NOVO-Organisationsmittel GmbH

Frisch gedruckte Kunststoffkarten

11.11.2011

Wer schon einmal versucht hat, Kunststoff zu beschriften, der weiß, dass das nicht einfach ist. Filzstift verschmiert, Kugelschreiber rutscht ab und Bleistift ist gar nicht erst zu sehen. Die Bonner NOVO-Organisationsmittel GmbH beherrscht diese Kunst. Mit einem speziellen Verfahren bedruckt sie pro Jahr etwa 25 Millionen Kunststoffkarten, wie sie inzwischen jeder Verbraucher im Portmonee trägt.

Manche Karten sind informativ, andere elegant, wieder andere vor allem raffiniert. Eines ist allen gemeinsam: Ob als Mitarbeiterausweis, Geschenkgutschein oder Kundenkarte sind sie aus unserem Geschäftsleben nicht mehr wegzudenken. „Die Karten sind unser Kerngeschäft“, sagt Thomas Ehm. Er ist in dritter Generation Geschäftsführer des Familienunternehmens, das vor 110 Jahren gegründet wurde.

An den Wänden seines Büros hängen bunte Musterdrucke, im Konferenzraum werden die fertigen Karten in Vitrinen präsentiert: Das Rodenstock-Echtheitszertifikat in edler Optik, die Mitgliedskarte des Märklin Insider-Clubs und die Identifikationskarte, mit der sich für die Leistungssportler der Schwimm- und Sportfreunde Bonn (SSF) das Tor zum Schwimmbad öffnet. Außerdem Karten von DHL und Siemens, Porsche, Mini und Toyota, C&A und Thalia.

Farbtanks wie Haarspraydosen

In der Druckerei riecht es nach Farbe, das maschinelle Ansaugen der Druckbögen ist in gleichmäßigem Takt zu hören. Hier arbeitet ein Großteil der insgesamt 47 Mitarbeiter im Zweischichtbetrieb.

Drei unterschiedliche Techniken werden beim Druck angewandt: Zunächst der Offsetbogendruck, bei dem Vorder- und Rückseiten zu mehreren Nutzen der späteren Karten separat auf Bögen gedruckt werden, um anschließend laminiert, verpresst und einzeln ausgestanzt zu werden. Dann der Digitaldruck für kleine Auflagen. Und schließlich der Offset-Einzelkartendruck für die umweltfreundlichen BlueCards. Sind die Karten gedruckt, können je nach Kundenwunsch Schreibfelder oder Hologramme aufgesiegelt werden. Magnetstreifen werden kodiert und geprüft, Ziffern eingeprägt.

Fotoausrüstungen, Messinstrumente, Ersatzteile - in den Kunstharzkoffern von NOVO sind sie gut geschützt.

In schwarzem Polo-Shirt mit gelbem NOVO-Logo auf dem Rücken arbeitet Frank Schwarz an der Bogen-Offsetdruckmaschine. Er reinigt eines der fünf Farbwerke, die mit den Druckfarben Yellow, Magenta, Cyan und Kontrast (Schwarz) sowie einer Sonderfarbe gefüllt sind. „In der Regel beginnen wir beim Druck zuerst mit der dunkelsten Farbe“, erläutert er. „Mit Yellow fangen wir nur an, wenn wir auf diese Art ein besseres Ergebnis erzielen können.“

Im Nachbarraum arbeitet sein Kollege Heinz Starke an der Maschine für den Digitaldruck. Hier werden im Gegensatz zum Offsetdruck keine belichteten Druckplatten mehr verwendet. Die Farbe wird aus Farbtanks, die aussehen wie große Haarspraydosen, auf eine Lasertrommel geschossen.

Prüfend beugt Thomas Ehm sich über frisch gedruckte Mitarbeiterausweise für das Technische Hilfswerk, die soeben aus der Maschine gekommen sind. Sie sind jeweils mit einem Foto und persönlichen Daten eines THW-Mitarbeiters versehen. „Den Digitaldruck nutzen wir für kleine Auflagen ab 50 Karten und für personalisierte Karten“, sagt Ehm. „Als einziger Hersteller in Europa bieten wir unseren Kunden an, die Karten am eigenen Computer zu konfigurieren. Unser System berechnet Kosten und Lieferzeit, der Kunde bekommt sogar einen kostenlosen Andruck.“

Biologisch abbaubare Kundenkarte

Mitten in der Druckerei steht die Offsetmaschine für den Einzelkartendruck. Die fertigen Kartenrohlinge, die hier bereits ausgestanzt durch die Farbwerke gleiten, sehen zwar nach Kunststoff aus, sind aber aus einem Holzstoff. „Diese sogenannte BlueCard ist unsere jüngste Entwicklung. Sie ist seit kurzem auf dem Markt“, sagt Thomas Ehm. „Die BlueCard ist biologisch abbaubar und frei von petrochemischen Stoffen.“ Ein Produkt, mit dem NOVO auf das Umweltbewusstsein der Kunden reagiert. Allerdings sieht Ehm auch Nachteile: „So eine Karte möchten die Entsorgungsunternehmen nicht in der Biotonne finden, denn sie verrottet viel langsamer als Grünabfälle aus dem Garten.“

NOVO selbst handelt seit Jahrzehnten umweltbewusst. Die Kunststoffreste, die beim Ausstanzen der Karten anfallen, gehen zum Recycling, so dass sie sich später in Wasserrohren oder Kabelummantelungen wiederfinden. Für die Produktion kauft das Unternehmen 350.000 Kilowattstunden Naturstrom pro Jahr, wie ein Zertifikat der SWB Energie und Wasser belegt.

Ordner für die Bühnenschlacht

Gegründet wurde das Unternehmen 1901, im Jahre 1938 erwarb Heinz Ball, der sich als junger Mann zunächst dem Druck und der Buchbinderei widmete, die Firma. Grundidee seines Schaffens war, systematisch für Ordnung in Büros, Archiven und Lagern zu sorgen. 1951 revolutionierte er mit der Klarsichthülle den Markt und machte es möglich, wertvolle Dokumente zu schützen, ohne sie zu verstecken.

NOVO bietet Ringordner in einer breiten Farbpalette an. Die spezielle Mechanik der Ordner macht es möglich, darin wie in einem Buch zu blättern. Dazu Klarsichthüllen, mit denen Heinz Ball 1951 den Markt revolutionierte.

Auch Karlheinz Ball, der das Unternehmen 1968 nach dem Tod seines Vaters übernahm, dachte innovativ. Er entwickelte programmierbare Kleinlochkarten aus Kunststoff, mit denen Apotheker ihre Medikamente verwalten konnten. Damit legte er den Grundstein für die heutige Kartenproduktion. Die schwarzen, absolut robusten Koffer, zum Einsatz als Pilotenkoffer oder für den Außendienst gedacht, basieren ebenfalls auf einer Idee von Karlheinz Ball und werden heute u.a. von der NATO eingesetzt. „Mein Schwiegervater hat außerdem in den 60-er Jahren Ringordner aus Schweden eingeführt“, erzählt Thomas Ehm, der 2001 die Nachfolge von Karlheinz Ball antrat. In seinem Büro zeigt er, wie der Ordner funktioniert. „Hier ersparen Sie sich die Prozedur des Umhebens vieler Blätter, wenn Sie ein Dokument suchen. In unseren Ordnern blättern Sie wie in einem Buch.“ Ein richtiges Arbeitstier sei das. Ein Versandhandel, der den Ordner vertreibt, beschreibt ihn als „baustellentaugliches Montagehandbuch“ und sogar als Buch für Regisseure, das „jede Bühnenschlacht unversehrt übersteht“.

 

Es folgte der Vertrieb von weiteren Koffern, diesmal staub- und wasserdicht, in denen sich empfindliche Geräte wie Fotoausrüstungen, Ersatzteile für die Luftfahrtindustrie, Mess- und Prüfgeräte transportieren lassen.

Ob Koffer oder Klarsichthülle, ob Ordner oder Klemmbrett mit eingebauter LED-Leuchte – NOVO vertreibt diese Organisationsmittel noch heute, auch wenn sie nur noch etwa zehn Prozent des Geschäfts ausmachen. Auch die in der Druckerei hergestellten Kunststoffkarten sorgen für Ordnung. Helfen Sie doch den Unternehmen, Mitarbeiter oder Kunden zu verwalten. So ist der Slogan des Unternehmens nach wie vor passend: NOVO – das geht in Ordnung.  

Ursula Katthöfer
freie Journalistin, Bonn