IHKs im Rheinland: Positionspapier zum Stadtverkehr 2025

Verkehr in den rheinischen Städten wächst weiter

31.12.2010

Die Verkehrsinfrastruktur ist ein bedeutender Standortfaktor für Unternehmen und Haushalte und ihre Ausgestaltung ist entscheidend für die Lebensqualität in den Städten. Ziel ist deshalb die Sicherung und nachhaltige Entwicklung der Siedlungs- und Verkehrssysteme. Zentrales Thema ist dabei die Gewährleistung von Mobilitätsvielfalt, die nur durch einen Mix verschiedener Maßnahmen gesichert werden kann.

Der Verkehr in den rheinischen Städten nimmt weiter zu, die Gründe dafür sind vielfältig: Bis 2025 wird entgegen dem Landestrend insbesondere in den Städten Aachen, Bonn, Düsseldorf und Köln die Bevölkerung wachsen, unter anderem aufgrund des besseren Arbeitsplatzangebotes, dass generell in den rheinischen Städten zunimmt. Die Metropolregion Rheinland wird bis 2030 über 100.000 Einwohner dazu gewinnen - etwa die Hälfte des Bevölkerungszuwachs steuert die Region Bonn/Rhein-Sieg bei.

Zusätzliche Arbeitsplätze in den Städten heißt aber auch, dass der Berufsverkehr zwischen Stadt und Umland weiter zunimmt. Bereits heute sind im Rheinland werktäglich über die Städtegrenzen hinweg knapp zwei Millionen Pendler auf Achse, davon rund 1,3 Millionen mit dem PKW. Allein nach Bonn pendeln täglich zirka 150.000 Erwerbstätige, davon knapp 100.000 mit dem Auto. Diese Pendlerverkehre müssen aber auf dem selben Straßennetz abgewickelt werden, den auch der stark steigende Gütertransit (bis 2025 plus 129 Prozent) nutzt. Ähnliches gilt für die Schiene, die Personen- und stark steigenden Güterverkehr aufnehmen muss (Güterverkehrszuwachs bis 2025 über 50 Prozent).

Soll die Erreichbarkeit der Innenstädte gesichert werden, muss deshalb das überregionale Verkehrsnetz weiter ausgebaut werden. Im Rheinland besteht insbesondere auf den Achsen Bonn-Köln-Düsseldorf, Aachen-Köln-Siegtal sowie Venlo-Mönchengladbach-Düsseldorf-Bergisches Land erheblicher Ausbaubedarf.

ÖPNV: Die Zahl der Jobticket-Nutzer konnte in der Region Bonn/Rhein-Sieg innerhalb eines Jahres um zirka 40 Prozent auf 80.000 gesteigert werden.

In den Innenstädten sind einem massiven Verkehrsinfrastrukturausbau hingegen engere Grenzen gesetzt. „Der Stadtverkehr von morgen wird nicht zuletzt angesichts knapper öffentlicher Kassen zum Großteil auf der Verkehrsinfrastruktur von heute abgewickelt werden müssen. Darum gilt es an erster Stelle, die vorhandene Infrastruktur besser auszunutzen“, so Kurt Schmitz-Temming, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/ Rhein-Sieg.

So können zum Beispiel die werktäglichen Verkehrsspitzen mit einem zeitlich versetzten Schulbeginn und mit Hilfe flexibler Arbeitszeitmodelle entzerrt werden. Dadurch verteilen sich ÖPNV- und Auto-Pendler über einen längeren Zeitraum, die Infrastruktur wird im Schnitt gleichmäßiger ausgelastet. Umweltfreundlichere Verkehrsarten wie Bus, Bahn oder Radverkehr können durch Instrumente des betrieblichen Mobilitätsmanagement gestärkt werden, dazu zählen Parkraumbewirtschaftung, Jobtickets, Carsharing, Fahrgemeinschaften und wetterfeste Fahrradstellplätze. So konnte bereits durch gemeinsame Anstrengungen von Kammern, Wirtschaftsverbänden, Stadtwerken Bonn und Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft die Zahl der Jobticket-Nutzer innerhalb eines Jahres um zirka 40 Prozent auf 80.000 gesteigert werden.

Stadt- und Verkehrsplanung stärker miteinander verzahnen

Ein dynamisches, systemübergreifendes Verkehrsmanagement, ähnlich der bereits praktizierten Verkehrslenkung auf Autobahnen, kann dazu beitragen, die vorhandene städtische Straßeninfrastruktur besser zu nutzen und den Verkehr flüssiger zu gestalten. Innerstädtische Verkehrsleitsysteme, sei es durch stationäre Anzeigetafeln oder als Teil mobiler Navigationsgeräte, müssen selbstverständlicher Bestandsteil der Verkehrsinfrastruktur werden. Lieferverkehre können mit Hilfe dynamischer Routenführung umweltfreundlicher und schneller abgewickelt werden. Eine integrierte Verkehrsleitzentrale für das Rheinland kann dafür einen wichtigen Beitrag leisten.

Stadt- und Verkehrsplanung müssen stärker miteinander verzahnt werden, da einerseits die Siedlungsstruktur das Verkehrsaufkommen beeinflusst und andererseits die Verkehrsinfrastruktur die Standortwahl von Unternehmen und Haushalten. Darum müssen die Funktionen Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeit möglichst konzentriert werden. Die Mischung von Nutzungen findet aber dort seine Grenzen, wo die Bedürfnisse des Einen, den Anderen stören. Darum sollen Standorte für Gewerbe, Industrie und Logistik vorrangig fernab von Wohnsiedlungen und entlang den Verkehrsachsen ausgewiesen werden, da so Nutzungskonflikte vermieden werden können und der Wegeaufwand reduziert wird, hierfür können Regionalpläne einen wichtigen Beitrag leisten.

Fabian Göttlich