"Romantik und Wirtschaft"

Tourismusfaktor Rhein

13.04.2011

An diesem Donnerstagnachmittag ist Oliver Bremm nicht zu erreichen. „Er ist noch mal rauf gefahren, er ruft sie später zurück.“ Die nette Mitarbeiterin der Tourismus Siebengebirge GmbH sagt das so, als ob dem Anrufer klar sein müsse, wo ihr Chef gerade ist. Eine Stunde später, Bremm ist wieder unten im Büro, meldet er sich. Und ist begeistert: „Das wird richtig toll da oben!“ Oliver Bremm war auf dem Drachenfels. Er hat ein wenig dabei zugeschaut, wie Siegfried den Drachen tötet. Na ja, nicht ganz. Aber mancher Beobachter des derzeitigen Geschehens auf dem sagenumwobenen Fels fühlt sich an die Legende erinnert. Tatsächlich hat Bremm einem großen roten Abrissbagger dabei zugesehen, wie er sein kraftvolles Werkzeug in die Mauern des Restaurants rammt und es Stück für Stück zu Fall bringt. Außerdem hat er die Aussicht genossen. „Schon jetzt kann man erahnen, welche Perspektiven sich für die Besucher ergeben, wenn das alte Restaurant dem neuen Glaswürfel und den großzügigen Freiflächen gewichen ist“, schwärmt er. Zum ersten Mal werden die Menschen wieder so blicken können, wie es vor über vierzig Jahren der Fall war. „Schöne Ausblicke auf den Rhein sind unbezahlbar“, weiß der Geschäftsführer der Tourismus Siebengebirge GmbH, „das ‚Erlebnis Rheinlandschaft’ nennen die Besucher in unseren Umfragen als häufigsten Grund für ihr Kommen.“

Gegen den Strom

Erleben lässt sich der Rhein in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis auf insgesamt 32 Kilometern Länge. Südlich von Bad Honnef, bei Rheinkilometer 639,2, erreicht er Nordrhein-Westfalen. In Niederkassel-Lülsdorf, in Höhe von Rheinkilometer 671, verabschiedet er sich vom Bonner IHK-Bezirk und erreicht Kölner Stadtgebiet. 32 Kilometer – das entspricht etwa zweieinhalb Prozent der Gesamtlänge des Flusses. Wenig also – und doch passiert auf diesem Weg eine ganze Menge. So viel, dass sich gar nicht alles in einer Geschichte erzählen lässt.

Ungefähr auf Höhe des Rheinkilometers 670, abseits des Flusses, befindet sich das Werk Wesseling von LyondellBasell Industries. Am größten Polymer-Standort von LyondellBasell in Europa arbeiten rund 2.000 Menschen. Hergestellt werden hier Kunststoffe, insbesondere Polyethylen und Polypropylen. Sie sind zum größten Teil für den Export bestimmt – und der läuft über den Rhein. LyondellBasell ist der größte Kunde des Hafens Bonn, zwölf Kilometer stromaufwärts. Hier werden Güter aus der Region in alle Welt verschifft oder Waren aus Asien und anderen Erdteilen, die für die Region bestimmt sind, entladen und per Lkw weiterverteilt. 1.800 Schiffe laufen den Hafen jährlich an, um chemische Produkte und Maschinen, Holzkohle und Halbfertigprodukte, Anlagen und Solarmodule, Kies und Sand aufzunehmen oder zu löschen. Der Hafen ist Arbeitsplatz für 180 Menschen (siehe Seiten 22 ff.).

Am rechten Rheinufer, bei Stromkilometer 661, residiert die Lux-Werft und Schiffahrt GmbH. Das Unternehmen baut und repariert Flusskreuzfahrt- und Tagesausflugsschiffe, aber auch Fähren, etwa die „Königswinter IV“ der Rheinfähre Königswinter GmbH. Außerdem betreibt das Unternehmen die Rheinfähre Mondorf („Die Wirtschaft“ stellt das Unternehmen im Sommer vor).

Ab Bonn wird der Rhein dann touristisch. Und liefert der Stadt ein erstklassiges Attribut zur Vermarktung. Denn in Höhe der Stadtgrenze, zwischen Mondorf und Graurheindorf (Rheinkilometer 659), endet das Norddeutsche Tiefland. Von Norden betrachtet, ist der Rhein bis zur Siegmündung Niederrhein, ab dort ist er Mittelrhein. Mit Fug und Recht gilt Bonn also als „Tor zum Mittelrhein“.

Tor zum Mittelrhein – Tor zum romantischen Rhein

„Mittelrhein“ – das Wort lässt Touristikern das Wasser im Munde zusammenlaufen. Denn der Rhein ist natürlich nicht nur Transportweg, sondern auch Reiseziel. In besonderem Maße gilt das für den Mittelrhein. Zwischen Bonn und Bingen schlägt das Herz des Rheintourismus. Eigentlich muss man sagen: Hier pochen gleich zwei Herzen. Im Süden das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal mit der berühmten Loreley in seiner Mitte. Und im Norden das Siebengebirge mit dem nicht weniger berühmten Drachenfels sowie der Rolandsbogen gleich gegenüber.

„Ohne Rhein säßen wir hier auf dem Trockenen“, befindet Victoria Appelbe, oberste Wirtschaftsförderin der Stadt Bonn. Sie meint das nicht nur wörtlich. „Der Rhein ist das touristische Rückgrat unserer Region“, stellt die gebürtige Britin klar. Das verdankt er unter anderem Appelbes Landsleuten.

Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts suchten britische Reisende immer häufiger „‚locations’ zur Kultivierung sentimentaler Gefühle und ‚landscapes’, die sie wie ein riesiges Gemälde durchwandern konnten“, schreibt etwa die Historikerin Kristine von Soden in ihrem Buch „Der Rhein. Eine literarische Reise von Mainz bis Köln“. Sie fanden diese Landschaft am Mittelrhein. Allen voran Dichter und Maler. Mary Shelley, die Autorin des „Frankenstein“-Romans, zählte etwa dazu, Lord Byron oder der Maler William Turner, der 1817 vier Wochen am „romantischen Rhein“ verbrachte – laut von Soden seit 1810 ein feststehender Begriff. Auch bei den deutschen Romantikern, etwa Friedrich Schlegel, Clemens Brentano oder Achim von Arnim, setzte zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Rheinbegeisterung ein. Der Mittelrhein wurde zum touristischen Muss.

Zweihundert Jahre später ist das Interesse ungebrochen. „Die Rheinromantik sowie die touristische Tradition und deren künstlerische Umsetzung sind Themen, die stark nachgefragt werden“, stellt Elmar Scheuren fest. Er leitet das derzeit geschlossene Siebengebirgsmuseum in Königswinter. Dieses wird erweitert, neu positioniert und soll dann im Sommer wieder öffnen: als „Fachmuseum für Rheinromantik“, zusammen mit der privaten Bonner „Sammlung RheinRomantik“. Weitere Themenschwerpunkte: Rheintourismus und Geschichtslandschaft Siebengebirge.

Hohe Wertschöpfung

In Königswinter und Umgebung wird überhaupt viel gebaut, erweitert und neu positioniert. Oben auf dem Drachenfels. Auf dem Weg dorthin – die gute, alte Zahnradbahn hat eine komplett neue Mittelstation erhalten. An der Klosterruine Heisterbach. Am Marktplatz. Das Tourismusziel Königswinter-Drachenfels-Siebengebirge wird sozusagen generalüberholt und auf Vordermann gebracht. Der Grundstein wurde mit der Erstellung eines Tourismus-Leitbildes im Jahr 2000 gelegt, den wesentlichen Handlungsrahmen bilden der „Masterplan Tourismus & Naturerlebnis Siebengebirge“ und die Regionale 2010, ein Strukturprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen (siehe ausführlich „Die Wirtschaft“, Heft 3/2010). Das Ziel der Maßnahmen: „Ein zurückgewonnenes qualitätsvolles Reiseziel ist ein wesentlicher Standortfaktor und damit Grundlage für eine regionale Wertschöpfung“, heißt es in der Broschüre der Regionale 2010 zum Projekt „:tourismusperspektive Königswinter_Drachenfels_Siebengebirge“.

„Tourismus und Erholung haben eine herausragende Bedeutung für die Wirtschaft in Königswinter und die Region“, betont Oliver Bremm. Und stützt seine Aussage mit Zahlen. „Die Wertschöpfung aus touristischen Umsätzen im Kerngebiet Königswinter und Bad Honnef beträgt 35 Millionen Euro, das entspricht einem Äquivalent von rund 1.700 Arbeitsplätzen. Bis zu 450.000 Menschen übernachten jährlich im Kerngebiet. Das ist mehr als ein Drittel sämtlicher Übernachtungen im Rhein-Sieg-Kreis (1,1 Millionen).  Die Zahl der Tagesbesucher in Königswinter und Bad Honnef beträgt knapp 800.000 pro Jahr, allein 400.000 erklimmen den Drachenfels – zu Fuß, per Mountainbike, Esel oder historischer Zahnradbahn“.

Diese Zahl wird dank der umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen steigen – da sind sich die Tourismusverantwortlichen einig. „Die Neugestaltung auf dem Drachenfels erfährt in der Bevölkerung breite Unterstützung“, beobachtet Dr. Andreas Pätz, Wirtschaftsförderer der Stadt Königswinter, „wir können uns vor Beifall kaum retten.“ Selbst die derzeitige Baustelle ist eine Attraktion. „Sonst beginnt der Touristenstrom eher im Frühling, jetzt zieht der Abbruch des Siebzigerjahre-Gebäudes schon im Winter die Leute auf den Drachenfels“, erzählt Pätz. Sogar die Tagesthemen haben im Januar berichtet.

Im Visier: Wanderer, Radler, Flusskreuzfahrer – und Reisekataloge

Auch die Stadt Bonn wächst in der Besuchergunst. Im vergangenen Jahr gab es 1,2 Millionen Übernachtungen, ein Plus von 6,1 Prozent gegenüber 2009. Aus Deutschland kamen 10,2 Prozent mehr Gäste, aus dem Ausland 5,8 Prozent mehr Besucher. Dabei gehen allerdings fünf von zehn Übernachtungen auf Geschäftsreisen zurück und weitere drei auf Kongresse und Tagungen. Lediglich 20 Prozent, also etwa 240.000 Übernachtungen, entfallen in der Stadt Bonn auf Touristen. „Das entspricht zirka 180.000 Gästen“, schätzt Tilmann Flaig, Geschäftsführer der Tourismus & Congress GmbH Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler.

Zahlreiche Restaurants, Biergärten und Strandbars bieten erholsame Plätze in unmittelbarer Nähe zum Rhein.

Die Bonnbesucher kommen vor allem aus vier Gründen. „Auf Platz 1 rangiert auch 20 Jahre nach dem Regierungsumzug immer noch die ehemalige Bundeshauptstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten“, weiß Flaig aus Untersuchungen. Auf Platz 2 liegen dann bereits der Rhein und die Rheinromantik, gefolgt von der Museumsmeile (Platz 3) und Beethoven (Platz 4). „Bei einer typischen Städtereise mischen sich die Motive natürlich“, erzählt der Tourismuschef der Region, „aber eine Rheinschifffahrt und ein Besuch von Drachenfels und Drachenburg sind bei allen Gästen beliebt.“ Mit anderen Worten: Ohne Rhein würde etwas ganz Wesentliches fehlen.

Victoria Appelbe findet, dass sich die touristische Gästezahl ruhig erhöhen dürfte. „Da steckt noch jede Menge Potenzial drin.“ Ein sehr starkes Thema ist laut Flaig beispielsweise der Wandertourismus im Allgemeinen, der Rheinsteig im Besonderen. Der Fernwanderweg ist enorm beliebt, und Bonn spielt eine besondere Rolle: „Wir sind Startpunkt oder Ziel jeder größeren Rheinsteigwanderung“, sagt Flaig. Der Rheinsteig ist also gut für Bonn. „Und er ist gut für die Hotels und die Gastronomie in strukturschwächeren Gebieten, die aber jetzt am Rheinsteig liegen.“

Trend Nr. 2: Radtourismus. Eigentlich nichts neues, der Rhein ist schon seit langem bei Radwanderern beliebt. Aber: „Bonn ist eine wichtige Durchreisedestination und kann sich entsprechend vermarkten“, so Flaig. Also gilt es, spezielle Reiseveranstalter, etwa Radissimo Radreisen aus Karlsruhe, davon zu überzeugen, Bonn in die Kataloge aufzunehmen und mit ihnen attraktive Reisepakete zu schnüren. „Ein Riesenthema“ sieht Flaig zudem in Elektrofahrrädern. „Das ist ein Megatrend mit enormen Zuwachsraten“, weiß er, „und dass immer mehr Menschen E-Bike fahren, öffnet für uns eine ganz neue Welt!“ Für die E-Radler ebenso, denn abseits des Rheins ist die Region topografisch sehr anspruchsvoll, doch Elektroräder erlauben auch Abstecher ins Siebengebirge oder die Voreifel – ohne allzu viel Anstrengung.
Trend Nr. 3: Flusskreuzfahrten. „Das ist zurzeit eines der am stärksten wachsenden Tourismussegmente“, berichtet Victoria Appelbe. Das Problem für Bonn: Bis jetzt gibt es keinen geeigneten Anleger für große Binnenkreuzfahrtschiffe. „Das Interesse bei Veranstaltern ist aber da“, weiß Appelbe aus Gesprächen. „Baut einen entsprechenden Anleger, dann halten mehr Schiffe in Bonn“, hat Flaig von vielen Reiseagenturen vernommen.

 
Tilmann Flaig, Geschäftsführer der Tourismus & Congress GmbH Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler, freut sich über steigende Besucherzahlen.

 

Schon jetzt legen kleinere Kreuzfahrtschiffe in Bonn an, laut Flaig gehen hier jährlich etwa 50.000 Gäste an Land. Diese Zahl könnte bald kräftig steigen: Die niederländische Reederei Feenstra und die Bonner Personen Schiffahrt e.G. haben eine Gesellschaft gegründet, die in Höhe der Beethovenhalle einen neuen Anleger für Flusskreuzfahrtschiffe errichten und betreiben wird. Schiffe mit einer Länge von bis zu 135 Metern sollen dort ab 2012 ankern können.

Die wirtschaftliche Wirkung des Tourismus lässt sich für Bonn ebenso klar beziffern wie fürs Siebengebirge. Laut Tourismus & Congress GmbH (T&C) beläuft sich die Gesamtwertschöpfung aus dem Tourismus in Bonn auf rund 700 Millionen Euro pro Jahr. Im Rhein-Sieg-Kreis sind es noch einmal 700 Millionen. „Das entspricht“, so Flaig, „einem Arbeitsplatzäquivalent von 18.000 in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis.“

Rhein in Flammen

Das wichtigste touristische Einzelereignis in der Region ist laut T&C ganz klar „Rhein in Flammen“. Flankiert von rot leuchtenden Bengalfeuern und fünf Feuerwerken fährt eine Flotte von rund 60 Schiffen von Linz nach Bonn. Mehrere 10.000 Menschen an Bord und Hunderttausende an den Ufern erleben zum Abschluss ein musiksynchrones Höhenfeuerwerk, in diesem Jahr am 7. Mai. Allein T&C mietet acht Schiffe und verkauft die Plätze an nationale und internationale Reiseveranstalter. Rund 3.500 Gäste kommen über diesen Vertriebsweg.

Zwischen Bingen und Bonn gibt es jedes Jahr fünf „Rhein in Flammen“-Veranstaltungen. Sie ziehen zusammen 100.000 Gäste auf Schiffen und eine Million Besucher an Land an. Mit einem gemeinsamen Markenauftritt bündeln die fünf Veranstaltungen seit Juli vergangenen Jahres ihre Kräfte. Ziel der Allianz ist eine verbesserte nationale und internationale Vermarktung bei möglichen Kunden und Sponsoren.

„Unser Schiff für die Rheinländer“

Mit dabei sein wird am 7. Mai auch die „MS Drachenfels“. Erstmals ist das Schiff der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt AG (KD) dann als „Schiff der Wirtschaft“ für die IHK Bonn/Rhein-Sieg unterwegs. Außerdem feiert das Kölner Traditionsunternehmen bei „Rhein in Flammen“ eine besondere Premiere: Das nagelneue Eventschiff „MS RheinFantasie“ tritt seinen Dienst an. Danach wird es vor allem zwischen Köln und dem Siebengebirge unterwegs sein, im Linienverkehr ebenso wie als Partyschiff. „Denn die MS RheinFantasie ist unser Schiff für die Rheinländer“, betont KD-Vorstand Norbert Schmitz. Sie stellen den Hauptanteil der Fahrgäste zwischen Köln, Bonn und dem Siebengebirge, während KD im Oberen Mittelrheintal vor allem internationale Touristen befördert. „Rheinländer“ ist allerdings weit gefasst. Zum Drachenfels schippern auch zahlreiche Belgier, Niederländer und Luxemburger.

Beliebt: Schiffstouren auf dem Rhein

Das 185 Jahre alte Unternehmen hat auf Rhein, Mosel und Main 14 eigene Tagesausflugsschiffe im Einsatz, die „MS RheinFantasie“ ist Nr. 15. KD befördert insgesamt rund anderthalb Millionen Fahrgäste pro Jahr. „Dabei spielt das Siebengebirge mit Königswinter und Drachenfels eine wichtige Rolle für uns“, erläutert Schmitz, „und gewinnt weiter an Bedeutung.“ Die Neuerungen oben auf dem Drachenfels oder das „Sea Life“ in Königswinter böten neue Anreize und werteten das Ausflugsziel auf, so Schmitz. „Das freut uns sehr!“

Entsprechend viele Schiffsfahrten bietet KD in Richtung Siebengebirge an: von Bonn aus in der Saison fast zwei Dutzend pro Tag. Dazu kooperiert das Kölner Unternehmen mit der Personenschifffahrt Siebengebirge eG (PSS), die ihren Sitz in Bad Godesberg hat. Die PSS-Schiffe fahren zwar „unter eigener Flagge“, die nahezu stündlichen Fahrten sind jedoch im KD-Fahrplan enthalten. Zusätzlich fährt täglich ein KD-eigenes Schiff von Köln über Bonn und Königswinter bis Linz und Bad Hönningen. Außerdem bietet KD jeden Tag eine Fahrt durchs komplette Mittelrheintal an, von Mainz bis Köln.

Das Unternehmen engagiert sich auch als Sponsor – etwa für den Rheinsteig. „Das Thema Wandern – und aus unserer Sicht natürlich die Kombination aus Wandern und Schiff – hat nicht zuletzt durch den Rheinsteig deutlich an Attraktivität zugenommen und lockt ebenfalls Ausflügler“, sagt Norbert Schmitz.

Mit fünf Ausflugsschiffen befährt die Bonner Personen Schiffahrt e.G. (BPS) den Rhein. Das wohl auffälligste und beliebteste: die „Moby Dick“. Ein anderes: der Katamaran „Filia Rheni“. Dieses Schiff gehört Clemens Schmitz, dem zweiten Vorstand der BPS. Sein Urgroßvater hat zusammen mit zwei Söhnen 1929 das Unternehmen gegründet, heute besteht die Genossenschaft aus fünf Mitgliedsfamilien. Jede von ihnen betreibt ein Schiff und ist selbst für Nautik und Restauration verantwortlich. Die Genossenschaft unterhält die Landebrücken und Verkaufsagenturen und kümmert sich um Werbung und Marketing. Außerdem hat sie vor zwei Jahren am Alten Zoll (Rheinkilometer 654,5) die neue Unternehmenszentrale errichtet.

Zwischen Ostern und Ende Oktober befahren die fünf BPS-Schiffe den Rhein zwischen Bonn, Königswinter und Linz nach Linienfahrplan. Vor allem in der Hochsaison kommen Sonderfahrten hinzu, bis zur Mosel etwa oder zum Kölner Zoo. Auf den Schiffen sind jeweils im Durchschnitt sieben Festangestellte und fünf Aushilfskräfte unterwegs, außerdem beschäftigt die Genossenschaft in der Saison zehn bis zwölf Tageskräfte. Damit stellt die BPS bis zu 70 Arbeitsplätze zur Verfügung. Das Geschäft ist zwar nicht immer einfach, weil stark saisonabhängig. Aber es läuft, weil Rheinfahrten beliebt sind. Auf die in Kürze beginnende Saison freut sich Schmitz: „2011 wird ein sehr interessantes Jahr für uns.“ Denn am 15. April öffnet in Koblenz die Bundesgartenschau (Buga) ihre Tore, und das wird für zusätzliche Fahrgäste sorgen.

überqueren und geniessen

Wer es kürzer mag, ganz kurz, sagen wir: 350 Meter, der besteigt kein Tagesausflugsschiff, sondern die Fähre. Von der Personenfähre zwischen Wesseling und Niederkassel bei Rheinkilometer 669 bis zur Autofähre zwischen Bad Honnef und Rolandseck lässt sich der Rhein auf drei Brücken und sechs Fähren überqueren. 350 Meter, fünf Minuten – eine Minikreuzfahrt. Die von vielen Menschen „gebucht“ wird.
„Wir können auf Ausflügler nicht verzichten“, sagt etwa Helga Mertens, Prokuristin der Autoschnellfähre Bad Godesberg-Niederdollendorf (ASF) GmbH. Mit je nach Tageszeit einer oder zwei Fähren transportiert die ASF jährlich 180.000 Pkws. Hinzu kommen jede Menge Fußgänger und – im Winter – zehn Fahrradfahrer pro Tag. Die Nutzer: vor allem Berufspendler, Auszubildende, Schüler. Ab Mai sieht die Sache ganz anders aus. Aus zehn Fahrrädern werden an einem schönen Sommertag 1.000. „Eine Stunde Sonnenschein beschert uns gleich zusätzlichen Umsatz“, weiß Helga Mertens. Insgesamt setzt das Unternehmen in den Sommermonaten 20 Prozent mehr um.

Wer seine Minikreuzfahrt mit der Fähre von Königswinter nach Mehlem unternimmt (Rheinkilometer 645), kann anschließend das Siebengebirgspanorama von der Terrasse des Restaurants  K. und K. im Weinhäuschen am Rhein genießen. Und Österreichisch speisen. „Bei uns können Sie gute Küche, Service und tolle Ausblicke kombinieren“, wirbt Edmund Kagerer, der das Restaurant gemeinsam mit seinem Bruder Christoph betreibt. Viele Radler und Spaziergänger stoppen hier in den Sommermonaten, an einem warmen Tag ist die Terrasse mit 110 Plätzen von 12 bis 22 Uhr voll.

Nur vom Tourismus lebt das K. und K. aber nicht. Im Gegenteil: „Wir haben 80 Prozent Stammgäste“, freut sich Kagerer, dessen Haus auch an Winterwochenenden häufig ausgebucht ist. Aus Ausflüglern können aber Stammgäste werden. „Mancher ist schon als Radfahrer auf einen Kaffee gekommen und ist mit Familie oder Freunden zum Abendessen wiedergekommen.“

Übernachten und Rheinblick geniessen

Auch die Hotels am Rhein ziehen im Sommerhalbjahr viele Ausflügler an. Zum Beispiel das Ameron Hotel Königshof bei Rheinkilometer 654,5. „Ein großes, wichtiges Standbein unseres Hauses ist die Gastronomie“, erzählt Direktor Erik W. Roedenbeck. Mit 14 Punkten im Restaurantführer „Gault Millau“ gehört das Restaurant „Oliveto“ im Königshof zu den Besten in Bonn, doch neben der guten Küche gibt es einen zweiten Grund fürs Kommen: „Der Rhein und die Aussicht von unserer Terrasse bieten ein großes Extra“, findet Roedenbeck, „hier haben Sie im Sommer ein Gefühl von Urlaub!“

Nach der zentralen Lage in Bonn nennt der Direktor den Rhein bereits als zweiten Pluspunkt seines Hauses. An dritter Stelle steht dann die Tradition. Der Königshof, in den Fünfzigerjahren eröffnet, ist stark mit der Geschichte der „Bonner Republik“ verknüpft, hier fanden zum Beispiel viele Staatsempfänge statt. Als viertes Alleinstellungsmerkmal nennt Roedenbeck „den persönlichen, vertrauten Kontakt mit den Gästen“. Das Haus zählt viele Stammgäste, darunter auch Prominente, etwa Kurt Masur, dem sogar eine Suite, die Kurt-Masur-Suite, gewidmet ist, in der der Dirigent übernachtet, wann immer er nach Bonn kommt.

Auch das Kameha Grand Hotel am Bonner Bogen  bei Rheinkilometer 651, das neueste Hotel am Rhein, freut sich über Ausflüger. Das Kameha versteht sich vorrangig als „Meeting- und Eventhotel“. Von Freitag bis Sonntag schlägt allerdings die Stunde eines eher touristisch inspirierten Publikums. Und das umwirbt das Kameha ganz gezielt auch mit „unserem großen Pluspunkt Lage“, wie der geschäftsführende Direktor Thomas Kleber berichtet. „Hier bei uns herrscht Urlaubsflair.“ Das beginnt bereits bei der Architektur. Das Gebäude ist einer Rheinwelle nachempfunden, es fällt zum Rhein hin ab und bietet seinen Gästen mit den vielen Glasflächen schöne Landschaftsblicke. „Damit erweist das Gebäude dem Rhein seine Referenz“, findet der Direktor.

Mehr als hundert Jahre bevor im Kameha die ersten Gäste eincheckten, öffnete das Rheinhotel Dreesen auf der anderen Rheinseite (Kilometer 647) seine Tore. Mit Geschäftsführer Olaf Dreesen ist inzwischen die fünfte Familiengeneration am Ruder. Das Traditionshaus ist gut ausgelastet, auch wenn sich im Zuge des Regierungsumzugs vor 20 Jahren etwas Wesentliches verändert hat. „Wir haben damals 100 Prozent unserer Gäste verloren“, erinnert sich Dreesen, „aber 105 Prozent Gäste wiedergewonnen.“ Für viele von ihnen ist die tolle Lage direkt am Rhein ein Hauptkriterium. „Das gilt sowohl für Privatgäste, die fast ausschließlich an den Wochenenden kommen, als auch für Geschäftsreisende und Tagungsteilnehmer“, so Dreesen. Der Rhein bietet ihnen Blicke – und Auslauf. „Viele Gäste nutzen die Lage, um zu joggen oder sich eines unserer Fahrräder auszuleihen.“

Damit fahren sie dann zum Beispiel nach Tagungsende rheinabwärts bis zum Biergarten „Alter Zoll“, setzen mit der „Rheinnixe“ über nach Beuel, radeln stromaufwärts bis nach Niederdollendorf, nehmen die Fähre nach Bad Godesberg und lassen den Tag bei einer guten Flasche Riesling aus dem Siebengebirge auf der Terrasse des Rheinhotels Dreesen ausklingen, bevor sie auf ihr Zimmer gehen. Das nennt man touristische Wertschöpfung.

Lothar Schmitz, freier Journalist, Bonn