Recht und Steuer

Häusliches Arbeitszimmer

25.07.2011

Auf der Suche nach neuen Steuerquellen hatte der Gesetzgeber die steuerliche Abzugsfähigkeit zuletzt in all jenen Fällen rigoros ausgeschlossen, in denen das häusliche Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung bildet. Keine Rolle spielte dabei, ob für die ausgeübte Tätigkeit überhaupt ein anderer Arbeitsplatz als das häusliche Arbeitszimmer zur Verfügung stand. Betroffen waren vor allem Erwerbstätige, die ihren Beruf zumindest teilweise außerhalb der eigenen Wohnung ausüben müssen. Nachdem das Bundesverfassungsgericht die Neuregelung zwischenzeitlich für verfassungswidrig erklärt hat, unterscheidet das Einkommensteuergesetz (§ 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG) beim Werbungskosten- oder Betriebsausgabenabzug wie zuvor wieder drei Fallgruppen:

Bildet das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Betätigung, dürfen die darauf entfallenden Aufwendungen mitsamt der Ausstattungskosten (siehe Übersicht) unbegrenzt als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden. Dieser Mittelpunkt liegt nach der jüngsten Finanzrechtsprechung dort, wo die für den ausgeübten Beruf wesentlichen und prägenden Arbeiten anfallen. Damit ist der volle Werbungskosten- oder Betriebsausgabenabzug auch bei überwiegend außerhäuslich ausgeübten Berufen möglich. So hatte der Bundesfinanzhof einem Verkaufsleiter den vollen Werbungskostenabzug zugestanden, der zur Überwachung von Mitarbeitern und zur Betreuung von Großkunden auch im Außendienst tätig ist und im häuslichen Arbeitszimmer die für den Beruf wesentlichen Leistungen (z.B. Organisation der Betriebsabläufe) erbringt.

Sofern das häusliche Arbeitszimmer zwar nicht den Mittelpunkt aller Tätigkeiten darstellt, für diese aber kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, wird der Steuerabzug, trotz zwischenzeitlich stark gestiegener Lebenhaltungskosten, wieder bis zu 1.250 Euro pro Kalenderjahr gewährt. Vom Einlenken des Gesetzgebers profitieren beispielsweise Handelsvertreter, bei denen der Tätigkeitsschwerpunkt üblicherweise außerhalb des häuslichen Arbeitszimmers liegt oder auch Architekten, die neben der Planung auch mit der Bauüberwachung  betraut sind. Leer gehen schlussendlich alle Heimarbeiter aus, denen neben ihrem häuslichen Arbeitszimmer ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dieses KO-Kriterium müssen Steuerpflichtige nach Auffassung des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) im Anwendungsschreiben vom 2. März 2011 (Az. IV C 6 – S 2145/07/10002) selbst dann gegen sich gelten lassen, wenn der Arbeitsplatz außerhalb der üblichen Arbeitszeiten - wie etwa am Wochenende oder in den Ferien – nachweisbar nicht zugänglich ist!

Handelt es sich bei den beruflich genutzten Räumen hingegen um ein so genanntes „außerhäusliches Arbeitszimmer“, dürfen die Kosten unabhängig davon, wo der Mittelpunkt der Tätigkeit liegt, auch in Zukunft in voller Höhe von der Steuer abgezogen werden. Dabei akzeptieren die Finanzämter im Regelfall zusätzlich zur eigenen Privatwohnung angemietete Dachgeschoss- und Kellerräume in Mehrfamilienhäusern. Dagegen stellen auf der gleichen Etage zusätzlich angemietete Arbeitsräume in Mehrfamilienhäusern wegen der unmittelbaren räumlichen Nähe zur Privatwohnung häusliche Arbeitszimmer dar.

Anmietung durch Arbeitgeber

Wegen dieser Einschränkungen bietet sich in manchen Fällen eine Vermietung der beruflich genutzten Wohnräume an den eigenen Arbeitgeber an – auch diese gelten nicht als häusliches Arbeitszimmer. Allerdings stellen die Mietzahlungen des Arbeitgebers nur dann keinen lohnsteuerpflichtigen Arbeitslohn dar, wenn ein vorrangiges betriebliches Interesse an der Nutzung der angemieteten Räume nachgewiesen werden kann. So rechnen die Finanzämter die Mietzahlungen ausschließlich dann zu den Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, wenn

  • im Unternehmen keine geeigneten Arbeitszimmer vorhanden sind und Versuche des Arbeitgebers zur Anmietung entsprechender Büroräume von fremden Dritten erfolglos blieben,
  • der Arbeitgeber für seine anderen Arbeitnehmer, die über keine für ein Arbeitszimmer geeignete Wohnung verfügen, Büroräume von fremden Dritten angemietet hat sowie
  • mit dem vermietenden Arbeitnehmer eine ausdrückliche und schriftliche Vereinbarung über die Nutzungsbedingungen der überlassenen Räume abgeschlossen wird.

Sofern der Mietvertrag mit unter fremden Dritten üblichen Bedingungen geschlossen wird, müssen die Finanzämter Verluste aus der Vermietung selbst über längere Zeiträume akzeptieren. Unerheblich ist nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs dann sogar, ob die ortsübliche Miete unterschritten wird.

Bernhard Lindgens


Steuervorteil: Abzugsfähige Kosten

Neben den Ausgaben für Arbeitsmittel lässt das BMF in seiner aktuellen Verwaltungsvorschrift vom 2. März 2011 (Az. IV C 6 – S 2145/07/10002) den Steuerabzug folgender Kosten zu:

- Miete oder Gebäudeabschreibungen (AfA),

- Absetzungen für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung und Sonderabschreibungen,

- Wasser- und Energiekosten,

- Grundsteuer, Müllabführgebühren, Schornsteinfegergebühren, Gebäudeversicherungen,

- Reinigungs- und Renovierungskosten,

- anteilige Kosten einer Gartenerneuerung, wenn die Gartenschäden bei einer Gebäudereparatur verursacht wurden

- Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers (Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen) mit Ausnahme von Luxus- und Kunstgegenständen sowie nicht zuletzt

- Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes oder der Eigentumswohnung verwendet worden sind. Hierbei sollten die steuerlichen Grundsätze zum Schuldzinsenabzug bei gemischt genutzten Immobilien unbedingt beachtet werden. Um den späteren Steuerabzug auf das Arbeitszimmer entfallender Schuldzinsen nicht zu gefährden, ist deswegen bereits bei Anschaffung oder Herstellung des Gebäudes eine gesonderte Zuordnung der Anschaffungskosten anhand einer nach außen erkennbaren Zuordnungsentscheidung erforderlich. Dies kann beispielsweise durch eine Aufteilung des zivilrechtlich einheitlichen Kaufpreises im notariellen Kaufvertrag geschehen.