Sport

Spiele, Siege und Sponsoren

10.06.2010

Begleitet von Trommelwirbeln und Feuerfontänen laufen sie einer nach dem anderen auf das Spielfeld des Telekom Domes: Die Telekom Baskets Bonn bei einem Bundesliga-Heimspiel. Schon vor dem Anpfiff wecken fetzige Musik und wehende Fahnen die Emotionen der Fans, die Halle ist in magentafarbenes Licht getaucht. Es ist kein Zufall, dass die Vereinsfarben Schwarz, Weiß und Magenta die Farben des Hauptsponsors Deutsche Telekom aufgreifen: Magenta ist allgegenwärtig, sogar auf einigen Kacheln in den Duschen der Spieler.

„Manche glauben, dass wir der Telekom gehören. Dabei sind wir ein Verein. Als solcher haben wir die BonBas GmbH gegründet, die sich um Bundesliga und Telekom Dome kümmern“, sagt Michael Mager, Pressesprecher der Telekom Baskets Bonn e.V.. Der Hauptsponsor-Vertrag ist vor kurzem um drei weitere Jahre verlängert worden, hinzu kommen weitere Vereinbarungen. So hat die Telekom das Namensrecht für den Telekom-Dome für zehn Jahre erworben. Über die Höhe des Sponsorings schweigt Mager sich aus, er verrät nur eines: „Der Bundesliga-Etat liegt zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro. Damit stehen wir in der Liga etwa an fünfter Stelle.“

Sport ist ein starker Wirtschaftsfaktor, von dem zahlreiche Branchen profitieren: Seien es Industrie und Handel, die Breiten- und Spitzensportler mit Kleidung, Geräten und Fanartikeln ausstatten. Seien es Ticketshops und Agenturen, die Sport und Sportler vermarkten. Sei es die Gastronomie, die wie beim RheinEnergieMarathon in Bonn 200.000 Besucher versorgt. Oder eben Firmen wie die Deutsche Telekom, die in ihren Werbeetats hohe Summen für das Sport-Sponsoring vorsehen und ihr Image damit prägen.

Individuelle Sponsor-Verträge

Nichts geht ohne die Farbe Magenta: Cheerleader des Baskets Dance Teams.

Der Name eines Vereins ist eine hochwertige Werbefläche. Die Telekom ist durch die Telekom Baskets Bonn das ganze Jahr über deutschlandweit präsent. Doch es gibt viele Sponsoren, die für sich einen anderen Nutzen ziehen, in dem sie die Baskets sponsern. Während die Mannschaft kurz nach dem Anpfiff durch einen Korb von Tim Ohlbrecht die Führung übernimmt, wechseln die Werbebanden im Telekom Dome. Wo vorher ein lokaler Dienstleister auf sich aufmerksam machte, erscheint nun das Logo eines weltweit agierenden Getränkekonzerns. Auf den Flachbildschirmen und den Werbeflächen über den Köpfen der Zuschauer werben Autohäuser, Steuerberater, Lebensmittelketten und Energieversorger. „Die Verträge sind ganz individuell“, sagt Mager. „Manche Sponsoren wollen VIP-Karten, um ihre Geschäftsfreunde einzuladen oder einen Tisch für ihre Familie zu reservieren. Andere kommen her, um zu netzwerken. Wieder andere unterstützen ihre Kinder, die in unseren Jugendmannschaften spielen.“ Allen gemeinsam ist der Wunsch nach Präsenz in den Köpfen der Zuschauer.

Was für die Baskets gilt, gilt für alle Vereine in Bonn/Rhein-Sieg: Wer eine Tribüne neu bauen will, das Vereinsheim renoviert oder einen Satz neuer Trikots braucht, setzt auf Sponsoren. Allein im Kreissportbund Rhein-Sieg e.V. sind 588 Vereine organisiert, im Bonner Stadtsportbund sind es 280.

„Jeder Verein, der einen Bonner Sportplatz nutzt und Sponsoren akquiriert, kann die Einnahmen für sich nutzen“, sagt Hans Jürgen Hartmann, Leiter des Bonner Sport- und Bäderamtes. Allerdings macht die Stadt aus Sicherheitsgründen eine Vorgabe: Die Werbebanner müssen von einer bestimmten Firma, die die entsprechende Ausschreibung gewonnen hat, hergestellt und aufgehängt werden. Die Produktionskosten müssen die Vereine übernehmen.

Im Telekom Dome haben die Baskets inzwischen ihre Führung deutlich ausgebaut. Das rhythmische Trommeln, das Klatschen der Fans und die Sprechchöre unterstützen die Mannschaft beim nächsten Angriff: Schnell geht es nach vorn, ein kurzes Zeichen von Spielmacher JJ Strasser, Pass, Wurf auf den Korb, der Ball prallt zurück. Die Zuschauer halten den Atem an, Rebound. Jubel! Bryce Taylor steht die Spielfreude im Gesicht, während er nach seinem Treffer für den Bruchteil einer Sekunde am Korb hängt und sich hinabschwingt. Ein Moment athletischer Eleganz, Dynamik und Kraft.

Athletische Eleganz, Dynamik und Kraft

Wie alle anderen Spieler absolviert Taylor sein Krafttraining in der Baskets Sportfabrik. Dieses Gesundheitszentrum hat ebenfalls im Telekom Dome seine Räume und wird von Dieter und Paul Markus betrieben. Denn auch aus dem Zusammenhang von Sport und Gesundheit hat sich ein wichtiger Wirtschaftszweig entwickelt. „Die Kunden möchten Qualität“, sagt Geschäftsführer Dieter Markus. „Sie wünschen ein angenehmes Ambiente, helle, saubere Räume und vor allem eine gute sportwissenschaftliche Betreuung.“ Markus blickt ins Studio, in dem an diesem Vormittag auffallend viele ältere Menschen ihre Ausdauer an Fahrrad oder Laufband erhöhen oder ihre Muskeln mit Hilfe von Krafttraining stärken. „Inzwischen haben wir viele Mitglieder über siebzig“, sagt er, „das war vor zehn Jahren noch eine Randgruppe.“ Seitdem hätten viele Studien bestätigt, dass Krafttraining für Mobilität und Gleichgewicht unersetzlich sei. Die Lebensqualität im Alter zu erhöhen sei ein klarer Trend, die Wachstumsmöglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft. „Drei weitere Hauptgründe, aus denen auch jüngere Menschen ins Gesundheitszentrum kommen, sind das Abnehmen, die Rückenprobleme und der Wunsch nach einer besseren Figur.“

Dieter Markus, Geschäftsführer der Sportfabrik

Alles Faktoren, die nicht nur die persönliche Lebensqualität steigern, sondern der Allgemeinheit zu Gute kommen. „Der Verlust durch die Auswirkungen des Bewegungsmangels geht wahrscheinlich in die Milliarden“, sagt Prof. Dr. Bernd Siegemund, Geschäftsführer der B.A.D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH. Sein Unternehmen hat sich auf das Gesundheitsmanagement spezialisiert, Sport spiele eine bedeutende Rolle in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Allerdings empfiehlt Siegemund ein Gesamtkonzept: „Einfach eine Laufgruppe zu bilden oder mal eine Rückenschule anzubieten ist nicht effektiv.“ Sein Tipp: Führungskräfte sollten auch hier ihre Beispielwirkung erkennen und als Vorbild voraus gehen. „Ziel sollte es sein, das Thema Gesundheit als Unternehmenswert zu etablieren.“

Chancen für Jugendspieler

Die Zuschauer im Telekom Dome hält es nicht mehr auf den Stühlen. Im dritten Viertel spielen die Baskets mit dem Gegner – im wahrsten Sinne. Sie erhöhen auf 56:30. Auszeit. Der Gegner muss sich beraten. Auftritt der Cheerleader des Baskets Dance Teams.

Auf der Spielerbank sitzen zwei Jugendspieler, die neben den zwölf Profis zum Kader gehören und auf ihre Chance warten, in einem Bundesligaspiel ihr Können zu beweisen. Sie kommen aus einer der Jugendmannschaften, denn neben dem Profisport gehört ein Amateur- und Jugendverein mit 490 Mitgliedern zu den Telekom Baskets Bonn.

Markus Egyptien, Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH KOMM MIT International, betreut mit seinem Team internationale Jugendfussballspieler.

Sport hat immer mit Nachwuchsförderung zu tun. Und obwohl die Vereine in Bonn/Rhein-Sieg auf ihre vielen ehrenamtlichen Helfer nicht verzichten können, liegt auch dort ein Geschäftsfeld, das Umsatz und Arbeitsplätze schafft. Wie bei der gemeinnützigen GmbH KOMM MIT International. „Wir bieten seit über 25 Jahren internationale Jugendfußballturniere an“, sagt Geschäftsführer Markus Egyptien. Seit 1994 ist das Unternehmen mit vierzehn festen Mitarbeitern und etwa fünfhundert freiberuflichen Betreuern, Dolmetschern und Organisatoren offizieller Kooperationspartner des Deutschen Fußballbundes. Jährlich nehmen etwa 25.000 Jungen und Mädchen an den Turnieren in Italien, Spanien, Österreich und vielen anderen Ländern teil. Für kleines Geld bekommen sie Transport, Übernachtung, Verpflegung, Spielbetrieb und ein Rahmenprogramm wie zum Beispiel die Besichtigung des Stadions Camp Nou des FC Barcelona. „Manche Fans und Eltern fahren mit. Sie nehmen ihren Jahresurlaub und hängen noch ein paar Tage Ferien dran“, sagt Egyptien.

Restaurant zu verpachten

An Urlaub ist bei den Baskets noch nicht zu denken. Nach einem klaren Sieg von 82:66 recken die Spieler die Arme in die Höhe, um ihren Fans zuzujubeln, bevor sie in der Kabine verschwinden. Die ersten Zuschauer verlassen die Halle. Diejenigen, die den Sieg noch feiern möchten, fahren oder gehen irgendwohin. Denn die Rotunde – so heißt das runde Restaurant im Telekom-Dome, das einen herrlichen Blick über Bonn bietet – steht leer. „Solange wir von der Stadt Bonn nicht erfahren, wie viele Fremdveranstaltungen in der Halle stattfinden dürfen, ist die Rotunde nicht zu vermarkten“, sagt Pressesprecher Michael Mager. „Jeder Pächter möchte Planungssicherheit.“ Denn bisher finden in der Halle außer 17 Bundesliga-Heimspielen und weiteren Begegnungen wie den Play-Offs oder den Spielen der Eurocup-Saison nur wenige Events statt. Die Baskets arbeiten daran, ihre Halle für Firmenveranstaltungen vermarkten zu können – hier liegt ein Geschäftsfeld der Zukunft.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn