Neue Berufschancen für Hauptschüler

Pilotprojekt - Fachkraft für Systemgastronomie

26.07.2010

Sie sind die Alleskönner der Gastronomie: Vom korrekten Tischeindecken bis zur Mitgestaltung von Veranstaltungen sind die Fachkräfte im Gastgewerbe für viele gastronomische Herausforderungen gerüstet. Die Vorteile dieser Allroundkräfte hat nun auch die Systemgastronomie für sich entdeckt, eine Form der Gastronomie mit vereinheitlichten und standardisierten Strukturen. Ziel dieser Vereinheitlichung ist es, dem Gast in jeder Filiale die gleiche Produktpalette in gleicher Qualität anbieten zu können. Seit einiger Zeit wollen die Betriebe dieser Branche, neben dem dreijährigen Fachmann für Systemgastronomie, vermehrt auch die zweijährige Fachkraft im Gastgewerbe ausbilden.

Die Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe auch in den Betrieben der Systemgastronomie zu ermöglichen, „soll vor allem den lernwilligen, aber oft unterschätzen Hauptschülern eine qualifizierende Einstiegschance in die Berufswelt bieten. Die Systemgastronomie gehört dabei zu den wenigen Branchen, die bisher auch in der Krise ein verlässliches Wachstum entwickeln konnten. Eine Grundvoraussetzung für einen sicheren Arbeitsplatz“, erläutert Jörg Wiedemann, Department Head Berufsausbildung McDonald´s Deutschland.

Die dreijährige Ausbildung zum Fachmann für Systemgastronomie richtet sich dagegen in erster Linie an Abiturienten und gute Realschüler. Sie werden so zu Führungskräften in den Restaurants ausgebildet. Doch auch dieser Weg ist den Hauptschülern laut Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Bonn/Rhein-Sieg, nicht verschlossen: „Wer durch gute Leistungen als Schüler und als Auszubildender überzeugt, dem kann eine Erweiterung der Ausbildung um ein Jahr und somit der Abschluss als Fachmann/Fachfrau für Systemgastronomie angeboten werden.“

Versuchsphase: von 2009 bis 2011

Die Ausbildungsordnung Fachkraft im Gastgewerbe soll auf die Systemgastronomie übertragen werden.

Auf Initiative von Unternehmen und Branchenverbänden läuft zur Zeit ein Pilotprojekt, bei dem die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg bereits von Anfang an mitarbeitet: Seit Herbst 2009 werden rund hundert Jugendliche in den Kammerbezirken München, Kiel und Bonn/Rhein-Sieg zu Fachkräften im Gastgewerbe ausgebildet, zwölf von ihnen lernen in Betrieben der Systemgastronomie im Kammerbezirk Bonn/Rhein-Sieg. Die Schwierigkeiten in der Erprobung liegen darin, dass kein neuer Beruf entwickelt werden soll, sondern die bestehende Ausbildungsordnung der Fachkraft im Gastgewerbe auf die Systemgastronomie übertragen werden soll. „Dabei müssen die Unterschiede zwischen der klassischen Gastronomie und der Systemgastronomie berücksichtigt werden. Ein bedeutender Punkt ist zum Beispiel der Service, das heißt die Art der Bedienung unserer Gäste. Da gilt es die unterschiedlichen Formen und Umsetzungen zu berücksichtigen und die betrieblichen Wirklichkeiten realistisch abzubilden“, so Wiedemann. Zu diesem Zweck haben die beteiligten Kammern und der Bundesverband der Systemgastronomie (BdS), unter Moderation des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), einen Musterausbildungsplan entworfen. Dieser beschreibt, wie die einzelnen Lernziele in den Betrieben vermittelt werden können.


Ausbildungsaufruf:
Jetzt-ausbilden.de


Jeder Jugendliche hat zum Beginn seines Berufslebens eine faire Chance verdient. Aus diesem Grund wird die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg zusammen mit ihren Partnern den Jugendlichen auch im Jahr 2010 helfen, den Weg in die richtige Ausbildung zu finden.

Die Ausbildungsstatistik der IHK Ende Juni zeigt, dass trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage der Ausbildungsmarkt stabil geblieben ist. Das verantwortungsvolle Handeln der Ausbildungsbetriebe, gerade in der Krise, zahlt sich damit aus. So ist die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 1.713 Verträge gestiegen.

Die Unternehmen, die sich an der Online-Umfrage der IHK zur Ausbildung beteiligt haben, wollen im Jahr 2010 überwiegend im gleichen Maße ausbilden wie zuvor oder die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze sogar noch steigern. Und genau das ist mit Blick auf die demografische Entwicklung auch nötig! Schon jetzt herrscht in einigen Regionen Bewerbermangel, Betriebe können ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen.

Ich appelliere daher weiterhin an die Unternehmen: Lassen Sie in Ihren Ausbildungsanstrengungen nicht nach, um für die Zeit nach der Krise, wenn die Auftragsbücher wieder voll sind, genügend gut ausgebildete Fachkräfte zu haben.

Wir bieten: Last-Minute-Vermittlung

Die IHK bietet den Unternehmen, die kurz vor Ausbildungsbeginn noch ihre Ausbildungsplätze besetzen wollen, eine besondere „Last-Minute-Unterstützung“ an: Sie können Ihre Ausbildungsplätze vom 13. Juli bis 28. August bei der IHK-Ausbildungshotline melden (Telefon: 0228 2284 800). Alle Fragen um das Thema Ausbildung beantwortet unsere Internetseite jetzt-ausbilden.de, über die Sie auch per Mail mit uns Kontakt aufnehmen können. Bitte melden Sie freie Ausbildungsstellen aber auch der Agentur für Arbeit.

Für Ihr Engagement danke ich Ihnen sehr herzlich.

Ihr
Dr. Ernst Franceschini
Präsident der IHK Bonn/Rhein-Sieg

Das Projekt ist mit der Prüfung der Pilot-Auszubildenden nicht beendet. Auch in diesem Jahr stellen Betriebe der Systemgastronomie im Kammerbezirk Bonn/Rhein-Sieg wieder Auszubildende zur Fachkraft im Gastgewerbe ein. Jürgen Hindenberg ist „zuversichtlich, dass der Musterausbildungsplan zum Erfolg führt und somit zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden können.“

Im Herbst 2010 werden die Auszubildenden des Pilotprojektes ihre Zwischenprüfung ablegen, im Sommer 2011 folgen die Abschlussprüfungen. Dann gilt es: Ergebnisse des Projekts auswerten und möglichst schnell den Jugendlichen in ganz Deutschland den Weg zu dieser Chance freimachen.

Andreas Bobowk