stark für den Aufschwung

Ein Jahr Unternehmergesellschaft - Resonanz gut

10.03.2010

Groß waren die Unkenrufe, als die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) mit erleichterten Gründungsmöglichkeiten vor einem Jahr an den Start ging. Manche Kritiker werden auch heute nicht müde, die oftmals als Mini GmbH bezeichnete Gesellschaftsrechtsform als unseriöse Variante der GmbH abzustempeln. Die Befürworter sind dagegen davon überzeugt, dass sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Gesellschaftsrechtsformen verbessert. Wie kommt die Unternehmergesellschaft bei den Unternehmen an?
Die Erfahrungen der IHKs in den ersten zwölf Monaten sind durchweg positiv. Als Ergänzung zur bewährten GmbH erleichtert die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) den Gründern den Weg in die Selbständigkeit als Kapitalgesellschaft. Die Nachfrage nach der Unternehmergesellschaft ist rege. Die 80 IHKs haben in den ersten zwölf Monaten rund 23.000 Anfragen dazu beantwortet. Bei einem Viertel der IHKs gehen rund zehn telefonische/schriftliche Anfragen pro Woche zur Unternehmergesellschaft ein, über ein Drittel der IHKs verzeichnet immerhin noch bis zu fünf Anfragen pro Woche.

Gemessen an sämtlichen Existenzgründungsgesprächen durch die IHKs – im Jahr 2008 waren es insgesamt rund 320.000 – entfallen sieben Prozent auf die Unternehmergesellschaft. Dabei sind die Gründungen von Unternehmergesellschaften in der Fläche nicht gleich verteilt. Vielmehr zeigt sich eine starke Fokussierung auf die größeren Städte und deren Einzugsgebiete, wie zum Beispiel Berlin, Hamburg, Köln, München oder Stuttgart. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena hat zum 1. November 2009 bundesweit 19.563 Unternehmergesellschaften gezählt.

Besonders gefragt sind Gründungen in der Dienstleistungsbranche. Aber auch im Handelsbereich und bei Bauleistungen wird die Unternehmergesellschaft gern genutzt. Trotz der teilweise beeindruckenden Gründungszahlen im ersten Jahr besteht vielerorts noch Informations- und Beratungsbedarf – bei Existenzgründern, aber auch bei Geschäftspartnern, Banken und Beratern.

Die ersten Erfahrungen der IHKs zeigen auch, dass der vom Gesetzgeber vorgezeichnete Weg – die Unternehmergesellschaft als Einstieg zu nutzen und Anreize zur Umwandlung in eine GmbH zu schaffen – nicht zuletzt durch die Rücklagenvorgabe, beschritten wird. Einige, wenn auch bislang wenige, haben diesen Weg, trotz der erst seit kurzem zur Verfügung stehenden Gründungsmöglichkeit der Unternehmergesellschaft, bereits gewählt.

Gründungen von Limited nehmen ab

Mit der Gründungswelle der Unternehmergesellschaft haben die Gründungen von Limited bzw. die Eintragung von deren (Haupt-) Zweigniederlassungen in Deutschland abgenommen. Damit liegt der Schluss nahe, dass die Gründer bei der Wahl der Rechtsform zumindest teilweise auf die Unternehmergesellschaft zurückgreifen. So kann der  Unternehmer innerhalb des deutschen Rechtsraums gründen und die teilweise kostenaufwändigen Beratungen zum Limited-Recht vermeiden. In fast allen IHK-Bezirken sind 2009 die Limited-Gründungen zurückgegangen. Dies oftmals um 50 Prozent, in Einzelfällen sogar darüber hinaus. Allerdings müssen bei den zum 31. Oktober 2009 erhobenen Zahlen die allgemeinen Auswirkungen der Wirtschaftskrise einbezogen werden.

Wenig Ein-Euro-Gründungen, aber geringes Stammkapital

Durchschnittlich ca. 12 Prozent der UG-Gründungen erfolgen mit einem Ein-Euro-Stammkapital. Hierbei schlagen sicherlich die Vorratsgesellschaften zu Buche, die mit einem Euro, aber auch mit 100 Euro Stammkapital gegründet und angeboten werden. Ingesamt betrachtet wird das Stammkapital jedoch überwiegend im Bereich bis zu 1.000 Euro gewählt. Allerdings finden sich, wenn auch nur vereinzelt, ebenfalls Gründungen mit bis zu 5.000 Euro Stammkapital. Die Befürchtung, dass Unternehmergesellschaften bei geringer Kapitalausstattung allein durch die Gründungskosten scheitern, hat sich damit bislang nicht bewahrheitet. Die grundsätzlich geringe Kapitalausstattung lässt sich häufig mit dem Unternehmensgegenstand erklären: Dienstleistungen – wie Beratungen etc. – sind in der Regel bereits mit einer geringen Geschäftsausstattung möglich. Oftmals reicht ein PC aus, um die Dienstleistungen anzubieten. Produktionsgewerbe oder ausstattungsintensive Unternehmen sind dagegen eher selten bei der Unternehmergesellschaft vertreten. Insgesamt wollen fünf Prozent aller von den IHKs beratenen Gründungsinteressenten ein Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe gründen, in den Dienstleistungsbranchen sind es 63 Prozent.

Es gibt noch Verbesserungspotenzial

Großes Streitthema im Gesetzgebungsverfahren war das notarielle Gründungsprotokoll, das im Wesentlichen nur Gesellschafter, Stammkapital und Geschäftsführung regelt. Trotz dieser sehr geringen Gestaltungsmöglichkeiten nutzen es die Gründer sehr häufig, reduziert es doch die Gründungskosten. In der Praxis zeigt sich, dass das notarielle Gründungsprotokoll vor allem bei Ein-Gesellschaftergründungen gut ankommt – bei mehreren Gesellschaftern zeigen sich jedoch Grenzen: Als Manko tragen die Gründer das Gesellschafterverhältnis untereinander, die Möglichkeit der Kündigung bzw. des Austritts aus der Gesellschaft oder deren Beendigung und die Beschränkung auf einen Geschäftsführer vor. Die Hoffnung, dass die Nutzung des notariellen Gründungsprotokolls zu einer Verfahrensbeschleunigung führt, hat sich in vielen Fällen leider nicht erfüllt. In Einzelfällen zeigt sich, dass die Formulierung des Unternehmensgegenstands nicht konkret genug ist und die Registergerichte die damit verbundene Firmierung beanstanden. Dadurch verzögert sich die Eintragung der Unternehmergesellschaft. Hier bedarf es der Hinweise seitens des das notarielle Gründungsprotokoll aufnehmenden Notars. Die IHKs unterstützen aber auch gerne im Vorfeld bei Firmierungsfragen.

Unternehmergesellschaft auch in Bonn/Rhein-Sieg eine Erfolgsgeschichte

Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) ist mit ca. 270 Gründungen seit Ende 2008 eine zunehmend beliebte Rechtsform bei Existenzgründern in der Region Bonn/Rhein-Sieg. Die Beschränkung der Haftung auf das Geschäftsvermögen entspricht dem Wunsch der meisten Existenzgründer. Durch die einfache Handhabung bei der Gründung und geringe Gründungskosten ist die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) die richtige Antwort auf ausländische Rechtsformen wir die Limited.

Nach einer Umfrage der Kammer im Herbst letzten Jahres sind die Geschäftsführer der „Mini GmbH’s“ sehr zufrieden. Sie erfahren im Umgang mit ihren Kunden nur wenige Vorbehalte. Die Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt wird bald nicht mehr aus dem Wirtschaftsleben wegzudenken sein. Weitere Infos finden Sie in einem Downloaddokument Die_Unternehmergesellschaft.pdf auf den Seiten der IHK.

Banken müssen mitziehen

In einigen Fällen ist es für Unternehmergesellschaften gerade außerhalb der großen Ballungsräume, schwierig, ein Geschäftskonto zu eröffnen. Die Banken begründen dies mit mangelnder  Erfahrung mit der neuen Gesellschaftsrechtsform und einer zu geringen Stammkapitalausstattung. Die Wirtschaftskrise schlägt sich auch bei den Unternehmergesellschaften nieder. Die ersten Insolvenzverfahren, auch Ablehnungen der Eröffnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse sind bereits eingeleitet bzw. abgeschlossen worden. Gleichwohl lässt sich derzeit keine außergewöhnliche Insolvenzrate feststellen.

Dennoch sind auch Unternehmergesellschaften auf eine gesicherte Finanzierungsbasis angewiesen. Gründern einer Unternehmergesellschaft sollte daher nicht pauschal ein Geschäftskonto verweigert werden. Ansonsten wird die erleichterte Existenzgründung mit Unternehmergesellschaften ad absurdum geführt.

Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) kann seit dem 1. November 2008 durch einen oder mehrere Gesellschafter mit mindestens einem Euro Stammkapital gegründet werden. Bei der reinen Bargründung kann das Stammkapital frei gewählt werden; es ist dann in voller Höhe vor der Anmeldung zum Handelsregister einzuzahlen. Die Einbringung von Sacheinlagen ist nicht möglich. Zudem ist eine jährliche Rücklage in Höhe eines Viertels des Jahresüberschusses zu bilden – gemindert um den Verlustvortrag des Vorjahres. Bei drohender Zahlungsunfähigkeit muss die Gesellschafterversammlung unmittelbar einberufen werden. Außer diesen wenigen Sondervorschriften finden die Regelungen für die GmbH Anwendung. 
     
Annika Böhm, DIHK