Impulse für die Wirtschaft:

Neue Zeiten = neue Wege + neue Köpfe?

10.03.2010

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts meinten die Physiker und Chemiker, alles sei erforscht, die Welt werde langweilig. Wir wissen selbst als Laien, wie sehr sie sich geirrt haben und dass insbesondere der technische Erfindungsreichtum ein Jahrhundert geschaffen hat, dass alle Voraussetzungen schuf für die lange Lebensdauer, für die heutige Globalisierung und für den einen nie vorher denkbaren wirtschaftlichen Aufschwung. Herr Henkel bescherte der Welt das Waschpulver, Herr Miele die Waschmaschine -  es gäbe über 1.000 Ingenieurerfindungen zu listen, die von hier aus weltweite Erfolge erzielten. Und all dies fand statt, obwohl niemand behaupten wird, dass das vergangene Jahrhundert sorgenfrei gewesen wäre, im Gegenteil war es durchlöchert von Katastrophen und Problemen.

Woher kommen zukunftsgestaltende Ideen? Wo finden wir und wie fördern wir gute Köpfe? Die Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts werden nämlich nicht weniger anspruchsvoll und vielfältig sein. Ausreichend gute Ernährung, Bildung, Energie – diese Basis ist global wie lokal wichtig. Arbeitsformen und Anforderungen ändern sich. Der Wettbewerb wird nicht nachlassen.  Der Economist hat drei Typen ausgemacht, die als Zukunftstreiber die Welt bewegen: Den Pionier, der mit enormer kreativer Energie voranschreitet, stets neugierig ist und so offen für untypisches Denken und Handeln. Da ist der Katalysator, der die richtigen Elemente und Menschen miteinander virtuos zu verknüpfen versteht und so Wege für Experimente und neues Denken frei macht. Der Macher ist dann die dritte Variation als eine Art Bauherr einer realisierbaren Vision; ein Typ, der sich von nichts aufhalten lässt. Diese Potentiale zu erkennen und zu fördern ist eine edle Aufgabe von Wirtschaft und Gesellschaft. Denn es sind diese Menschen, die andere begeistern und mitreißen und Probleme konstruktiv lösen.

Autorin Anke Fabian, Erfinderin der Reihe Manager/innen-Talk moderiert am 24. März 2010 die bereits dritte Veranstaltung dieser Art in der IHK, wenn Führungsfrauen der Region sich Gedanken darüber machen, wie es mit der Wirtschaft weitergeht.

Nichts ist so wandelbar wie das, was wir für gesetzt halten und der Überfluss in der Verschwendung wird überdacht werden müssen.  Wie gehen wir mit Ressourcen um? Es wird ein Vorwärts ohne Sprit geben, denn Mobilität ist ein Schlüssel zur Entwicklung. So, wie wir alle gelernt haben, den Müll zu trennen, werden wir über kurz oder lang alle „pre-cycling“ betreiben und die neue Welt wird zunehmend auf Plastikverpackungen verzichten. Innovative Eisbuden verkaufen ihr Eis heute schon in essbarer Umhüllung. Wahrer Fortschritt zeigt sich, wenn man statt 100 Nägel kaufen zu müssen genau die Anzahl erwerben kann, die tatsächlich benötigt wird. Die Deutsche Post bietet seit dem neuen Jahr Umschläge jeder Größe unverpackt und einzeln an. Endlich. Dass, was sich regional herstellen, verarbeiten, verkaufen und handeln lässt, wird mit kurzen Wegen und sehr effektiv sich durchsetzen, die Milch braucht nicht mehr quer durch Europa transportiert zu werden. Man wird prüfen und abwägen, was es zu bewahren gilt und was neu zu entwickeln. Die Medizintechnik bringt fast wöchentlich kleine Wunder hervor.

Es sind oft eher Interessenkämpfe, die die Bahn brechende Ideenflut, die es auf allen Gebieten bereits gibt, verhindert, in lohnende Geschäfte sich zu wandeln. Manchem mögen die Neuerungen nicht schnell genug gehen, aber der Prozess ist unaufhaltbar. Eine wichtige Leistung wird es sein, eine durchgehende Förderkultur als lebenswertes Gut in der gesamten Gesellschaft zu entwickeln. Eine Förderkultur, die dem Geiste die Freiheit gibt und von der Wiege bis zur Bahre, von Institutionen über Unternehmen bis zur Politik über Bande spielt und Synergien sieht und nutzt. Erdacht wurde vieles bereits im vergangenen Jahrhundert, gemacht werden muss es jetzt für das kommende. Dabei lauern sagenhafte unternehmerische Chancen: Packen wir`s an. Es gibt viel zu tun. 

Anke Fabian