlaub genommen, doch jeder hatte Verständnis, wenn ich zu einem Karnevalstermin musste.“ Die Weiterbildungsgesellschaft der IHK und die Dr. Reinold Hagen Stiftung stifteten die Sparschweinchen, Kammerpräsident Dr. Ernst Franceschini, Grafschafter Krautfabrik in Meckenheim, steuerte das Rübenkraut bei. Wurfmaterial kam auch von Wolfgang Kessler, ehemaliger Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Kessler & COMP. GMBH & CO KG in Beuel. Er hat den rechtsrheinischen Karneval bislang jedes Jahr mit Süßwaren im Wert von bis zu 15.000 € unterstützt. Nicht nur die Wäscherprinzessin, auch die Liküra und zahlreiche Vereine konnten auf den Senator der Beueler Stadtsoldaten zählen. „Die Damen sind mir nicht unsympathisch“, scherzt er. „Die fünfte Jahreszeit ist für mich ´ne schöne Jahreszeit.“ Doch Silvia Emmerich wurde nicht nur finanziell unterstützt. Ungezählt sind die Stunden, die ihre Mutter am Bügelbrett stand, um das Ornat der Wäscherprinzessin in Form zu bringen. „Wir tragen ein blaues Unterkleid, darüber einen Rock aus weißer Spachtelspitze. Dazu eine mit Spitze verzierte Samtjacke und ein Spitzenhäubchen, das vom Aussehen an die traditionellen Wäscherinnen des 19. Jahrhunderts erinnern soll.“ All das wurde in der Session täglich gewaschen und gebügelt.

Anhaltende, auch der Arbeit nutzende, Popularität

Beim traditionellen Häubchen rupfen in der Nacht zum Aschermittwoch in der Beueler Kneipe „Zur Rheinbrücke“, war Silvia I. noch nicht klar, wie lange ihre Popularität andauern würde. „Noch heute werde ich von Beueler Unternehmern, die ich als Ausbildungsberaterin besuche, auf meine Zeit als Wäscherprinzessin angesprochen“, sagt sie. „Die Menschen kommen freundlich und interessiert auf mich zu. Davon profitiert auch meine Arbeit.“ Ihre Session will sie auf keinen Fall missen.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn