IHK Kunst Ausstellung

"Kopf- und Menschenlos"

10.05.2010

„Beide sind Maler. Beide malen mit Acrylfarben. Beide malen gegenständlich und beide wählen Themen aus dem Nahbereich. Beide waren Meisterschüler von Markus Lüpertz an der Düsseldorfer Akademie und haben seit Februar ihr Diplom in der Tasche. Die beiden sind aber nicht nur ein Künstlerpaar, sondern auch ein echtes Paar.

Peter Fleischer-Harkort entscheidet sich für ‚Frau’ als Sujet, seine Frau, allerdings taucht sie durchweg ohne Kopf auf. Auf den Bildern von Vanessa von Wendt sucht man Menschendarstellungen dagegen vergeblich. Sie greift auf ganz banale Dinge des Alltags zurück, von der Eiswaffel über Vasen bis zu Stühlen und Sonnenschirmen. Peter Fleischer-Harkort betont flächige Malweise, Vanessa von Wendt dagegen bevorzugt einen gestisch-fleckhaften Farbauftrag. Bei ihm ist die Pinselspur vertrieben, bei ihr ist sie in ihrer Bewegung sichtbar. Er wählt einen monochromen Hintergrund, sie einen eher offenen Raum. Bei ihm ist es ein geplanter Prozess mit Fotovorlage, bei ihr eine schnelle, skizzenhafte Entscheidung. Seine Bilder verraten einen langsamen Malvorgang, ihre die spontan-lebhafte Niederschrift. Während seine Bilder meist mehrere Schichten brauchen, bis die ‚passende’ Farbe gefunden ist, ist es bei ihr eine Art Primamalerei, im Englischen treffender als ‚direct painting’ benannt, eine Malerei, die ohne Untermalung auskommt. Schließlich bestimmen bei ihm klar begrenzte Formen die Bilder, während bei ihr die Tendenz zur offenen Form vorherrscht. Der fehlende Kopf lässt keine Identifizierung der Person zu. Er lenkt den Blick auf die Machart des Bildes, wie zum Beispiel Flächen und Farben zueinander stehen.

Vanessa von Wendts viele Stillleben (2009/2008) stellen einfache Dinge dar, aber es geht dabei nicht um Stofflichkeit. Wohl kann man eine gewisse Orientierung an den sogenannten Gegenstandsfarben feststellen, aber wenn Sie an die kleinen Bilder herantreten, sehen Sie sofort, ob Eiswaffel oder Blumenbouquet, ob Frucht oder Glas, es handelt sich um reine Malerei, lustvoll und schnell gesetzt. Beide sind auf dem Weg, haben aber schon eine eindeutig eigene Handschrift.“

(Ulrich Meyer-Husmann, Auszüge einer Rede)