MONTI – Professionelle Oberflächenbearbeitung mit innovativen Technologien

Industrieunternehmen aus der Region

11.11.2019

Blick in die MONTI-FabrikhalleDer Werkzeughersteller MONTI hat eine praktikable, kostengünstige und umweltfreundliche Alternative zum Sandstrahlen entwickelt – mit patentierter Bürsten- und Radiertechnologie zum schnellen und schonenden Abtrag von Farben, Lacken und Folien.

Computer sucht man in der Hennefer Fabrikhalle vergeblich. Produziert wird hier auf über 50 Jahre alten Maschinen, die schon in der Kratzenfabrik des Vaters von MONTI-Gründer Werner Montabaur in Reih und Glied eisern vor sich hin surrten, um damals Werkzeuge zum veredelnden Aufrauen von Textilgewebe herzustellen. „Jede einzelne ist eine Fabrik“, erklärt Geschäftsführer Jan Frederik (Frits) Doddema (s. Bild). „Das ist auch ‚Made in Germany’.“

Geschaeftsfuehrer Jan Frederik DodemaUnter der Hallendecke laufen unzählige Bänder entlang, in denen die Drähte für die Bürsten maschinell befestigt und am oberen Ende entgegen der Rotationsrichtung leicht abgewinkelt werden, damit sie später die Beläge besser entfernen können. Im nächsten Produktionsschritt erhalten sie einen Spezialschliff am oberen Ende.

Eine Farbe für jeden Bereich

Zum Schluss werden die verschiedenfarbigen Bänder manuell zugeschnitten, zusammengenäht und über einen zum jeweiligen Einsatzbereich passenden Plastikfarbring gestülpt. Schwarz ist das gröbste Band zur Entfernung von Unterbodenschutz und Dichtmassen und Grün das feinste für Entlackungs- und Reinigungsarbeiten.

Auch Verpackung und Versand in über 80 Länder geschieht hier von Hand. „Wir sind auf dem Weg, eine Million Bürsten pro Jahr zu produzieren“, berichtet Doddema, „für Kfz- und Schienenfahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe und die Industrie.“ Folien lassen sich mit den MONTI-Tools ebenso leicht entfernen wie Werbeaufdrucke, Farben, Lacke und Rost.

Selbst ist der Mann

Als MONTI-Gründer Werner Montabaur Anfang der 80er Jahre bei der Renovierung seines alten Fachwerkhauses unzählige alte Eichenbalken restaurieren musste, kombinierte er seine Bohrmaschine mit einer 46 mm großen Drahtbürste. Der erste „Prototyp“ des späteren Bürstbandsystems „MONTIPOWER“ war geboren. Und dass sich damit auch Rost von Karosserien entfernen ließ, war dem Autoliebhaber schnell klar.

Abgestumpfte BuerstenkoepfeEr produzierte in der vom Vater übernommenen Fabrik seine Spezialbürsten, um sie dann für 50 D-Mark auf Oldtimer-Shows zu verkaufen. Ein Verkaufsschlager – laut Erfinder Montabaur konnte er damals jeden Samstag bis zu 300 Stück absetzen. Er hatte so lange getüftelt, bis er die optimale Drehzahl gefunden hatte, um Dichtungs- und Korrosionsschutzmittel sowie Rost völlig schadensfrei zu entfernen.

Mit Patenten zum Erfolg

Als er 1987 sein erstes Patent anmeldete, machte sich Montabaur auf die Suche nach einem Experten auf diesem Gebiet und lernte Detlef Thomas kennen, der in einem Patent-Büro arbeitete. Gemeinsam gründe-ten sie die nach Montabaurs Spitznamen benannte Firma MONTI in Bonn – und feierten bereits ein Jahr später die Premiere des 43-mm-Bürstbandsystems „Decapower“ für Heimwerkermärkte bzw. „U92“ für Autowerkstätten.

MONTI-ToolsEs folgten schmalere 23-mm-Bänder und weitere Patente wie ein pneumatisches Antriebsgerät - mit integriertem Aufnahmesystem für den Automotivebereich, der 1997 zudem einen patentierten „Radierer“ erhielt, um Folien sowie Kleberückstände von Lacken auf Metall und Glas zu entfernen.

Leichtes Handling

Die Arbeit in der Ideenschmiede ging weiter und 2003 wurde das Portfolio um ein leicht zu handhabendes elektrisches Antriebsaggregat sowie ein 11-mm-Band erweitert. Drei Jahre später dann der Meilenstein: Das erste und nach wie vor weltweit einzige handgehaltene Bürstbandsystem, das mit 2.600 Umdrehungen pro Minute und einer Geschwindigkeit von 79 Metern pro Sekunde ein mit Sandstrahlen vergleichbares Ergebnis erzielt. „Wir bieten eine echte Alternative“, erklärt der Geschäftsführer, „ohne Sand, Grit oder andere gefährliche Materialien.“ Das Besondere an den MONTI-Tools: Sie schleifen bei ihrer Anwendung nicht, sondern „schlagen“. Und das 10.500 Mal pro Sekunde.

Produktion Bristle BlasterDer „Bristle Blaster®“ war der Türöffner für verschiedenste Industriezweige. Das Unternehmen baute ein weltweites Netz aus Importeuren und Händlern auf, deren Vertriebler den Kunden die Anwendung demonstrierten und Schulungen anboten. Um auch Oberflächen in schwer zugänglichen Karosseriebereichen wie Dachfuge, Radlauf und Türfalz bearbeiten zu können, brachte man 2011 eine kleinere handliche Version auf den Markt, die insbesondere in der Oldtimer-Restaurierung eingesetzt wird.

Alles unter einem Dach

2012 verlegte MONTI seine drei Bonner Standorte ins Gewerbegebiet Hennef West. Zwei Jahre später dann stagnierte der Umsatz. „Man brauchte neue Leute, neue Visionen, neue Gedanken“, meint Doddema, der seit Mai 2018 die Geschäfte des Hennefer Unternehmens führt, an dem er selbst beteiligt ist. „Ich kenne MONTI schon seit 2006 “, berichtet der 48-Jährige. Damals war er Kunde als CEO der niederländischen Firma Stopaq B.V. und bringt über 20 Jahre Erfahrung im Bereich der Herstellung von Beschichtungen, Farben und Lacken mit. „MONTI ist eine gesunde Firma“, sagt er heute. „Wir haben keine Schulden und ein starkes Wachstum.“

Das Firmengebaeude in HennefDoddema setzt auf enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten. „Hier haben wir Büro und Fabrik unter einem Dach“, so der Geschäftsführer. Das erleichtert die interne Kommunikation des insgesamt 27-köpfigen Teams enorm, denn bei Fragen kommen die Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen aus der Produktion einfach hoch zu „Frits“. Der Umgangston ist locker. Man duzt sich. Auch Ideen zur Vereinfachung von Prozessen sind hier jederzeit willkommen. „Meine Tür steht immer offen“, erklärt der Firmenchef, „und ich bin stolz, dass viele Vorschläge kommen, um MONTI als Firma zu verbessern.“

Gutes Klima

Transparenz spielt für den Niederländer eine ebenso wichtige Rolle. „Wir mailen unsere Wochenberichte an alle Mitarbeiter“, berichtet er. „Auch an unseren Meetings kann und darf jeder aus der Produktion teilnehmen.“ Und wenn die Köpfe allzu sehr rauchen, spielt Doddema zwischendurch gern mitten im Großraumbüro eine Runde Kicker mit seinem Kollegen Nathan Knight, der für globale Unternehmens- und Regulierungsangelegenheiten zuständig ist. „Der Umzug hat das Zusammengehörigkeitsgefühl der gesamten Belegschaft gestärkt“, findet Doddema. „Wir sind quasi eine große MONTI-Familie.“

Martina Sondermann, freie Journalistin, Bonn

MONTI-Werkzeuge GmbH

Geschäftsführer:    Drs. J.F. Doddema
Gründung:    1987 durch Werner Montabaur und Detlef Thomas (gest. 2018) in Bonn
Gesellschafter:    sieben
Umsatz:    zirka 10 Millionen Euro (2018) und über 14 Millionen Euro in 2019
Beschäftigte:    35 (weltweit)
Standort:    Hennef, Tochterunternehmen ist MONTIPOWER Americas Inc., Manassas, Virginia, USA
Produke:    Werkzeuge zur professionellen Oberflächenbearbeitung
Branche:    Werkzeugindustrie
Kunden:    Industrie und Automotive
Internet:    www.monti.de